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[Die Industrie der Steine + Erden]






Absaugwände und Absaugtische für die Steinbearbeitung: Entstaubungswirkung untersucht

In einem gemeinsamen Untersuchungsprogramm der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und des Instituts für Gefahrstoff-Forschung (IGF) der Bergbau-Berufsgenossenschaft wurde die Entstaubungswirkung einer Auswahl von Geräten, die im Hinblick auf die eingesetzte Entstaubungstechnik als repräsentativ angesehen werden können,
unter praxisnahen Einsatzbedingungen untersucht. An dem Projekt waren vier Vertreiber mit drei Absaugwänden und drei Absaugtischen beteiligt.
Bei der Trockenbearbeitung von Natur- und Betonstein kommen Arbeitsverfahren unter Verwendung schnell laufender Handmaschinen zum Einsatz, die in der Regel mit hoher Staubentwicklung verbunden sind. Es handelt sich hierbei insbesondere um das Trennschleifen, Oberflächen- und Kantenschleifen sowie das Meißeln mit dem Drucklufthammer. Die Stauberfassung mit großflächigen Absaugeinrichtungen mit entsprechender Luftleistung, wie z. B. Absaugwände und Absaugtische, ist eine von verschiedenen Möglichkeiten zur Entstaubung der Arbeitsplätze von Steinbearbeitern.



Zielsetzung der Untersuchungen

Erkenntnisse über die Wirksamkeit der nach unterschiedlichen Funktionsprinzipien arbeitenden Entstaubungseinrichtungen lagen weder auf berufsgenossenschaftlicher Seite vor, noch konnte von den Vertreibern überzeugend der Wirksamkeitsnachweis erbracht werden.
Die Zielsetzung des Untersuchungsprogramms bestand deshalb in erster Linie darin,
  • den Stand der Technik von Absaugwänden und Absaugtischen für die Natursteinbearbeitung mit schnell laufenden Handmaschinen zu ermitteln,
  • Schwachstellen und Stärken der unterschiedlichen Einrichtungen festzustellen, um hieraus Hinweise für Verbesserungsmöglichkeiten abzuleiten,
  • die bei den Messungen gewonnenen Erkenntnisse für die Beratung von Steinbearbeitungsbetrieben zu nutzen.
Vor dem Hintergrund der Anforderungen des Anhangs III Nr. 2.3 der neuen Gefahrstoffverordnung [1] bezüglich des bei der erstmaligen Inbetriebnahme von Entstaubungseinrichtungen zu erbringenden Nachweises der ausreichenden Wirksamkeit bestand weiterhin die Notwendigkeit, die Entstaubungswirkung nach festgelegten Kriterien zu ermitteln und zu bewerten.



Beschreibung und Funktionsweise

Absaugwände und Absaugtische dienen dem Zweck, den bei der Steinbearbeitung entstehenden Staub anzusaugen, die Staubpartikel mit Wasser zu binden, in der Wasserauffangwanne zu sammeln und/oder in einem Filter aufzufangen, der zur Wiederherstellung der Staubaufnahmefähigkeit mit Wasser ausgewaschen wird.
Die Luftreinigung erfolgte bei den untersuchten Geräten auf unterschiedliche Weise:
  • durch Staubniederschlag mittels Wasserbesprühung,
  • durch angefeuchtete Filtervliese, die in bestimmten Zeitintervallen im Wasserbad regeneriert werden,
  • durch Absaugen der staubbeladenen Luft mit Führung durch ein Wasserbad,
  • durch nachgeschaltete Filtervliese, Schaumstoffmatten o. ä. in der Ausblasöffnung der Absaugung.
Absaugwände und Absaugtische werden fast immer mit Reinluftrückführung betrieben, d. h. die abgesaugte und gereinigte Luft wird wieder in den Arbeitsraum zurückgeführt. Hierbei ist eine von der Staubart abhängige maximal zulässige Konzentration der zurückgeführten Luft einzuhalten.

