www.steine-und-erden.net > 2002 > Ausgabe 3/02 > HighTech im Arbeitsschutz: Berufsgenossenschaften auf der Hannover Messe

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HighTech im Arbeitsschutz: Berufsgenossenschaften auf der Hannover Messe

Innovation und Prävention widersprechen sich nicht, sondern stehen heute in vielen Bereichen der Arbeitssicherheit miteinander im Einklang! Das demonstrierten die Berufsgenossenschaften auf der Hannovermesse Industrie unter dem Motto "HighTech im Arbeitsschutz" mit ihrem Stand in Halle 27. An drei konkreten Beispielen konnte der Messebesucher nachvollziehen, mit welchen Maßnahmen die Berufsgenossenschaften den Einsatz neuer, immer komplexerer Technologien auf dem Gebiet der Sicherheitstechnik fördern und begleiten.
Maschinen und Geräte werden immer komplexer. Reichte noch vor zehn Jahren ein einfacher Knopf zum Ein- und Ausschalten aus, sorgen heute sogenannte Softkeys mit mehreren Funktionsebenen bei vielen Anwendern für Verzweiflung. Wie schön wäre es da, wenn man mit der Maschine sprechen könnte und die Maschine antwortete, anstatt komplizierte Grafiken und Textmeldungen zu produzieren.
Dass dies heute keine Vision mehr ist, zeigte die ausgestellte Sprachsteuerung der Firma VoiceCommande. Das Unternehmen hat erste Holzbearbeitungsmaschinen mit einer Sprachsteuerung ausgestattet, deren Wortschatz zwar eng begrenzt ist, die aber sicherheitsrelevante Kommandos, wie "langsam" o. ä. zuverlässig auch bei industrieüblichen Nebengeräuschen versteht. Vidoeaufnahmen aus verschiedenen Sägewerken verdeutlichten, in welchem Maße solche Systeme die Arbeitssituation ergonomisch verbessern. Vorgestellt wurden außerdem erste Konzepte, die darauf abzielen, Sprachsteuerungen für Maschinen so umzubauen, dass sie auch Not-Aus Befehle sicher verarbeiten können.
Das, was uns Menschen so leicht fällt, ist für eine Maschine unendlich schwer: Wir erkennen eine menschliche Person schon bei sehr schwachen Lichtverhältnissen, unter allen möglichen Perspektiven und mit unglaublicher Geschwindigkeit. Kamerasysteme können zwar rein optisch das menschliche Auge heute sehr gut nachbilden; eine zuverlässige Unterscheidung von z. B. Stückgut und Hand beim Beschicken einer Maschine war bis vor Kurzem allerdings nicht möglich. Pfiffige Köpfe im Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik der FhG in Chemnitz haben in der Objektunterscheidung durch Oberflächenbewertung einen Durchbruch erzielt. Ein über einer Presse fest montierter Kamerakopf erkennt Hand und Stückgut unter allen Perspektiven und mit hoher Geschwindigkeit. Der Messebesucher konnte sich von der Leistungsfähigkeit des Systems durch den am Stand laufenden Prototypen überzeugen. In einem von den Berufsgenossenschaften geförderten Forschungsvorhaben wird der vorhandene Prototyp für die Praxis tauglich gemacht.
Publikumsmagnet auf der Messe war das originalgetreue Modell eines Baggers, das von einem Liebherr-Sitz aus mit Eurosteuerung bedient werden konnte. Selbst erfahrene Baggerführer bestätigten: "Dieses Teil reagiert wie eine echte Maschine!".
Moderne Bagger werden heute nicht mehr durch zahlreiche Hebel, sondern durch Joysticks gesteuert. Ein und dasselbe Stellteil dient dabei der kompletten Steuerung aller Arbeitsbewegungen. Dass solche Mehrfachbelegungen zum Problem werden können, wenn im Notfall schnelle Reaktionen gefordert sind, davon konnte sich der Messebesucher selbst überzeugen. Zusammen mit Arbeitspsychologen untersuchen die Berufsgenossenschaften zurzeit, welche Funktionsvielfalt dem Menschen zugemutet werden kann, ohne seine Sicherheit auch in kritischen Situationen zu gefährden.


Demonstrationsmodell einer Baggersteuerung mit Joystick
Demonstrationsmodell einer
Baggersteuerung mit Joystick






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