Baumaschinen in der Krise – Wie tief ist der Fall?

Wohin geht die Konjunktur der Bau- und Baustoffmaschinenbranche? Speziell die Baumaschinen sind vom aktuellen Abschwung getroffen wie niemals zuvor. Der Markt ist von einer extremen Unsicherheit geprägt; fast täglich sind neue Negativschlagzeilen zu lesen. Zuverlässige quantitative Prognosen sind in einer solchen Situation praktisch unmöglich, Tendenzaussagen stellen schon einen Erkenntnisgewinn dar. Die Konjunkturexperten des Fachverbandes werfen deshalb einen Blick zurück in die 90er Jahre, auf die letzte große Krise des Maschinenbaus und vergleichen diese mit der aktuellen Situation. Dass dabei die Analogien begrenzt sind und eine direkte Übertragbarkeit nicht gegeben ist, liegt auf der Hand. Zu unterschiedlich waren die jeweils vorausgegangenen Aufschwungphasen, sowohl hinsichtlich der Intensität als auch der Dauer. Dennoch ist ein Vergleich der Krisen sicher von Interesse.

Die Betrachtung von Auftragseingang und Umsatz in der langen Zeitreihe (1980-2009) unterstreicht die Einzigartigkeit des aktuellen Absturzes ebenso wie die des vorangegangenen, fast sechs Jahre andauernden steilen Aufschwungs. Daneben zeigt die Entwicklung nach dem Boom in Folge der Deutschen Einheit auch, dass es im Grunde zwei aufeinander folgende Abschwungphasen gab: von Mitte 1992 bis Anfang 1994 und von Mitte 1995 bis Ende 1996. Dies waren in den letzten 25 Jahren praktisch die beiden einzigen starken Rückgänge vor dem momentanen Einbruch. Beide dauerten jeweils ungefähr 22 Monate an und bewegten sich auf einem viel niedrigeren Niveau als 2008.

Neben dem absoluten Niveau ist vor allem der relative Verlauf der Krisen von Interesse. Die Entwicklung der Auftragseingänge lässt erkennen, dass sowohl 1992-94 als auch 1995-96 nach circa 14 Monaten ein Abflachen der Rückgänge zu verzeichnen war. Zum Ende der Krisen lagen die Auftragseingänge jeweils noch bei etwa drei Viertel der Ausgangswerte. Diese Entwicklung lässt sich aktuell nicht beobachten. Bereits jetzt sind die Auftragseingänge um beinahe die Hälfte eingebrochen, wobei die gleitenden Durchschnitte die Situation eher beschönigt wiedergeben. Ein Abflachen der Kurve war bis Februar nicht erkennbar.

Unklar ist heute noch, ob sich die Auftragseingänge mit dem Ende des langen Winters stabilisieren und sich eine Bodenbildung abzeichnet. Deshalb ist zur Zeit davon auszugehen, dass die Phase des Abschwungs länger andauern wird als die 22 Monate der vorangegangenen Krisen.

Doch es gibt auch positive Nachrichten. Zum ersten Mal seit neun Monaten hat sich im März das ifo-Geschäftsklima für den Bereich Bau- und Baustoffmaschinen verbessert. Auch wenn die Beurteilung der aktuellen Lage nochmals schlechter ausfiel, stieg die Geschäftserwartung für die nächsten sechs Monate zum zweiten Mal in Folge.

Vergleicht man die drei Krisen-Phasen und betrachtet die Darstellung in der Konjunktur-Uhr, so scheint die Talsohle relativ schnell zum Jahresbeginn 2009 erreicht worden zu sein, auf einem sehr niedrigen Niveau. Allerdings muss abgewartet werden, ob dies bereits das Signal einer Erholung ist: auch 1993 verschlechterte sich die Konjunktur nach einigen Monaten der Entspannung nochmals, bevor erst Anfang 1994 auf einen Wachstumspfad zurückgefunden wurde.

Zusammenfassend bleibt die Erkenntnis, dass die momentane Krise in ihrer Heftigkeit diejenigen nach dem Boom der Wiedervereinigung bei weitem übertrifft. Unklar ist, ob das Schlimmste bereits überstanden ist oder noch bevorsteht. Ein Anziehen der Auftragseingänge nach dem Winter könnte Vorbote einer Stabilisierung sein. Was aber die Branchenumsätze angeht, so muss aufgrund des Versatzes gegenüber den Auftragseingängen eine Erholung vor 2010 bereits aus heutiger Sicht ausgeschlossen werden.

www.vdma.org/construction

Aktuelle Marktentwicklung bei Baumaschinen
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