Absaugwände
Untersucht wurden zwei Absaugwände mit Nassabscheidung, sogenannte Wasserwände, und eine Absaugwand mit einem Filtertrommelsystem.
Bei der erstgenannten Ausführung wird über die senkrechte Wandfläche Wasser geleitet, das einen Wasserschleier bildet. Die auf den Wasserschleier auftreffenden Staubpartikeln werden zum Teil gebunden und mit dem abfließenden Wasser in der Auffangwanne gesammelt. Über den Schlitz der Wasserauffangwanne wird die staubhaltige Luft abgesaugt. Je nach Hersteller ist im Absaugkanal vor dem Ventilator ein Wassersprührohr zum Niederschlagen der staubhaltigen Luft und/oder ein Tropfenabscheider zur Luftentfeuchtung eingebaut. Über eine Abluftöffnung hinter dem Ventilator im oberen Teil der Wand wird die abgesaugte Luft wieder in den Arbeitsraum zurückgeführt. Am Luftauslass des Abluftkanals kann je nach Hersteller ein mit Filtermaterial bestückter Diffusor angebracht sein.
Bei der anderen Variante wird die staubhaltige Luft über eine mit Filtermaterial bespannte, in der Absaugwand angeordnete Trommel geführt, die axial abgesaugt wird. Die Regenerierung des Filtermaterials erfolgt in bestimmten Zeitabständen durch Drehen der Trommel im Wasserbad.
Absaugwände sind universell für alle Steinbearbeitungsaufgaben einsetzbar. Zu beachten ist jedoch, dass immer eine Arbeitsweise eingehalten wird, bei der die Staubausbreitung zur Absaugwand gerichtet ist.

Absaugtische
Untersucht wurden zwei Tische mit Filtertrommel und ein Tisch mit Absaugung durch ein Wasserbad.
Um den Tisch herum befinden sich Saugschlitze, deren Querschnitt mit Schiebern zur Beeinflussung der Absauggeschwindigkeit verändert werden kann, oder kreisförmige Saugöffnungen. Zur Entstaubung wird die abgesaugte Luft über die im Tisch befindliche Filtertrommel geführt. Die gereinigte Luft wird durch einen Diffusor oder über einen Abluftkamin wieder in den Arbeitsraum zurückgeführt. Die Regenerierung des Filters erfolgt in bestimmten Zeitabständen durch Drehen der Trommel im Wasserbad.
Bei dem anderen Absaugtisch wird die staubhaltige Luft durch ein Wasserbad geleitet, an dessen Oberfläche abgesaugt wird. Abgeschiedener Staub setzt sich dabei im Wasser ab. Im Abluftkamin befindet sich vor dem Ventilator ein Tropfenabscheider zur Entfeuchtung der Luft.
Der Anwendungsbereich dieser Tische erstreckt sich hauptsächlich auf die Kanten- und Oberflächenbearbeitung von Plattenmaterial durch Schleifen oder Polieren.



Die Messungen

Messanordnung
Die Größe des Aufstellungsortes der Geräte im Technikum des Instituts für Gefahrstoff-Forschung (IGF) entsprach mit einer Grundfläche von ca. 200 m² und einem Rauminhalt von ca. 700 m³ etwa den Räumlichkeiten eines mittleren Steinbearbeitungsbetriebes. Die Messungen erfolgten in Anlehnung an DIN EN 1093-9 (Prüfraumverfahren) [2].
Zur Ermittlung der Staubkonzentrationen wurden
  • bei Absaugwänden zwei stationäre Messungen links und rechts des Steinbearbeiters und eine Messung im seinem unmittelbaren Atembereich,
  • bei Absaugtischen an drei Stellen des Tisches stationäre Messungen und eine Messung im unmittelbaren Atembereich des Steinbearbeiters
jeweils für A- und E-Staub durchgeführt.
Ergänzend erfolgten A-Staubmessungen in Raummitte und A- bzw. E-Staubmessungen zur Ermittlung der Staubkonzentration im Abluftstrom der Geräte. Die Quarzstaubkonzentration wurde aus der A-Staubfraktion bestimmt.



Der Versuchsablauf

Materialien
Um die Wirksamkeit der Entstaubungseinrichtungen auch für den ungünstigen Fall der Bearbeitung sehr quarzhaltiger Materialien überprüfen zu können, wurde Ruhrsandstein mit einem Quarzgehalt des Materials von 55 % und schlesischer Granit mit einem Quarzgehalt des Materials von 35 % für die Bearbeitung ausgewählt.
Arbeitsverfahren
Je Material wurden die Ergebnisse von 3 Einzelversuchen mit einer Dauer von jeweils 60 Minuten zu einem Mittelwert zusammengefasst. Ein Zeitanteil von 25 % der Versuchsdauer entfiel auf die Bearbeitung mit schnelllaufenden Handmaschinen, der restliche Anteil von 75 % auf langsam laufende Handmaschinen.
Innerhalb der Messdauer von 60 Minuten je Versuch wurden Blöcke bzw. Platten aus Granit und Sandstein in jeweils gleicher zeitlicher Aufteilung bearbeitet.

