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Welttag für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
ILO und Berufsgenossenschaften fordern Präventionsstrategien für ältere Arbeitnehmer

Logo: Welttag für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit Die Wirtschaft muss sich stärker mit den Herausforderungen durch die zunehmende Alterung der Arbeitnehmerschaft befassen. Darauf haben die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) anlässlich des am 28. April stattfindenden weltweiten "Tages der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz" hingewiesen.
Die Altersgruppe der 45- bis 64-jährigen wird schon 2010 rund die Hälfte der Beschäftigten in Europa stellen. Dies hat enorme Auswirkungen für die Wirtschaft sowie die sozialen Sicherungssysteme. "Notwendig sind daher Präventionsstrategien, die die Arbeitnehmer gesund halten, in allen Lebensphasen eine optimale Beschäftigungsfähigkeit sicherstellen und Leistungseinschränkungen durch Belastungen im Alter minimieren", erklärte Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer des HVBG. Vor dem Hintergrund der sich verändernden Bevölkerungsstruktur muss sich die Wirtschaft auf neue Erfordernisse einstellen.
In Deutschland haben bereits zahlreiche Unternehmen oft mit Unterstützung der Berufsgenossenschaften konkrete Ansätze entwickelt. Dazu gehören ergonomisch optimierte Arbeitsplätze in der Produktion. Spezielle Maßnahmen für ältere Arbeitnehmer rechnen sich, wie auch internationale Erfahrungen zeigen. Beispielsweise hat ein japanischer Autohersteller, indem er an den Fließbändern unterschiedliche Arbeitsgeschwindigkeiten für unterschiedliche Altersgruppen zuließ, die Produktivität um zehn Prozent gesteigert.
Gerade aufgrund ihrer beruflichen, aber auch ihrer Lebenserfahrung haben ältere Arbeitnehmer ihren Arbeitgebern viel an Wissen, Sozialkompetenz und Engagement zu bieten. Gleichzeitig lässt sich nachweisen, dass gerade bei den nicht-körperlichen Tätigkeiten die Leistungsfähigkeit nichts mit dem Alter zu tun hat. Ältere Arbeitnehmer haben auch kein höheres Risiko, einen Arbeitsunfall zu erleiden. Falls es aber zu Unfällen kommt, sind diese zumeist schwerer und führen zu wesentlich längeren Arbeitsunfähigkeitszeiten als bei Jüngeren.
Doch das Unfallrisiko vor allem bei typischen Problemen wie abnehmende Sehstärke oder Hörfähigkeit lässt sich durch gezielte Präventionsmaßnahmen erheblich mindern, beispielsweise indem sichergestellt wird, dass alle Arbeitnehmer Warnsignale hören können.



Arbeitsunfälle fordern zahlreiche Opfer

Jedes Jahr kommen aktuellen Schätzungen der ILO zufolge 2,3 Millionen Menschen durch Arbeitsunfälle oder arbeitsbedingte Krankheiten ums Leben. Hinzu kommen jährlich 270 Millionen Unfälle, die zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen führen, und 160 Millionen nicht tödlich verlaufende Erkrankungen. Für Deutschland sind dies laut Angaben des HVBG im Jahr 2003 rund 3.300 Todesfälle infolge von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Die Gesamtzahl der meldepflichtigen Arbeits- und Wegeunfälle in der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland beläuft sich pro Jahr auf rund eine Million. Vorläufige Berechnungen ergeben für 2004 einen leichten Rückgang um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen jährlich 16.000 Fälle von anerkannten Berufskrankheiten.
"Nicht nur die menschlichen, auch die ökonomischen Kosten von Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Krankheiten sind enorm", sagte Gerd Albracht, ILO-Koordinator für Arbeitssicherheit. "Nach Berechnungen der ILO dürften sie sich auf das Zwanzigfache der weltweit gezahlten Entwicklungshilfe belaufen. Rund vier Prozent des weltweiten Sozialprodukts gehen durch die Folgen von arbeitsbedingten Unfällen und Erkrankungen verloren."
Die Berufsgenossenschaften wenden in Deutschland jährlich rund 7,6 Milliarden Euro für Kompensation und Rehabilitation der Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten auf.



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