www.steine-und-erden.net > 2002 > Ausgabe 3/02 > Noch ganz Ohr?

[Die Industrie der Steine + Erden]






Noch ganz Ohr?

Lärm macht krank. Dabei liegt er uns "ständig in den Ohren", ob es der Straßenverkehr ist, Fluglärm, Discomusik oder der Rasenmäher des Nachbarn. Auch am Arbeitsplatz lässt er sich oft nicht vermeiden. Manchmal gelingt es, darüber hinweg zu hören, aber der Körper und die Ohren vergessen den Lärm nicht - und dann droht Lärmschwerhörigkeit. "Wenn man erst merkt, dass man nicht mehr alles hört, ist es schon zu spät", sagt Andreas Günther, Audiometrist der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, denn Lärmschwerhörigkeit ist unheilbar.
Für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ständig oder auch nur zeitweise an einem lärmbelasteten Platz arbeiten, besteht deshalb die Verpflichtung zu einer Vorsorgeuntersuchung. Ohne Bescheinigung, dass das Gehör in Ordnung ist und dass keine Bedenken bestehen, darf der Arbeitgeber niemanden im Lärmbereich einsetzen.
Um die Ausfallzeiten der Mitarbeiter durch die Hin- und Rückfahrt zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt sowie die dort unvermeidliche Wartezeit zu verringern, hat die Steinbruchs-BG zwei Audiomobile beschafft. Als Service für die Unternehmen sind diese ständig auf Tour durch die Betriebe, um die vom Lärm betroffenen Versicherten einer regelmäßigen Hörprüfung zu unterziehen.
Andreas Günther und seine Kollegen Heidi Kaschuge und Lothar Proschka sind speziell für die Durchführung der Tests ausgebildet. Günther: "Wir führen hier die 'Lärm 1'-Untersuchung durch, das heißt, wir prüfen das Hören bei einer Schallübertragung durch die Luft. Falls dabei Auffälligkeiten herauskommen, müssen die Versicherten zu weiteren Untersuchungen zu einem ermächtigten HNO-Arzt."
Die Hörprüfung dauert nur etwa 15 Minuten und wird parallel für zwei Mitarbeiter in den beiden schallisolierten Kabinen durchgeführt. Sie bekommen Töne mit verschiedenen Frequenzen auf einen Kopfhörer eingespielt und müssen einen Impulsgeber drücken, so lange sie etwas hören. Der Schreiber erstellt dadurch ein Audiogramm, von dem abgelesen werden kann, ob der Versicherte bei bestimmten Frequenzen schon eine Hörschwäche hat oder nicht.
Andreas Günther erläutert dem Versicherten anschließend das Ergebnis und gibt bei Bedarf Empfehlungen für den richtigen Gehörschutz. "Mitarbeiter, die sich nur gelegentlich in lärmgefährdeten Zonen aufhalten, nehmen es mit dem Gehörschutz oft noch zu leicht. Dabei können 15 Minuten bei 90 dB(A) schon zuviel sein."
Etwa einmal in drei Jahren kommen die Audiomobile der Steinbruchs-BG in alle Betriebe. Erreicht werden dadurch 95 Prozent der Versicherten, die in lärmgefährdeten Bereichen eingesetzt werden. Ein Turnus der regelmäßigen Nachuntersuchungen, der nicht wichtig genug eingeschätzt werden kann, denn - so Audiometrist Günther - "Lärmschwerhörigkeit nimmt einen Spitzenplatz unter den Berufskrankheiten ein."


Aufzeichnung der Gehörtest-Daten im Audiomobil. Für die Beratung der Versicherten werden unterschiedliche Gehörschutzmittel präsentiert und umfangreiches Informationsmaterial bereitgehalten
Aufzeichnung der Gehörtest-Daten im Audiomobil. Für die Beratung der Versicherten werden unterschiedliche Gehörschutzmittel präsentiert und umfangreiches Informationsmaterial bereitgehalten
 
Andreas Günther erläutert das Testergebnis   Ein Betonwerker beim Hörtest
Andreas Günther erläutert das Testergebnis   Ein Betonwerker beim Hörtest
 
Die Audiomobile der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft sind ständig auf Tour durch alle Betriebe der Steine und Erden-Industrie
Die Audiomobile der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft sind ständig auf Tour durch alle Betriebe der Steine und Erden-Industrie




Inhaltsverzeichnis Ausgabe 3/02 | Zurück zu unserer Homepage