Absaugwände:
  • Winkeltrennschleifer mit Diamant-trennscheibe, Dauer: 7,5 min.
  • Schleifteller mit Diamantsegmenten, Dauer: 7,5 min.
  • Handgeführter Druckluftmeißel, Einschnittstege entfernen, Dauer: 15 min.
  • Schleifen mit Korundschleiftopf, Flächen und Kanten schleifen, Dauer: 30 min.
Absaugtische:
  • Schleifteller mit Diamanttrennscheibe, Fläche und Kanten schleifen, Dauer: 15 min.
  • Schleifen mit Korundschleiftopf, Fläche und Kanten schleifen, Dauer: 15 min.
  • Schleifteller mit Schleifpapier, Fläche und Kanten schleifen, Dauer: 15 min.
  • Polierscheibe mit Schleifpapier, Fläche und Kanten schleifen, Dauer: 15 min.

Beurteilungskriterien
Bewertet werden die Staubkonzentrationen der Arbeitsplatzmessungen mit den Grenzwerten für
  • E-Staub mit 10 mg/m³,
  • A-Staub mit 3 mg/m³,
  • Quarzstaub mit 0,15 mg/m³ .
Anzumerken ist, dass diese Grenzwerte bis zum Erscheinen einer Neuausgabe der TRGS 900 [3] mangels anderer Beurteilungsmaßstäbe herangezogen werden.
Eine unmittelbare Übertragung der Untersuchungsergebnisse im Hinblick auf die Einhaltung der bestehenden Staubgrenzwerte zur Arbeitsplatzbeurteilung oder von Emissionsgrenzwerten an einem späteren Aufstellungsort ist allerdings nicht möglich, da die jeweiligen örtlichen Betriebsverhältnisse einen nicht unerheblichen Einfluss haben können. Eine Wirksamkeitsprognose auf Basis der vorhandenen Luftgrenzwerte ist jedoch möglich.



Die Messergebnisse

Allgemeines
Bei der Bearbeitung von Sandstein war die freigesetzte Staubmenge deutlich größer als bei Granit. Die mittleren E-Staubkonzentrationen der Arbeitsplatzmessungen lagen bezogen auf die Maximalwerte bei der Bearbeitung von Sandstein bis zu 145 % höher, für A-Staub bis zu 36 % und für Quarzstaub bis zu 116 % höher als bei der Bearbeitung von Granit. Diese Feststellung trifft tendenziell auch auf die Messungen der Staubkonzentration in Raummitte zu.
Die personengetragenen Messungen wiesen 1,3 – 2,4-fach höhere Staubkonzentrationen gegenüber ortsfesten Probenahmen auf. Der Quarzgehalt im A-Staub betrug durchschnittlich 22 % bei Granit und 35 % bei Sandstein.

Ergebnisse der Absaugwände
Die Einzelergebnisse der Messungen der drei Staubarten sind in Tabelle 1 getrennt für die Materialien Granit und Sandstein zusammengestellt:

Ergebnisse der Messungen am Arbeitsplatz
und in Raummitte beim Einsatz von Absaugwänden

Personengetragene Messungen
  Granit [mg/m³] Sandstein [mg/m³]
E-Staub 9,50 - 18,77 18,75 - 25,40
A-Staub 2,19 - 6,94 6,82 - 9,46
Quarzstaub 0,48 - 1,53 2,39 - 3,31

Ortsfeste Messungen
  Granit [mg/m³] Sandstein [mg/m³]
E-Staub 0,93 - 7,73 1,97 - 18,92
A-Staub 0,71 - 4,13 1,64 - 4,34
Quarzstaub 0,16 - 0,91 0,57 - 1,52

Vergleichsmessungen in Raummitte
  Granit [mg/m³] Sandstein [mg/m³]
A-Staub 1,56 - 2,01 1,69 - 3,95
Quarzstaub 0,34 - 0,44 0,59 - 1,38


