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[Die Industrie der Steine + Erden]






   

Gefahrstoffe - aktuell


Änderung chemikalienrechtlicher Verordnungen

Entwurf der 4. Verordnung zur Änderung chemikalienrechtlicher Verordnungen (Kreosot, Hexachlorethan)
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hat den Entwurf der 4. Verordnung zur Änderung chemikalienrechtlicher Verordnungen (Kreosot, Hexachlorethan) vorgelegt. Mit dieser Verordnung werden zwei Richtlinien der Europäischen Kommission zur Anpassung von Anhang I der Richtlinie 76/769/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten für Beschränkungen des Inverkehrbringens und der Verwendung gefährlicher Stoffe und Zubereitungen (Kreosot, Hexachlorethan) an den technischen Fortschritt in nationales Recht umgesetzt.
Die Umsetzung der Richtlinie der Kommission zur siebten Anpassung von Anhang I der Richtlinie 76/769/EWG (Kreosot) dient der Verbesserung des bestehenden Gesundheits- und Arbeitsschutzes.
Die bisher geltende maximal zulässige Konzentration des krebserzeugenden Benzo(a)pyren in Teerölen (Kreosot) in Höhe von 500 ppm wird nunmehr ausnahmslos auf 50 ppm abgesenkt. Weiterhin ist das Inverkehrbringen und Verwenden von mit Teerölen behandeltem Holz nur noch für industrielle und gewerbliche Zwecke zulässig.
Die Umsetzung der Richtlinie der Kommission zur achten Anpassung von Anhang I der Richtlinie 76/769/EWG (Hexachlorethan) dient der Verbesserung des Schutzes der marinen Umwelt. Für einige Anwendungen in der Herstellung von Magnesium- und Alu-miniumlegierungen waren bislang Ausnahmen vorgesehen, die nunmehr aufgehoben werden.
Die materiellen Inhalte des Verordnungsentwurfs sind wegen der Umsetzung von Richtlinien auf der Grundlage von Artikel 95 EG-Vertrag nicht veränderbar.




Änderungen und Ergänzungen der Technischen Regeln für Gefahrstoffe

TRGS 430 "Isocyanate - Exposition und Überwachung" (Neufassung, Stand März 2002)
Isocyanate werden an vielen Arbeitsplätzen verwendet. Neben der Kunststoffindustrie (Herstellung von Polyurethan-Kunststoffen und -schäumen) kommen Isocyanate auch in der Bauwirtschaft und in der Industrie der Steine und Erden z. B. als Montageschäume, Polyurethan-Klebstoffe oder Polyurethan-Beschichtungsmittel zum Einsatz. Insbesondere bei der Verarbeitung von Hand kann eine Exposition der Beschäftigten nicht ausgeschlossen werden. Unfälle und berufsbedingte Erkrankungen, hervorgerufen durch den nicht sachgerechte Umgang mit Polyurethanen (PU, PUR), werden daher in diesen Bereichen beobachtet.
In dieser TRGS wird das Verfahren zur Ermittlung und Überwachung der Expositionssituation an Arbeitsplätzen bei der Herstellung und Verwendung von Polyurethanen beschrieben. Den verschiedenen Arbeitsplätzen bzw. Tätigkeiten werden je nach dem Expositionsrisiko unterschiedliche Expositionsstufen zugeordnet. Diese Informationen können vom Arbeitgeber zur Ermittlung und Beurteilung der Gefährdungssituation durch Isocyanate an den Arbeitsplätzen in seinem Betrieb herangezogen werden. Sowohl die Handhabung isocyanathaltiger Produkte als auch die mögliche Freisetzung von Isocyanaten bei Arbeitsabläufen werden hierbei betrachtet.
Wegen ihres Umfangs werden die insgesamt 29 unterschiedlichen Expositionsszenarien getrennt von der im Bundesarbeitsblatt veröffentlichten TRGS im Internet auf der Homepage des Ausschusses für Gefahrstoffe (AGS) unter der Adresse www.baua.de/prax/ags zugänglich gemacht.

TRGS 200 "Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen" (Neufassung, Stand März 2002)
Am 30. Juli 2002 treten einige neue EG-Richtlinien zur Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung von gefährlichen Stoffen und Zubereitungen in Kraft, die umfangreiche Änderungen in diesem Bereich mit sich bringen (siehe hierzu "Gefahrstoffe aktuell" in Steine + Erden, Heft 6/2001). Neben den Regelungen aus der 28. Anpassung der EG-Stoffrichtlinie ist ab diesem Zeitpunkt die neue Zubereitungsrichtlinie 1999/45/EG anzuwenden. Diese Änderungen machten eine Anpassung der entsprechenden Erläuterungen in der TRGS 200 erforderlich.

