Organisationsentwicklung ist auch Stressprävention

Matthias Jübner

Das Antistress-Seminar im Rahmen des Unternehmermodells der StBG motivierte Matthias Jübner, sein Unternehmen mit Hilfe einer systematischenen Organisationsentwicklung (OE) effektiver und humaner zu gestalten.

S+E: Herr Jübner, bitte beschreiben Sie unseren Lesern Ihr Unternehmen.

Jübner: Unser Betrieb stellt seit jeher Betonwerkstein her, hauptsächlich für den Tiefbau. Der Schwerpunkt der Tätigkeit wurde in den letzten Jahren auf die Abwassertechnik und die damit verbundenen Serviceleistungen gelegt.

Im organisatorischen Bereich war der Generationswechsel zu bewerkstelligen. Der Betrieb wurde Anfang 2003 von Fritz Jübner auf Matthias Jübner übertragen. Mein Vater und meine Mutter sind bis heute weiterhin im Betrieb tätig.

In den Jahren 2002 bis 2004 gelang eine Expansion, die weitere organisatorische Aufgaben mit sich brachte. Wir beschäftigen heute etwa 20 Mitarbeiter.

Die Aufgabe bestand darin, eine strukturierte Zuständigkeit und einen guten Informationsfluss zu etablieren. Langjährige Mitarbeiter waren an bestehende Strukturen gewöhnt, die durch die Veränderung des Betriebes angepasst werden mussten. Neue Mitarbeiter und neue Aufgabenfelder mussten mit Bestehendem verknüpft werden.

S+E: Sie sind Teilnehmer am „Unternehmermodell“ der StBG. Aus welchen Gründen haben Sie sich für dieses Modell entschieden?

Jübner: Seinerzeit aus Kostengründen. Ein Vertrag mit einem externen Berater über die Durchführung einer sicherheitstechnischen Betreuung und einer betriebsärztlichen Beratung hätte nicht unerhebliche Kosten verursacht.

Aus heutiger Sicht gäbe es ein weiteres Argument für das Unternehmermodell: Ich bin durch die Teilnahme an den Seminaren deutlich sensibler für sicherheitstechnische Belange geworden.

S+E: Sie haben zusätzlich am Seminar zur Stressbewältigung teilgenommen. Warum?

Jübner: Ich hatte seit längerem gesundheitliche Beeinträchtigungen. Bereits vor dem Stressseminar hatte ich erkannt, dass diese Beeinträchtigungen mit der persönlichen Belastung zusammenhängen. Das Seminar sollte mir helfen, den Stress besser zu bewältigen. Meine Erwartungen wurden erfüllt.

S+E: Im Stressseminar lernten Sie die Referentin Dr. Engelhardt-Schagen, Fachärztin für Arbeitsmedizin und Organisationsentwicklerin, kennen und entschlossen sich, weitere externe Beratung durch sie in Anspruch zu nehmen. Was bewog Sie dazu?

Jübner: Im Seminar wurde die Situation des Betriebes und deren Auswirkungen auf das persönliche Befinden analysiert. Es zeigte sich, dass eine Reihe von Maßnahmen notwendig waren, um ein optimal geordnetes System zu bekommen. Die professionelle Organi-sationsentwicklung sollte diesen Vorgang beschleunigen.

S+E: Wobei sollte Frau Dr. Engelhardt-Schagen insbesondere helfen?

Jübner: Die Aufgaben der einzelnen Mitarbeiter mussten genau abgegrenzt werden. Die Weitergabe von Informationen musste deutlich geregelt werden. Dafür mussten zunächst ein Organigramm erarbeitet und die Stellenbeschreibungen erstellt werden.

S+E: Welche Erwartungen, welche Befürchtungen hatten Sie anfänglich?

Jübner: Ich bin da mit wenig Erwartungen hinein gegangen und habe das auf mich zukommen lassen. Befürchtungen gab es insofern, dass organisatorische Veränderungen gefordert werden könnten, die für die langjährigen Mitarbeiter und meine Eltern eine Überforderung dargestellt hätten. Dann hätte es zu einer Blockadehaltung kommen können, die die Leistung des gesamten Betriebes beeinträchtigt hätte.

S+E: Wie haben Sie die Mitarbeiter für diese Vorhaben gewinnen können?

Jübner: Die Mitarbeiter haben das auch auf sich zukommen lassen. Im Laufe der Zeit haben sie dann erkannt, dass die Maßnahmen zu Verbesserungen führen. Das ist die am besten geeignete Möglichkeit, Mitarbeiter für ein Vorhaben zu gewinnen.

S+E: Was haben Sie bisher schon verwirklichen können?

Jübner: Die notwendigen Unterlagen sind zum Großteil erstellt. Die Mitarbeiter und meine Eltern erkennen die Notwendigkeit der dargestellten Veränderungen. An der Umsetzung dieser Pläne muss noch eine ganze Zeit gearbeitet werden. Manches lässt sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht so schnell umsetzen, wie ich mir das wünschen würde. Anderes lässt sich nicht so leicht umsetzen weil Menschen gern an langjährigen Gewohnheiten festhalten.

S+E: Welche Veränderungen waren besonders förderlich für den Betrieb?

Jübner: Der Informationsfluss konnte durch genaue Anweisung an die Mitarbeiter erheblich verbessert werden. Es wurden Arbeitsplätze in der Verwaltung nach den Anforderungen des Informationsflusses örtlich neu definiert. Es wurden Formulare und eine Datenbank eingeführt, die Verluste vermeiden. In regelmäßigen Gesprächen mit einzelnen Mitarbeitern oder Arbeitsgruppen werden betriebliche, organisatorische oder technische Zusammenhänge erörtert.

S+E: Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden? Wenn ja, womit besonders?

Jübner: Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Es wurde konstruktiv gearbeitet und die Wege sind aufgezeichnet. Die Umsetzung ist natürlich ein längerer Weg. Die Möglichkeiten hängen von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von der wirtschaftlichen Entwicklung des Betriebes. Es wäre aber dumm, in diesem Punkt ungeduldig zu werden. Im übrigen ist eine Organisationsentwicklung sicherlich nie richtig abgeschlossen.

Das Interview führte Dr. Bernhard Kirchner, Betriebsarzt der StBG  

Organisationsentwicklung

Organisationsentwicklung (OE) ist ein  geplanter und systematischer Prozess mit dem Ziel, die Organisation wirksamer und humaner zu machen.

Grundelemente der OE sind:

Das Unternehmen

BJB – Jübner GmbH
Betonwerk und Kläranlagenbau
49453 Barver
Mitarbeiterzahl: 20