www.steine-und-erden.net > 2005 > Ausgabe 3/05 > Rohstoffabbau und Vogelschutz verbunden

[Die Industrie der Steine + Erden]






Röhrig granit GmbH unterzeichnet Vogelschutzvereinbarung: Rohstoffabbau und Vogelschutz verbunden

Ein Steinbruch als Vogelschutzgebiet? "Das ist das Ende", schwante Gerhard Röhrig, dem Besitzer des Werksteinbetriebs Röhrig granit GmbH im Heppenheimer Stadtteil Sonderbach, vor zwei Jahren nichts Gutes. Inzwischen hat er "viel Spaß" an der nur auf den ersten Blick ungewöhnlichen Konstellation. Sohn Marco, der mit dem Vater die Geschäfte führt, sprach gar von einem "Meilenstein für den Umweltschutz". Und Dr. Andreas Stähle, der stellvertretende Vorsitzende des örtlichen Naturschutzbundes (NABU), freute sich über ein bisher einmaliges "Erfolgskapitel in der gesamtdeutschen Naturschutzgeschichte".
Die Unterzeichnung eines Pilotvertrages zur Sicherung der natürlichen Lebensräume für den Wanderfalken und den "Vogel des Jahres", den Uhu, feierten der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel und der Darmstädter Regierungspräsident Gerold Dieke mit weiteren Superlativen. Schließlich sei es die erste Vereinbarung dieser Art in der Republik. Sie regele den kommerziellen Rohstoffabbau so, dass er nicht zu Lasten seltener Tiere geht im Gegenteil: Dass die gefährdeten Greifvögel in den Felswänden des 125 Jahre alten Granitsteinbruchs überhaupt nisten können, verdanken sie den "offenen Wunden in der Erde". Aus Sicht des Vogelschutzes sind sie kleine Paradiese, "ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume", so Dr. Stähle.
So sind beide Seiten zufrieden: Die Naturschützer akzeptieren, dass der Betrieb wirtschaftlichen Bedingungen und den Zwängen des Marktes unterliegt, und die Steinbruchbetreiber haben ein Gefühl dafür entwickelt, welche Kostbarkeiten der Natur bei ihnen schlummern.
Die Palette der Firma Röhrig ist sehr umfangreich und kundenspezifisch. Mit 70 Mitarbeitern werden an vier Standorten feine Gesteinsmehle, feuergetrocknete Feinsande und Edelsplitte sowie Mischungen aller Art produziert. Die Produkte werden vertrieben unter dem Markennamen granoflour. Das Unternehmen und die Mitarbeiter sehen das Umwelt- und Qualitätsmanagementsystem als Motivation, einen aktiven Beitrag zum betrieblichen Umweltschutz zu leisten. Ziel dieses Systems ist die Verankerung umweltrelevanter Abläufe im Unternehmen und die kontinuierliche Verbesserung der Aktivitäten im Umweltschutz. Das Unternehmen hofft, durch diese Art der Zusammenarbeit mit den Umweltschutzverbänden auch einen Anstoß zu geben.
In dem Vertrag verpflichtet sich Röhrig, den Granitsteinabbau so durchzuführen, dass vorhandene Brutplätze, die sich in den Felswänden des Steinbruchs befinden, nicht zerstört werden. Die Vogelschutzbeauftragten Heinrich Hechler und Günther Hagemeister dürfen jederzeit nach dem Rechten sehen. Sprengungen erfolgen nur in Abstimmung mit den ornithologischen Fachleuten.
Im Steinbruch der Firma Röhrig granit in Heppenheim-Sonderbach geht es darum, die derzeit insgesamt vier Uhu- und Wanderfalkenpärchen zu schützen und gleichzeitig eine nachhaltige Rohstoffgewinnung abzusichern. Uhus lieben Steinbrüche. Felslandschaften mit schroffen Wänden und kleinen Nischen bieten ihen ideale Brutmöglichkeiten. Der Steinbruch liegt im Vogelschutzgebiet "Felswände des vorderen Odenwaldes". In der Vergangenheit bangten Naturschützer aber jedes Jahr um den Nachwuchs der Vögel.
Wie im Sonderbacher Granit-Edelsplittwerk Geschäft und Naturschutz miteinander vereinbart würden, sei vorbildlich, so der Kommentar des ersten Kreisbeigeordneten Jürgen Lehmberg. Das sieht auch Naturschützer Stähle so: Dass es im Steinbruch bisweilen laut zugeht, schade auf der roten Liste stehenden Tieren weniger als Mountenbiker auf Abwegen, wild zeltende Hobbyindianer oder Feierabend-Geologen.


Unterzeichnung einer Vogelschutzvereinbarung bei Röhrig granit
Unterzeichnung einer Vogelschutzvereinbarung
bei Röhrig granit
(Foto: Dietmar Funck, Heppenheim)





Inhaltsverzeichnis Ausgabe 3/05 | Zurück zu unserer Homepage