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[Die Industrie der Steine + Erden]






Jetzt handeln - jeder in seiner Verantwortung!

Willi Lange Jeden Tag entnehmen wir den Medien die Reformvorstellungen und vielfältigen Ideen unserer Kommissionen und Experten. Doch kaum sind sie auf dem Markt, treten auch schon die Bedenkenträger auf und erklären uns, warum etwas nicht geht. Offensichtlich fehlt unseren Politikern und Entscheidungsträgern der Mut, der zu jedem Neuanfang gehört. Das hat etwas mit unternehmerischem Denken und auch einem Stück Risikobereitschaft zu tun - ist es doch eine Binsenweißheit, dass man erst einmal investieren muss, bevor man Früchte ernten kann.

Dabei wird aller Orten Bürokratieabbau gefordert, um den Unternehmen die gewollte und notwendige Gestaltungsfreiheit und Eigenverantwortung zu belassen. Dies ist auch das erklärte Ziel unserer Regierung - bloß realisiert hat man es bisher nicht. In der letzten Legislaturperiode wurden zwar 91 Regelwerke gestrichen, aber 336 neue geschaffen. Addiert man alle Gesetze und Verordnungen, so kommt man zu mehr als 46.000 Einzelvorschriften, die ein mittelständischer Unternehmer in Deutschland beachten muss.

Doch nicht nur in der großen Politik, auch im eigenen Verantwortungsbereich lassen sich die Dinge ändern - wenn man denn will. Kommen wir also zurück auf unsere überschaubare Welt bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft. Dass wir mit unseren Ideen und Strategien für mehr Prävention auf dem richtigen Weg sind, belegt unsere Unfallstatistik seit Jahren. Noch nie war die Arbeit in der deutschen Baustoff-Industrie so sicher wie heute. Dabei haben sich die Methoden und Instrumente der Prävention geändert. Stand früher die Frage "Wo steht das?" im Vordergrund, so sind heute Motivation und praxisgerechte, überzeugende Lösungen gefragt. Dies muss zwangsläufig die Praxis der berufsgenossenschaftlichen Rechtsetzung tangieren! Wir haben nicht etwa zu wenig, sondern zu viele Vorschriften, die wir im Übrigen für eine überzeugende Prävention gar nicht mehr benötigen.

Vor dem Hintergrund dieser Bestandsaufnahme haben wir jetzt den verschiedenen Gremien unserer Selbstverwaltung konkrete Vorschläge unterbreitet, wie bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft die Zukunft aussehen könnte. Das in Grundzügen diskutierte, auf 3 Säulen ruhende Zukunftsmodell sieht vor, anstatt der bisherigen Zahl von 48 Unfallverhütungsvorschriften (UVV) mittelfristig zusätzlich zur neuen UVV "Grundsätze der Prävention" nur noch eine Hand voll weiterer unentbehrlicher Unfallverhütungsvorschriften zu erlassen, deren Inhalt sich unmittelbar aus dem gegenwärtig immer noch relevanten Unfallgeschehen ableiten lassen muss. Die zweite Säule setzt auf praxisgerechte, machbare Lösungen, die in einem Branchenhandbuch zusammengetragen werden sollen, welches sich gleichfalls auf die tatsächlich bedeutsamen Sachverhalte beschränkt. Als drittes Element wird über ein neues finanzielles Anreizkonzept nachgedacht, mit dessen Hilfe bei aktuellen Entwicklungen Impulse für positives präventives Handeln gegeben werden können.

Nach den ersten Erörterungen dieses neuen Weges mit der Selbstverwaltung kann ich schon einmal verraten, dass die "revolutionären" Vorschläge offensichtlich auf fruchtbaren Boden gefallen sind und rundweg ausgesprochen positiv aufgenommen wurden. Jetzt geht es darum, die Ideen zu konkretisieren und möglichst in wenigen Monaten entscheidungsreif zu machen. Gemäß unserer Philosophie wollen wir also auch in Zukunft nicht zögerlich abwarten, sondern vorausschauend handeln - in unserer eigenen Verantwortung! Meine Bitte an Sie: Unterstützen Sie uns auf diesem innovativen Weg, indem Sie im Rahmen Ihrer Handlungsspielräume in ureigener Verantwortung die Arbeitsbedingungen so sicher wie möglich gestalten und sich an unseren Initiativen und Kampagnen aktiv beteiligen.



Ihr
Willi Lange






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