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[Die Industrie der Steine + Erden]






Gemeinsame Veranstaltung von Naturschützern und Abbauindustrie

Zwei Jahre nach einer gemeinsamen Erklärung zur Rohstoffnutzung in Baden-Württemberg luden der Naturschutzbund NABU und der Industrieverband Steine und Erden (ISTE) ins Stuttgarter Naturkundemuseum ein, um eine Reihe von Modellprojekten in Sachen Naturschutz vorzustellen. Diese Aktivitäten finden auch die Anerkennung des Bundesumweltministeriums - alle wurden in das Programm "biologischevielfalt.de" aufgenommen.
"Die Zeiten harter Auseinandersetzungen sind im Wesentlichen vorbei", so Dr. Rolf Mohr, Präsident des ISTE. Auch NABU-Landesvorsitzender Stefan Rösler sieht Chancen in einem verantwortungsbewussten Rohstoffabbau. Der gemeinsamen Erklärung von einst sind inzwischen Taten gefolgt. Nicht ohne Stolz präsentieren die Vertreter der Firmen Knauf, Gyproc und HeidelbergCement AG die Ergebnisse mehrjähriger Projekte für mehr Artenvielfalt in verschiedenen Abbaustätten des Landes.
Der baden-württembergische Weg der Kooperation zwischen Rohstoffindustrie und Naturschutz hat inzwischen auch in Bayern und im Saarland Nachahmer gefunden. Die Gipsindustrie in Franken hat zusammen mit dem NABU-Partner Bayern, dem Landesbund für Vogelschutz, erfolgreich artenreiche Gipssteppen in ehemaligen Abbaustätten etabliert.
Die Zementindustrie ist bundesweit führend in der Umsetzung von Naturschutzplanungen in die Folgenutzungsplanung. Über 50 Prozent aller Zementsteinbrüche werden nach dem Abbau der Natur überlassen. Der Bundesverband Zement hat eigens eine Broschüre erstellen lassen, in der "Managementmaßnahmen" für die Betriebs- und Rekultivierungsphase aufgeführt sind.
Die Erfolge zeigt der Film "Steiniges Ödland" von Dieter Szöke, aus dem Steinbruch Schelklingen der HeidelbergCement AG.
Weiterhin unverständlich für die Steine und Erden-Industrie, so Dr. Mohr und Seitz unisono, sind nach wie vor die kurzen Laufzeiten der Rohstoffsicherung mit insgesamt maximal 30 Jahren. Deshalb wäre es wünschenswert, dass sich bei allen verantwortlichen Entscheidungsträgern die plausible Auffassung durchsetzt, dass der Rohstoffabbau unabhängig vom kurzfristigen Bedarf gesichert werde und dass daher Lagerstätten gegenüber konkurrierenden Interessen dauerhaft geschützt bzw. gleichgestellt werden müssen.
Der wirtschaftspolitische Sprecher Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Walter Witzel, lobte die Initiativen der baden-württembergischen Steine und Erden-Industrie und zugleich die enge Zusammenarbeit mit den Naturschützern. Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit sei man bereits ein großes Stück vorangekommen. Eine solche Einschränkung der Nachhaltigkeit durch eine mögliche Konterkarierung der Kreislaufwirtschaftsidee kann politisch nicht gewollt sein, so Witzel. Entsprechende Gegenmaßnahmen müssen getroffen werden.
Sorgen machen der Rohstoffindustrie die zunehmenden Vorgaben durch den Naturschutz. Umso wichtiger ist es nach Ansicht von Dr. Horst Mehrländer, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, dass die Rohstoffgewinnung sich gemäß den Prinzipien der "Nachhaltigkeit" entwickelt. Sein Haus, das Landesplanung und Rohstofferkundung vereint, werde noch 2003 ein Rohstoffkonzept auflegen, um für eine langfristige und
bedarfsunabhängige Rohstoffsicherung zu sorgen. Lagerstätten, so Mehrländer, sind nicht verlagerbar und auch künftige Generationen werden noch mit Steinen bauen wollen.
Die grundsätzliche Notwendigkeit einer bedarfsunabhängigen Rohstoffsicherung der kurzen Wege wird auch vom NABU-Landesvorsitzenden Stefan Rösler bestätigt. Auch für die Notwendigkeit einer bedarfsunabhängigen Rohstoffsicherung habe der NABU Verständnis, seien doch auch Naturschutzgebiete nicht zeitlich befristet ausgewiesen, sondern ausschließlich auf Basis ihrer Eignung und Besonderheit für den Naturschutz.
In der Festlegung von Rohstoff-Sicherungsgebieten könne im Grundsatz sogar eine Chance für den Naturschutz liegen. Wenn im Sinne einer langfristigen Rohstoffsicherung entsprechende Vorranggebiete von konkurrierenden Nutzungen und Belastungen freigehalten würden, so könnten diese Gebiete im Sinne eines dynamischen Naturschutzes durchaus auch einen wichtigen Baustein in einem zukunftsorientierten Naturschutz-Gesamtkonzept des Landes darstellen. "In besonderer Weise könnten solche Abbaufolgelandschaften dem Naturerleben dienen", betonte Rösler.
Die Podiumsdiskussion zeigte jedoch auch, so der ISTE-Hauptgeschäftsführer Hans Croonenbroeck, dass nicht alle Probleme und Interessengegensätze sofort lösbar sind. NATURA 2000, die geplanten Naturparks und Hochwasserschutzmaßnahmen geben genügend Zündstoff für Politik und Verbände, die jedoch, wie die Veranstaltung zeigte, durch verstärkte Kommunikation in richtige Bahnen gelenkt werden kann.

Rekultivierte Landschaft





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