Bei nur einer der drei Absaugwände waren die Luftgrenzwerte für die E- und A-Staubfraktion bei den ortsfesten Messungen sowohl bei der Bearbeitung von Granit als auch von Sandstein eingehalten. Bei den personengetragenen Messungen traf dies bei dieser Wand nur für Granit zu. Grenzwertüberschreitungen traten durchweg bei Quarzstaub auf.
Die in der Mitte des Arbeitsraumes gemessenen Konzentrationen von A- bzw. Quarzstaub lagen zwischen 50 % und 100 % des Durchschnittswertes der an den Absaugwänden ortsfest gemessenen Konzentrationen. Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Stauberfassung unzureichend ist und der erfasste Staub zu einem Teil mit der zurückgeführten Luft wieder in den Arbeitsraum gelangt.
In Anbetracht dieser Ergebnisse kann Absaugwänden generelle Eignung für die Steinbearbeitung nicht eingeräumt werden.
Aus den während der staubtechnischen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnissen ergeben sich folgenden Hinweise:
  1. Zur Erfassung mineralischer Stäube über einen sehr großen Erfassungsquerschnitt sind relativ große Luftmengen (in der Größenordnung von 10.000 – 20.000 m³/h) erforderlich.
  2. Staub mit hoher kinetischer Energie, der z. B. beim Arbeiten mit dem Winkel-trenn schleifer entsteht, wird von der Absaugwand zu einem großen Teil nicht erfasst. Die Stauberfassung verschlechtert sich zudem mit zunehmendem Abstand vom Erfassungsquerschnitt der Wand. Es ist immer so zu arbeiten, dass der bei der Bearbeitung freigesetzte Staub zur Absaugwand hin ausgeworfen wird.
  3. Ein ausreichender Staubniederschlag bzw. eine Staubbindung mit Wasser wird nur für die E-Staubfraktion erreicht, nicht aber für A-Staub. Eine Abscheidung des Staubes aus der erfassten Luft erfolgt nicht effektiv genug. Die getroffenen Maßnahmen (Einsatz von grobporigen Filtermaterialien, Wasserbesprühung u. ä.) sind untauglich zur Abscheidung von Feinstäuben.
  4. Ansatzpunkte für maschinentechnische und konzeptionelle Verbesserungen sind:
    • Erhöhung der Absaugleistung durch Optimierung der Erfassungsquerschnitte und der Luftführung, ggf. auch durch Erhöhung der Luftleis-tung oder Einsatz geeigneter Erfassungsgeometrien, wie z. B. halboffene Bauweise.
    • Verbesserung der Abscheideleistung zum Beispiel durch Trockenentstaubung.
    Wenn dieses nicht zum Erfolg führt:
    • Verbesserung der Wasserbesprühung (Wasserschleier, Wassernebel mit kleineren Wassertröpfchen).
    • Benetzung der Wasserwandfläche und Befeuchtung des Filtermediums auf der Trommel mit sauberem Wasser in Frischwasserqualität.
    • Staubvorabscheidung mit einer Zyklonstufe.
    • Nachentstaubung der rückzuführenden Luft, z. B. mit regenerierbarem Filter.
    • Einsatz von Filtern, die für das Abscheiden feuchter Aerosole besser geeignet sind.
Ergebnisse der Absaugtische
Die Einzelergebnisse der Messungen der drei Staubarten sind in Tabelle 2 zusammengestellt:

Ergebnisse der Messungen am Arbeitsplatz
und in Raummitte beim Einsatz von Absaugtischen

Personengetragene Messungen
  Granit [mg/m³] Sandstein [mg/m³]
E-Staub 2,02 - 16,23 2,21 - 18,27
A-Staub 0,94 - 5,36 1,03 - 5,45
Quarzstaub 0,21 - 1,18 0,36 - 1,91

Ortsfeste Messungen
  Granit [mg/m³] Sandstein [mg/m³]
E-Staub 2,12 - 4,28 1,94 - 5,94
A-Staub 1,06 - 1,64 1,16 - 1,90
Quarzstaub 0,23 - 0,36 0,41 - 0,67

Vergleichsmessungen in Raummitte
  Granit [mg/m³] Sandstein [mg/m³]
A-Staub 0,87 - 1,04 0,69 - 1,85
Quarzstaub 0,19 - 0,23 0,24 - 0,65


