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Zementindustrie sieht EU-Erweiterung als Chance

Die deutsche Zementindustrie betrachtet die bevorstehende Ost-Erweiterung der Europäischen Union in erster Linie als Chance. Die Branche sei aufgrund der kontinuierlichen Modernisierung ihrer Produktionsstätten für den internationalen Wettbewerb gut gerüstet, erklärte Dr. Michael Weißenborn, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie anlässlich der Baufachmesse bautec 2004 in Berlin.
Die Zementhersteller, insbesondere die großen Marktführer, hätten die Potenziale einer Internationalisierung der eigenen Geschäftsaktivitäten zudem schon lange erkannt und sich durch ihr Engagement in einigen der künftigen EU-Mitgliedsländer eine strategisch gute Ausgangsposition auf den erweiterten Märkten geschaffen. Dort seien in den letzten Jahren fast durchweg zweistellige Zuwachsraten im Zementverbrauch festzustellen, und unter anderem durch zu erwartende Förderprogramme der EU, etwa im Infrastrukturbereich, ließen sich künftig weitere Wachstumsmöglichkeiten erschließen.
Obwohl demgegenüber die mittelfristigen Perspektiven für die deutsche Baukonjunktur als eher bescheiden anzusehen sind, steht für die deutschen Zementhersteller der heimische Markt im Vordergrund. Denn trotz der gegenwärtig schwierigen Lage der Bauwirtschaft ist Deutschland mit einem Anteil von etwa einem Viertel aller Bauinvestitionen der größte Baumarkt in Europa. Hier erwarte, so Weißenborn, die Zementindustrie, nicht zuletzt wegen des hohen eigenen Qualitätsstandards keine Probleme durch einen wachsenden Importdruck, zumal die Einfuhren von Zement im vergangenen Jahr beispielsweise um rund 30 Prozent zurückgegangen seien.
Große Sorgen bereitet den Zementherstellern hingegen der anhaltende und verschärfte öffentliche Investitionsstau. Der Standort Deutschland sei bei weitem nicht ausreichend auf die EU-Erweiterung vorbereitet. Vor allem die drastisch steigenden Anforderungen an Umfang und Qualität des Verkehrswegesystems, speziell auch in Ostdeutschland, würden von den politisch Verantwortlichen völlig unterschätzt, wenn nicht ignoriert. Deutschland rückt im Zuge der EU-Erweitung immer stärker ins Zentrum Europas und wird mehr denn je zu einem Transitland. So wird der Güterverkehr mit Polen, Tschechien und Ungarn bis zum Jahr 2015 auf das Drei- bis Vierfache gegenüber 1997 anwachsen.
Von einer bedarfsgerechten Anpassung der Kapazitäten an die künftigen Gegebenheiten ist die Verkehrspolitik Deutschlands aber Lichtjahre entfernt, so Weißenborn. Ohne eine durchdachte und umfassende Investitionsoffensive in die Infrastruktur werden seiner Einschätzung nach entscheidende Chancen für eine Trendwende der Baukonjunktur und ein bislang herausragender Standortvorteil unseres Landes verspielt.




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