Die Haut – unsere unmittelbare Schutzschicht zur Umwelt

Die Haut stellt die Grenzschicht des Körpers zur Umwelt dar. Sie besteht aus 3 Schichten: die äußere, dünne Oberhaut („Epidermis“), die mittlere, feste Lederhaut („Dermis“), und die innerste, fettreiche Unterhaut („Subcutis“). Die Haut ist mit durchschnittlich ca. 10 – 12 kg und etwa 1/6 bis 1/5 unseres Körpergewichts unser größtes Organ. Sie bedeckt eine Fläche von 1,5 bis 2 Quadratmetern, ist aber nur 1,5 bis 4 mm stark.

Schematischer Aufbau der Haut (Abb. 1)
Schematischer Aufbau der Haut (Abb. 1)

Die Oberhaut als oberste Hautschicht stellt die äußerste Grenze zur Umwelt dar. Ihre Dicke beträgt im Durchschnitt 0,6 mm, variiert aber zwischen 0,03 mm und 1 mm. Die äußerste Schicht der Oberhaut besteht aus verhornten, lamellenartig geschichteten, abgestorbenen Zellen, welche fortlaufend durch Abrieb abgestoßen werden. Die Oberhaut wird im Schnitt alle 14 Tage einmal erneuert. Diese Regeneration wird bei Verletzungen und Entzündungen noch erheblich gesteigert. Die Oberhaut besitzt selbst keine Blutgefäße und wird überwiegend aus Hornzellen (Keratinozyten) gebildet, die das sogenannte Keratin produzieren. Keratin ist ein Eiweißstoff, der den Hornzellen Festigkeit verleiht. Die ebenfalls von diesen Zellen gebildeten Fettsubstanzen tragen wegen ihrer Wasserundurchlässigkeit entscheidend zur Barrierefunktion der Haut bei und sind auch an der Bildung des Säureschutzmantels beteiligt. Weiter enthält die Oberhaut zwischen den Hornzellen sogenannte Melanozyten, Zellen die den Hautfarbstoff Melanin produzieren und an die Hornzellen weiterleiten. Er gibt der Haut die Farbe und sorgt bei Sonneneinstrahlung für eine Bräunung der Haut und hält so die gefährlichen UV-Strahlen davon ab, in tiefere Hautschichten einzudringen.

Die mittlere Hautschicht, die Lederhaut, ist eine elastische, kollagenreiche, bindegewebige Hautschicht, die von feinen Blutgefäßen, den Hautkapillaren durchzogen wird, die die Oberhaut und die Lederhaut sowie die Haarwurzeln, die Schweiß- und Talgdrüsen mit Nährstoffen versorgen und Schlackenstoffe abführen. In der Lederhaut befinden sich außerdem freie Nervenendigungen und Sinneszellen für Wärme und Kälte, Schmerz und Juckreiz sowie für den Tastsinn, wobei einzelne Fasern bis in die Oberhaut reichen. Zwischen den einzelnen Zellen befindet sich eine Flüssigkeit, die Interzellularsubstanz. In dieser bewegen sich Zellen der körpereigenen Immunabwehr. Sie werden bei der Wundheilung und bei Entzündungen benötigt. Zusätzlich sind in der Lederhaut noch Schweiß-, Duft- und Talgdrüsen enthalten. Außerdem wird die Lederhaut von den Haarschäften durchzogen, während die Haarwurzeln an der Grenze zwischen Leder- und Unterhaut oder ganz in letzterer liegen.