Bei zwei untersuchten Absaugtischen waren die Luftgrenzwerte für die E- und
A-Staubfraktion sowohl bei den personengetragenen als auch bei den ortsfesten Messungen eingehalten. Grenzwertüberschreitungen bis zum 12,7-fachen traten jedoch für Quarzstaub auf. Die geringsten Überschreitungen für Quarzstaub wurden bei der Bearbeitung von Granit festgestellt.
Eine ausreichende Entstaubungswirkung bzgl. Quarzstaub ist allerdings bei der Bearbeitung von quarzfreien (z. B. Marmor) oder relativ quarzarmen Materialien mit einem Quarzgehalt bis zu 5 % möglich.
Die in der Mitte des Arbeitsraumes gemessenen Konzentrationen von A- bzw. Quarzstaub lagen zwischen 56 % und 97 % des Durchschnittswertes, der an drei Stellen des Absaugtisches gemessenen Konzentrationen. Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass einerseits die Stauberfassung der Absaugtische unzureichend wirkt, andererseits der erfasste Staub zu einem Teil mit der zurückgeführten Luft wieder in den Arbeitsraum gelangt.

Absaugtischen kann damit nur eine eingeschränkte Eignung für die Steinbearbeitung zugestanden werden.
Folgende Hinweise und Ansatzpunkte für eine Verbesserung von Absaugtischen lassen sich hieraus ableiten:
  1. Die installierten Luftleistungen von Absaugtischen liegen in der Größenordnung von 6.000 – 10.000 m³/h. Bei kleineren Erfassungsquerschnitten gegenüber denen von Absaugwänden lassen sich hiermit höhere Erfassungsluftgeschwindigkeiten erreichen. Die Staub-erfassung verbessert sich hierdurch.
  2. Die Erfassung von Staub mit hoher kinetischer Energie, der z. B. beim Schleifen mit Handmaschinen entsteht, verschlechtert sich mit zunehmender Entfernung von den Absaugschlitzen des Tisches. Es ist immer so zu arbeiten, dass die Staubfreisetzung möglichst in Richtung der Saugschlitze gelenkt wird und die Absaugöffnungen des Tisches nicht verdeckt werden.
  3. Eine ausreichende Staubbindung mit Wasser wird nur für die E-Staubfraktion erzielt, nicht aber für A-Staub. Eine bessere Staubbindung kann erreicht werden, wenn der Erfassungsluftstrom vollständig durch ein Wasserbad geleitet wird.
  4. Die Abscheidung des Staubes aus der erfassten Luft erfolgte bei den untersuchten Geräten – genauso wie bei den Absaugwänden – nicht effektiv. Die getroffenen Maßnahmen haben sich als untauglich zur Abscheidung von Feinstäuben erwiesen.
  5. Ansatzpunkte für maschinentechnische und konzeptionelle Verbesserungen sind:
    • Verbesserung der Absaugleistung durch Optimierung der Absaugquerschnitte und der Luftführung. Die Gestaltung der Erfassungsöffnungen als Düsenplatte zur Verbesserung der Absaugwirkung bei gleicher installierter Luftleistung [6].
    • Staubvorabscheidung mit einer Zyklonstufe.
    • Verbesserung der Abscheideleistung zum Beispiel durch Trockenentstaubung.
    Wenn dieses nicht zum Erfolg führt, sollten – soweit zutreffend – dieselben Maßnahmen, die unter Abschnitt 5.2, Punkt 4 für Absaugwände vorgeschlagen wurden, versucht werden.

Staubkonzentrationen in der Abluft
Die Messungen für die Staubkonzentration in der Abluft an der Ausblasöffnung der Absaugung ergaben folgende Werte für

Absaugwände
  Granit [mg/m³] Sandstein [mg/m³]
A-Staub 1,15 - 7,66 2,54 - 3,06
Quarzstaub 0,25 - 1,69 0,89 - 1,07

Absaugtische
  Granit [mg/m³] Sandstein [mg/m³]
E-Staub 1,01 - 7,02 1,28 - 6,78


Unter Berücksichtigung der Anforderungen der BG-Regel "Umgang mit mineralischem Staub" (BGR 217) [4] und der VDI 2262 [5] ist eine Rückführung der Luft in den Arbeitsraum nicht zulässig.


