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[Die Industrie der Steine + Erden]






Sicherheitsingenieure aktiv:

Sicherheitsunterweisung einmal anders

Die jährliche Sicherheitsunterweisung ist eine "altbekannte" Veranstaltung: "Schon wieder die jährliche Belehrung! Das weiß ich doch schon alles! Was will der Chef mir denn neues erzählen?" tönt es aus dem Mitarbeiterkreis, wenn der jährliche Unterweisungstermin bekannt gegeben wird. Ob für den Unternehmer, seine Beauftragten oder die Mitarbeiter: dieser Termin ist für viele eine lästige Pflicht.
Der Unternehmer grübelt schon Wochen im voraus: "Was soll ich den Mitarbeitern denn erzählen? Die arbeiten doch jeden Tag mit der Maschine und kennen sie in- und auswendig. Außerdem sprechen wir doch regelmäßig über die Arbeit und natürlich vereinzelt auch über die Gefahren".
Diese oder ähnliche Probleme haben viele Unternehmer und Vorgesetzte, gerade in kleinen und mittelständischen Firmen. Jedoch liegt es in der Verantwortung des Unternehmers, seine Mitarbeiter regelmäßig über die Gefahren am Arbeitsplatz, z. B. beim Umgang mit bestimmten Maschinen und Fahrzeugen, zu informieren.
Oft werden dabei die Unfallverhütungsvorschriften vorgelesen, was natürlich wenig verständlich, geschweige denn interessant für die Zuhörer ist. Aber wie viel bleibt von dem "Erzählten" haften? Und erreicht man dadurch eine Verhaltensänderung bei den Mitarbeitern? Wohl eher nicht!
Die Firma GmG Goch Kies GmbH & Co. KG aus Goch und Schwarzdecken und Recycling Schulz aus Hürth haben sich jetzt mit ihrem zuständigen Sicherheitsingenieur Christoph Göbel zusammengesetzt, um die obligatorische Aufgabe einmal anders zu lösen.
Wie kann diese bisher eher trockene Veranstaltung so gestaltet werden, dass Mitarbeiter aktiv beteiligt sind und eine nachhaltige Verhaltensänderung herbeigeführt wird?
Gerade auch die "alten Hasen" sollten besonders angesprochen werden. Außerdem darf die Unterweisung keine Belehrungsstunde nach dem Motto: "Einer ist schlau und die anderen sind dumm" sein, sondern eine Informationsvermittlung mit der Motivation zum fach- und sicherheitsgerechten Handeln.
Was lag näher, als sich den eigenen Betrieb anzusehen und über die eigenen Arbeitsabläufe zu sprechen?
Kurzerhand wurde ein Video über den Produktionsablauf, verschiedenen Arbeitssituationen und den sicherheitstechnischen Zustand der Anlagen gedreht. Nicht nur negative Aspekte standen im Vordergrund. Auch positive Handlungen der Mitarbeiter und gute sicherheitstechnische Lösungen wurden gefilmt.
Die anschließenden jeweils zweistündigen Veranstaltungen waren ein voller Erfolg. Die Mitarbeiter sahen "ihre" Anlage aus einem neuen Blickwinkel: sie betrachteten jetzt die Arbeitsabläufe sehr kritisch. Es wurde viel diskutiert und analysiert. Einige Sicherheitsdefizite wurden offengelegt und gleichzeitig Lösungsvorschläge von den Mitarbeitern selbst eingebracht.
Da in der Kies- und Sandindustrie sowie im Bauschuttrecycling noch immer viele Unfälle an Förderbandanlagen passieren, konnten die Beschäftigten am Förderbandmodell der StBG diese Gefahr selbst "spüren".
Alle Beteiligten waren sich zum Schluss einig: durch diese Art der Unterweisung macht es sogar Spaß, sich mit Sicherheitsfragen des eigenen Betriebes und des eigenen Arbeitsplatzes auseinander zusetzen. Dies ist ein wichtiger Schritt, eine nachhaltige Verhaltensänderung herbeizuführen. Bleibt zu wünschen, dass in beiden Firmen keine Arbeitsunfälle mehr eintreten und viele Nachahmer gefunden werden.

Christoph Göbel, StBG



Am Förderband-Modell der Steinbruchs-BG konnten die Mitarbeiter "spüren", wie groß die Gefahr ist, vom Band in die Anlage hineingezogen zu werden, und wie stark die dabei auftretenden Kräfte sind
Am Förderband-Modell der Steinbruchs-BG
konnten die Mitarbeiter "spüren",
wie groß die Gefahr ist, vom Band in die Anlage
hineingezogen zu werden, und wie stark die dabei
auftretenden Kräfte sind


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