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"Spiel" mit dem Feuer

"Brand in einem Schotterwerk, eine Person im angrenzenden Transportbetonwerk vermisst, eine Person in einer Halde verschüttet." So lautete die Alarmmeldung für die Feuerwehr bei der groß angelegten Übung in zwei Mitgliedsbetrieben der StBG.
"Was kann in einem Schotterwerk schon brennen, etwa der Schotter?", war die erste Frage von Abteilungskommandant Friedbert Rösch der Freiwilligen Feuerwehr Götzingen auf eine Anfrage der SHB Schotterwerke Hohenlohe-Bauland und der TBG Neckar-Odenwald. Eine Besichtigung vor Ort machte schnell klar, dass ein Schotterwerk sehr wohl brennen kann.
Angesichts der Größe und Komplexität der Objekte rückte Rösch schnell von der ersten Idee einer Abteilungsübung ab. "Sollte es hier wirklich brennen, dann müssen mindestens noch zwei Abteilungen herangezogen werden," so Rösch.
Daher wurde eine Gemeinschaftsübung der Freiwilligen Feuerwehr Buchen konzipiert, in ihrer Art und ihrem Umfang die erste.
Folgendes Szenario wurde angedacht: Es sind gegen 19:30 Uhr noch zwei Mitarbeiter des Schotterwerkes und des Transportbetonwerkes auf dem Gelände tätig. Eine Person ist gerade noch mit Wartungsarbeiten im großen Mehrkammer-Silo beschäftigt, als der zweite Mitarbeiter im Betriebsgebäude bemerkt, wie aus einem der Elektroverteiler beißender Rauch austritt. Er nimmt den vorhandenen Feuerlöscher und versucht den Brand zu löschen. Wegen des Brandrauchs muss er diesen Versuch abbrechen. Er alarmiert die Feuerwehr. Der Mitarbeiter im Silo stürzt und bleibt bewusstlos auf der Bühne über den Silokammern liegen. Dies wird aber erst später bemerkt.
Soweit die durchaus realistische Annahme der Übung. Die Anfahrt der Einsatzkräfte erfolgte im letzten Abschnitt unter Einsatzbedingungen. Zuerst wurde die Brandbekämpfung unter schwerem Atemschutz aufgenommen. Zusätzlich musste das Problem der Wasserversorgung gelöst werden.
Die Werke liegen außerhalb der Ortschaft. Es besteht jedoch die Möglichkeit, aus einem kleinen Absetzbecken für die erste Zeit Wasser zu erhalten.
Für eine längere Brandbekämpfung musste entsprechend umfangreich Schlauchmaterial verlegt werden.
In die Löscharbeiten platzte die Meldung über einen vermissten Mitarbeiter. Eine Abteilung wurde sofort mit Suche und Rettung beauftragt. Auch dies erfolgte wegen den sich über das Betriebsgelände ausbreitenden Brandrauchen unter schwerem Atemschutz.
Die Feuerwehrleute stellten schnell fest, dass der Laufsteg eines Förderbandes und die Übergangsstellen nicht die Breite und den Komfort eines normalen Verkehrsweges bieten. Hier mussten auf die Schnelle Improvisation und Können bewiesen werden. Es war auch klar, dass die verletzte Person nicht den Laufsteg heruntergebracht werden konnte. Also wurde die Drehleiter der Feuerwehr Buchen angefordert, um den Verletzten zu retten. Aber auch eine Drehleiter hat ihre Grenzen:
Wäre das Silo ein bis zwei Meter höher gewesen, hätte der Verletzte nicht gerettet werden können.


Übergabe der geretteten Person von der Silobühne auf die Drehleiter in zwanzig Metern Höhe Abtransport der geretteten Person

Abtransport der geretteten Person
Übergabe der geretteten Person von der Silobühne auf die Drehleiter in zwanzig Metern Höhe  


So konnte aber unter Nutzung der gesamten Leiterlänge der Abtransport einer verletzten Person aus ungefähr 20 Metern Höhe geübt werden.
Als Sonderübung fand das Retten eines Verschütteten statt. Hierzu wurde eine Puppe in einer Sandhalde vergraben. Von Hand und mit entsprechendem Holzmaterial zum Absprießen befreiten die Feuerwehrleute den Verunglückten.
In der abschließenden Besprechung zeigte sich Stadtbrandmeister Klaus Theobald zufrieden mit den Lösungen der einzelnen Aufgaben. Er dankte den Unternehmen für die Bereitschaft, ihre Betriebsstätten als Übungsobjekte zur Verfügung zu stellen. Dies sei leider nicht der Regelfall!
Vorbeugender Brandschutz beinhaltet in der Tat auch die Zusammenarbeit mit den ansässigen Rettungsdiensten. Nur so kann die Feuerwehr Ortskenntnis erwerben und feststellen, ob die vorhandene Gerätschaft ausreichend ist. Je nach Lage muss die Feuerwehr an die Situation angepasste Neuanschaffungen durchführen. Falls dies nicht möglich ist, hat der Betrieb materielle und organisatorische Grundlagen für die Rettungskräfte zu schaffen. Materielle Anschaffungen können zum Beispiel Anschlagpunkte zum Abseilen, Silo-Einfahreinrichtungen oder geeignete Rettungsgeräte sein. Als wichtigste organisatorische Maßnahme müssen Ansprechpartner benannt werden, die idealerweise als Brandschutzbeauftragte ausgebildet sind.


Freigraben des Verschütteten: Ausleuchten der Einsatzstelle durch den Lichtmast des Rüstwagens Atemschutztrupp unter schwerem Atemschutz zur Rettung einer im Silo
Freigraben des Verschütteten: Ausleuchten der Einsatzstelle durch den Lichtmast des Rüstwagens Atemschutztrupp unter schwerem Atemschutz zur Rettung einer im Silo


Darüber hinaus müssen gemeinsame Einsatzpläne entwickelt werden. Abgesehen von dem vorbeugenden Charakter einer größeren Übung auf Firmengelände bietet ein solches Ereignis auch die Möglichkeit, sich in der Bevölkerung positiv darzustellen, was heutzutage als nicht unerheblich einzustufen ist.
Dipl.-Ing. Andreas Erles, StBG,
Dipl.-Ing. Christian Zeisluft, StBG




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