Zusammenfassung

In einem Gemeinschaftsprojekt der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und des IGF der Bergbau-Berufsgenossenschaft wurden drei Absaugwände und drei Absaugtische auf ihre Eignung für die Erfassung von Staubemissionen bei der Steinbearbeitung mit Handmaschinen untersucht.
Es wurden die bei der Trockenbearbeitung von Granit und Sandstein mit Handmaschinen auftretenden Staubkonzentration (E-Staub, A-Staub, Quarzstaub) am Arbeitsplatz des Steinbearbeiters perso-nengetragen und ortsfest, in der Mitte des Arbeitsraumes und am Auslass der Absaugung unter zuvor festgelegten Betriebsbedingungen ermittelt.
Die Ergebnisse lassen sich zu folgenden Aussagen zusammenfassen:
  1. Bezogen auf die am Arbeitsplatz und im Arbeitsraum gemessenen Staubkonzentrationen schnitten Absaugwände ungünstiger ab als Absaugtische.
  2. Mit der ausgeführten Gerätetechnik konnte der Grenzwert für E-Staub von 10 mg/m³ bei keiner Absaugwand, jedoch bei zwei von drei untersuchten Absaugtischen für beide Materialarten (Granit und Sandstein) personengetragen gemessen eingehalten werden. Die Ergebnisse der ortsfesten Messungen waren demgegenüber deutlich besser.
  3. Bei Quarzgehalten im A-Staub von 22 % (Granit) und 35 % (Sandstein) ist der zurzeit geltende Quarzstaubgrenzwert von 0,15 mg/m³ bezogen auf eine 8-stündige Arbeitsschicht sowohl bei Absaugwänden als auch bei Absaugtischen nicht einhaltbar. Bei den personengetragenen Messungen wurden Überschreitungen des Grenzwertes für Quarzstaub um das 1,4- bis 22-fache ermittelt. Der Allgemeine Staubgrenzwert für die A-Fraktion von 3 mg/m³ kann wegen der über 5 % liegenden Quarzgehalte außer Betracht bleiben.
  4. In Anbetracht der Untersuchungsergebnisse ist die Eignung von Absaugwänden und Absaugtischen in der heutigen Ausführung ohne Nachentstaubungseinrichtungen am oder im Luftauslass der Absaugung für eine ausreichende Entstaubung der Arbeitsplätze von Steinbearbeitern grundsätzlich in Frage zu stellen. Bestenfalls kann die Eignung von zwei Geräten – eine Absaugwand und ein Absaugtisch – für die Bearbeitung quarzfreier (z. B. Marmor) oder quarzarmer Materialien (Quarzgehalt bis zu 5 %) bestätigt werden.
Eine Erfolg versprechende Verbesserungsmaßnahme dürfte sein, Absaugwände und Absaugtische generell auf die Trockenentstaubung mit regenerierbaren Filtersystemen und entsprechender Grobvorabscheidung des Staubes umzustellen. Durch Trockenfilterung der abgesaugten Luft ist eine wesentlich effektivere Staubabscheidung gegenüber den hier untersuchten Systemen möglich. Die Probleme einer ausreichenden Stauberfassung müssen jedoch auch hierbei zufriedenstellend gelöst werden.

Kurt Kolmsee, StBG,
Gerd-Dieter Hartfiel, IGF

Literatur:
[1] Verordnung zum Schutz vor gefährlichen Stoffen (Gefahrstoffverordnung - GefStoffV) vom 23. Dezember 2004
[2] DIN EN 1093 - 9: Sicherheit von Maschinen – Bewertung der Emission von luftgetragenen Gefahrstoffen, Teil 9: Konzentrationsparameter des luftverunreinigenden Stoffes, Prüfraumverfahren
[3] TRGS 900: Grenzwerte in der Luft am Arbeitsplatz - Luftgrenzwerte
[4] BG-Regel "Umgang mit mineralischem Staub" (BGR 217)
[5] VDI 2262: Luftbeschaffenheit am Arbeitsplatz; Minderung der Exposition durch luftfremde Stoffe
[6] BG-Regel "Arbeitsplatzlüftung – Lufttechnische Maßnahmen" (BGR 121)


Absaugwand mit Filtertrommelsystem   Wasserwand in halboffener Bauweise (Darstellung der Absaugwirkung mit künstlichem Rauch)
Absaugwand mit Filtertrommelsystem   Wasserwand in halboffener Bauweise (Darstellung der Absaugwirkung mit künstlichem Rauch)


Wassersprührohr innerhalb des Luftkanals   Tropfenabscheider
Wassersprührohr innerhalb des Luftkanals   Tropfenabscheider


Diffusor am Luftauslass   Filtertrommel einer Absaugwand
Diffusor am Luftauslass   Filtertrommel einer Absaugwand


Absaugtisch mit Filtertrommel   Absaugtisch mit Absaugung durch ein Wasserbad
Absaugtisch mit Filtertrommel   Absaugtisch mit Absaugung durch ein Wasserbad





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