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[Die Industrie der Steine + Erden]






Mobile Betonherstellung

Nach einer Idee der Firma Rombold & Gfröhrer, Ditzingen, entwickelte die Kniele Baumaschinen GmbH, Bad Buchau, ein Verfahren, mit dem sich hochwertige Betone unmittelbar an der Einbaustelle vor Ort herstellen lassen.
Anlass für diese Entwicklung war die Anfrage von Beton für die Erstellung von mehreren Masten für Windkraftanlagen. Diese sollten in Ortbeton unter Verwendung von Gleitschalungen betoniert werden. Da hierbei je nach Größe der Betontürme stündlich nur geringe Mengen von je etwa 1 - 3 Kubikmeter Beton je Turm, diese aber kontinuierlich über einen Zeitraum von rund drei Wochen bei Tag und Nacht rund um die Uhr benötigt werden, ist eine Versorgung der Baustelle mit Transportbeton äußerst problematisch und unwirtschaftlich.
Bei dem neu entwickelten Verfahren wird der werkseitig vorgemischte Trockenbeton in an der Baustelle aufgebauten, unterfahrbaren Siloanlagen gelagert. Von dort kann er jederzeit in der neuen, zum Patent angemeldeten, fahrbaren Mischstation weiterverarbeitet werden. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass sich jetzt die gewünschte Menge an Beton herstellen und sofort einbauen lässt, wodurch Wartezeiten, eventuelle Restmengen, Nacht- und Mindermengenzuschläge entfallen.
Der Trockenbeton wird werkseitig gewichtsmäßig aus Zement, Zusatzstoffen und Gesteinskörnungen vorgemischt. Zum Transport an die Baustelle wird das Material dann in Silozüge verladen und dort in die Vorratssilos eingeblasen.
Zur Herstellung des Gleitschalungsbetons kommt dann die fahrbare Mischstation zum Einsatz. Diese besteht im Wesentlichen aus einem umgebauten Fahrmischer, daran aufgebautem KKM-Mischer von Kniele sowie einer vollautomatischen Steuerung.
Die Fahrmischertrommel dient als Vorratsbehälter bzw. Dosierorgan für den Trockenbeton. Am Trommelauslauf ist ein 0,375 Kubikmeter-Konus-Intensivmischer angebracht, welcher auf Druckmessdosen sitzt und hierdurch gleichzeitig als Waage für den Trockenbeton dient. Über dem Mischer ist eine Flüssigkeitswaage für die Zugabe von flüssigen Zusatzmitteln angebracht. Die Wasserzugabe erfolgt über eine elektronische Wasseruhr, welche ebenso wie die beiden Waagen geeicht ist.
Das Ganze ist versehen mit einer vollautomatischen elektronischen Ablaufsteuerung, inklusive Rezeptdatenbank, sowie Speicherung der kompletten Soll- und Ist-Werte der Verwiegung mit Angabe von Chargennummer, Datum und Uhrzeit. Die Daten können jederzeit über eine Schnittstelle auf einen Laptop übertragen und von dort ausgedruckt und weiterverarbeitet werden.
Der vollautomatische Herstellungsprozess sieht wie folgt aus:
Teilverwiegung des Trockenbetons in den Mischer - Dosierung Wasser - Dosierung Zusatzmittel - Verwiegung des restlichen Trockenbetons durch Dosierung aus Fahrmischertrommel. Nach Erreichen aller Sollgewichte, beginnt die vorgewählte Mischzeit. Liegt bei einer oder mehrerer Komponenten der Ist-Wert um mehr als drei Prozent über dem Soll-Wert, ertönt ein Warnton und der Mischerauslauf ist gesperrt. Es bleibt dem Bediener überlassen, die Charge entweder zu verwenden oder zu verwerfen. Bei Freigabe öffnet sich der Auslauf des Mischers, die Entleerung erfolgt und die neue Charge beginnt mit der Dosierung. Am Ende der letzten Chargen ertönt wiederum ein Warnton.
Mit diesem Verfahren wurden im vergangenen Jahr insgesamt sechs Beton-Türme für Windkraftanlagen mit einer Gesamtkubatur von rund 2.400 Kubikmeter Beton der Güte B 45/B 55 in gleichmäßiger Qualität hergestellt. Die hierbei produzierte Chargenanzahl lag bei mehr als 6.000. Dieses Verfahren ist immer dann sinnvoll, wenn geringe Mengen an hochwertigem Beton benötigt werden.


Fahrbare Beton-Mischstation auf umgebautem Fahrmischer
Fahrbare Beton-Mischstation auf
umgebautem Fahrmischer






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