Der Talg der Talgdrüsen bildet zusammen mit Fettstoffen aus den Hornzellen und Schweißanteilen eine Fettschicht, die in und über der Hornschicht liegt, das Austrocknen der Haut verhindert und sie geschmeidig macht. In dieser Fettschicht sind Stoffe enthalten, die Chemikalien und andere Substanzen zersetzen (Enzymschutzmantel) und so die Haut schützen können. Diese Fettschicht wird auch als Hydrolipidfilm bezeichnet. Die ungefähr drei Millionen Schweißdrüsen verteilen sich über die gesamte Körperoberfläche. Der von ihnen produzierte Schweiß ist leicht sauer und bildet zusammen mit Zersetzungsprodukten von Fetten den Säureschutzmantel der Haut. Dieser ist wichtig bei der Abtötung von Keimen. Der Schweiß spielt zudem bei der Regulation der Körpertemperatur eine äußerst wichtige Rolle: durch sein Verdunsten wird der Körper gekühlt. Über den Schweiß und die Haare können Salze, Schwermetalle und gewisse Abbauprodukte den Körper verlassen.

Die dritte Hautschicht, die Unterhaut oder Subcutis besteht aus lockerem Bindegewebe, in das wie kleine Kissen Fettpolster eingelagert sind. Sie dienen der Wärmeisolierung des Körpers und der Abfederung von Stößen auf die Haut. Eingelagert in die Unterhaut sind weiter die Endstücke der Haarbälge und die Sinneszellen (Rezeptoren) für Druck und Vibration.

Zusammenfassend dient die Haut mit ihren Blutgefäßen und Schweißdrüsen der Regulation der Temperatur unseres Körpers. Sie bietet weiterhin Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen, Keimen und bildet durch ihren Aufbau sowie den Säure- und Enzymschutzmantel die entscheidende Barriere des Körpers gegenüber der „Außenwelt“. Als Ausscheidungsorgan sondert sie Schweiß und Talg ab, die außerdem zur Bildung des Säure- und Enzymschutzmantels der Haut benötigt werden. Informationen über Berührung, Druck, Vibration, Wärme, Kälte und Schmerz werden von ihr über Sinneszellen und Nerven aufgenommen und weitergeleitet. Als Stoffwechselorgan übernimmt sie eine Entgiftungsfunktion. Sie nimmt Fette und fettlösliche Stoffe wie Kohlenhydrate, Arzneimittel und Salze auf (Resorption).

Berufsbedingte Hautveränderungen

Bei vielen Tätigkeiten sind die Hände in hohem Maße so ziemlich allen Risikofaktoren für eine Hautschädigung ausgesetzt. Dazu gehören vor allem Hitze und Kälte, UV-Strahlen, mechanische Beanspruchungen, Feuchtigkeit und der Umgang mit Arbeitsstoffen wie z.B. Reinigungsmittel, Lösemittel und Kleber, Säuren und Laugen, letztere z. B. in Form von Mörtel, Putz oder Beton. Es werden wassermischbare und nichtwassermischbare Arbeitsstoffe unterschieden. Beide Arten können bei unsachgemäßer Verwendung hautschädigend wirken.

 

Wassermischbare Arbeitsstoffe sind z. B.:

Nichtwassermischbare Arbeitsstoffe sind z. B.:

Der Weg zur berufsbedingten Haut-erkrankung ist in den meisten Fällen typisch und enthält häufig folgende Komponenten:

Anfänglich auftretende Hautveränderungen in Form von Rötungen und Schuppungen, Austrocknungen, Haut-erweichungen, Schwellungen, Hornhautverdickungen und Rissbildungen werden ignoriert. Wenn diese über ein Wochenende nicht mehr verschwinden und dennoch der Betriebsarzt nicht eingeschaltet wird, vergeht in der Regel kostbare Zeit zum rechtzeitigen Eingreifen und zur geeigneten Prävention (Vorbeugung) einer berufsbedingten Hauterkrankung.

Aus solchen zunächst banalen Hautveränderungen werden Hautschäden, die nicht mehr abheilen und nach längerem Auftreten schmerzhafter Risse (Rhagaden) schließlich zum Arztgang führen. Häufig wird der Betriebsarzt auch dann noch nicht eingeschaltet und in der bisherigen Art und Weise weiter gearbeitet. Äußerlich anzuwendende Cremes oder Salben helfen nur vorübergehend. Eine geeignete Behandlung der Hautveränderungen und die Prävention (Vorbeugung) von deren Verschlimmerung unterbleiben.

Es wird weiterhin ohne oder mit falschen Handschuhen gearbeitet, die leicht durchnässen. Selbst wenn geeignete Handschuhe verwendet werden, wird häufig zu lange mit demselben Paar gearbeitet. Das Schwitzen in den Handschuhen wird fälschlicherweise hingenommen, so dass ein feuchtes Milieu in den Handschuhen entsteht. Dadurch kommt es zu Hauterweichungen und schließlich -schwellungen, die zwar anfänglich zunächst über Nacht und später über ein Wochenende wieder verschwinden. Doch ist damit die erste Hautveränderung gesetzt, die im folgenden immer schneller auftritt und weitere Hautschädigungen sowie das Entstehen von Allergien erleichtert.

Berufsbedingte Hauterkrankungen: Ekzeme

Durch das Arbeiten in feuchtem Milieu, wie z. B. nasses Sägen und Schleifen ohne geeignete Schutzhandschuhe, wird die Haut aufgeweicht und geschädigt, da der auf der Haut anhaftende Hydrolipidfilm immer mehr verschwindet. Doch auch mit wasserdichten Handschuhen kann es zu einer solchen Hauterwei-chung kommen, wenn die Handschuhe beim Schwitzen nicht durch ein trockenes Paar ersetzt werden. Die Haut reagiert dann immer häufiger mit Schwellung, Rötung und Schuppungen. Im trockenen Zustand ist die Haut et-
was zerfurcht, geschuppt, leicht aufgeworfen und zeigt erste schmerzhafte Risse: der Arzt spricht von einem Abnutzungs-Ekzem (Abb. 2), das meist im Bereich der Fingerzwischenräume und am Handrücken beginnt.

Abb. 2: Abnutzungs-Ekzem am Handrücken und seitlichen Daumen
Abb. 2: Abnutzungs-Ekzem am Handrücken und seitlichen Daumen

In der Regel werden jetzt kortisonhaltige Cremes eingesetzt. Reicht die äußerliche Behandlung nicht, kommt es in der darauffolgenden Zeit zur ersten Krankschreibung und dadurch zur Aussetzung der belastenden Tätigkeit. Wird weiter ohne Einschalten des Betriebsarztes gearbeitet, wird diese Hauterkrankung immer wieder auftreten und am Ende könnte die Aufgabe der belastenden Tätigkeit stehen. Bei Einsschaltung eines Hautarztes wird dieser bei Erkennung der beruflichen Verursachung ein sog. Hautarztverfahren in Gang setzen, in dessen Rahmen die Hautschutzmaßnahmen über eine Veranlassung durch die Berufgenossenschaft durch den Betriebsarzt überprüft und optimiert werden.

Stellt der Hautarzt durch einen Allergietest (Aufkleben der Testsubstanzen auf den Rücken) fest, dass zusätzlich eine Allergie auf bestimmte Stoffe vorliegt, so handelt es sich bei der Haut-erkrankung jetzt um ein Allergisches Ekzem (Abb. 3), das durch das Auftragen von kortisonhaltigen Cremes allein nicht mehr behandelbar ist. Es muss zusätzlich der auslösende Stoff, das Allergen, konsequent gemieden werden.

Abb. 3: Allergisches Ekzem durch eine Kühlschmiermittelkomponente
Abb. 3: Allergisches Ekzem durch eine Kühlschmiermittelkomponente

Berufskrankheit Hauterkrankung

Tritt die Hauterkrankung nach deren Abheilung unter den gegebenen Arbeitsbedingungen schwer und/oder wiederholt auf, ist ein Ausmaß erreicht, das zur Anerkennung der berufsbedingten Hauterkrankung als Berufskrankheit führen kann. In der Berufskrankheitenverordnung (BKV) wird eine Berufskrankheit der Haut (Berufskrankheit nach Nr. 5101) folgendermaßen definiert:

„Schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankung, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen hat, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können.“

Definitionsgemäß muss zur Anerkennung einer berufsbedingten Haut-erkrankung die belastende Tätigkeit aufgegeben werden. Unterbleibt dies, wird die Anerkennung verweigert und es kommt zu schwersten, schmerzhaften Hautschäden, wie in Abb. 4 gezeigt, die nicht nur die gesamte Hand und den Unterarm erfassen können, sondern über den gesamten Körper streuen können.

Abb. 4: Schweres Handekzem
Abb. 4: Schweres Handekzem

Spätestens jetzt besteht die zwingende Notwendigkeit, die belastende Tätigkeit und – wenn nicht anders möglich – auch den Beruf aufzugeben. Die Berufsgenossenschaften gewähren dann unter bestimmten Rahmenbedingungen auch Umschulungsmaßnahmen, schließen aber eine Umschulung in eine Tätigkeit/einen Beruf aus, der zwangsläufig wieder mit hautbelastenden Arbeiten verbunden wäre.

Plötzliches Hautjucken mit Hautschwellung (Urtikaria)

Kommt es bei der Benutzung von Einweg- oder Mehrweghandschuhen aus Gummi zu Hautjucken innerhalb einer halben bis ganzen Stunde nach dem Anziehen und hochroten Hautschwellungen, welche nach dem Ausziehen der Handschuhe binnen weniger Stunden wieder völlig verschwinden, ist eine Allergie auf Latex oder einen Weichmacher möglich. Auch in solchen Fällen ist der Betriebsarzt zu informieren oder/und ein Hautarzt einzuschalten, um den/die Mitarbeiter(in) frühzeitig vor schwereren Schäden, die nicht mehr auf die Haut beschränkt bleiben, zu schützen.

Gleiches gilt für das Auftreten starker Schwellungen an den Einstichstellen von Bienen und Wespen oder Einstich-fernen Körperregionen. In solchen Fällen droht bei neuerlichen Stichen unter Umständen Atemnot und – wenn es schon einmal zu Atemnot kam – sogar Schock.

Prävention berufsbedingter Hauterkrankungen

Zur Prävention von berufsbedingten Hauterkrankungen, die inzwischen in vielen Berufen die häufigste gemeldete Berufserkrankung darstellen, ist die Einschaltung des Betriebsarztes als dem Fachmann für arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme zur Durchführung schnell umzusetzender, geeigneter Präventionsmaßnahmen unbedingt anzuraten. Der Betriebsarzt wird auch eine Empfehlung für geeignete Therapiemaßnahmen geben und zu deren Einleitung den Gang zum Hausarzt oder zum Spezialisten, einem Hautarzt, empfehlen. 

Dr. Manfred Korn, StBG 

Werkzeuge für die Praxis: die Angebote von BBG und StBG

Die Steinbruchs- und die Bergbau-Berufsgenossenschaft haben eine Reihe von Angeboten für betriebliche Aktionen zum Thema Hautschutz entwickelt:

Der Fokus der nächste Ausgabe der Mitarbeiter-Zeitung „BAUZ“ wird die Haut sein;

Mit dem „Hautmobil“ und der Haut-Ausstellung wird das Thema in betrieblichen Einsätzen erlebbar

Eine Reihe von Medien helfen bei der Sensibilisierung, Motivation und Information von Mitarbeitern – von Filmen über Plakate bis hin zu Muster-Betriebsanweisungen.

In der nächsten Ausgabe werden wir die einzelnen Angebote ausführlich vorstellen. Bereits heute finden Sie auf der Internetseite www.deinehaut-bg.de alles Wissenswerte und das gesamte Serviceangebot zum Thema Haut von BBG und StBG.