TRGS 612 "Ersatzstoffe, Ersatzverfahren und Verwendungsbeschränkungen für dichlormethanhaltige Abbeizmittel" (Neufassung, Stand März 2002)
Die Anwendung der TRGS 612 in den zurückliegenden vier Jahren hat - ausweislich des Unfallaufkommens - hinsichtlich des Ersatzes von dichlormethanhaltigen Abbeizmitteln nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Auch heute werden immer noch diese Abbeizer in Anwendungsbereichen verwendet, in denen es weitaus ungefährlichere Ersatzprodukte gibt. Aus diesem Grunde wurden die Regelungen über Ersatzstoffe und Ersatzverfahren auf ein Mindestmaß reduziert und an strengere Voraussetzungen geknüpft (Tragen eines von der Umgebungsluft unabhängigen Atemschutzgerätes, Ausnahmegenehmigung für diese Arbeiten zukünftig vom Nachweis einer ausreichenden Prüfung der Ersatzstofffrage abhängig, Tragen von Schutzhandschuhen aus geeignetem Material (Fluorkautschuk)).

TRGS 420 "Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz: Verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) für die betriebliche Arbeitsbereichsüberwachung" (Änderungen und Ergänzungen, Stand März 2002)
Die Bedingungen für die Aufstellung von verfahrens- und stoffspezifischen Kriterien in Nr. 4.1 Abs. 3 der TRGS wurden präzisiert; die Liste der VSK im Anhang 2 wurde aktualisiert.

TRGS 440 "Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz: Ermitteln von Gefahrstoffen und Methoden zur Ersatzstoffprüfung" (Änderungen und Ergänzungen, Stand März 2002)
Die TRGS wurde in der Nr. 4 Abs. 8 dahingehend geändert, dass zu den erforderlichen Informationen für eine angemessene Arbeitsplatzbeurteilung zukünftig neben der akuten Toxizität, der Hautreizung und der Schleimhautreizung sowie dem erbgutverändernden Potenzial der Inhaltsstoffe zukünftig auch Daten insbesondere zur Hautsensibilisierung sowie zur Toxizität bei wiederholter Applikation erforderlich sind.
Die Erläuterungen zum Spaltenmodell und zum Wirkfaktoren-Modell wurden präziser gefasst sowie einige redaktionelle Anpassungen und Aktualisierungen hinsichtlich geänderter Rechtsvorschriften vorgenommen.
Der TRGS wurde eine neue Anlage 4 "Stoff- oder verfahrensspezifische Informationen des AGS zu Ersatzstoffen"hinzugefügt, die derzeit Angaben zu Aminen im Urethan-Cold-Box-Kernherstellungsverfahren in Gießereien enthält.

TRGS "Holzstaub" (Änderungen und Ergänzungen, Stand März 2002)
Die Anlage 2 zur TRGS 553 mit der Liste der Anlagen und Arbeitsplätze nach Nr. 4 Abs. 2 der TRGS (Anlagen und Arbeitsplätze an denen der Stand der Technik derzeit die Einhaltung des Luftgrenzwertes von 2 mg/m3 nicht zulässt) wurde entsprechend den aktuellen Messergebnissen der Holz-Berufsgenossenschaft und des Arbeitskreises der Ländermessstellen (ALMA) an den aktuellen Stand der Erkenntnisse angepasst.


TRGS 900 "Grenzwerte in der Luft am Arbeitsplatz - Luftgrenzwerte" (Bekanntmachung des BMA zu Änderungen und Ergänzungen, Stand März 2002)
Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) hat einige Änderungen zur Liste der Luftgrenzwerte in der TRGS 900 beschlossen. Diese betreffen:
  • die Halbierung des Grenzwertes für Morpholin,
  • die Aufnahme von sechs neuen Luftgrenzwerten auf Grund der Berücksichtigungspflicht der EG-Richtlinie 2000/39/EG bei der Festlegung nationaler Luftgrenzwerte (Mesitylen, Orthophosphorsäure, Piparazin, Stickstoffmonoxid, 1,2,3-Trimethyl-benzol, 1,2,4-Trimethylbenzol),
  • den Hinweis auf unzureichende Datenlage bei Stickstoffmonoxid,
  • die Streichung des Hinweises "Y" beim Eintrag für Tetrachlorethylen.



Zukünftige Änderungen und Ergänzungen der Liste von Luftgrenzwerten sowie die Bewertung von Stoffen als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend

Die "Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe" der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat dem BMA mitgeteilt, dass die Beratung zu einer Reihe von Stoffen in Kürze abgeschlossen sein wird. Damit ist zu erwarten, dass eine Veröffentlichung der Vorschläge für MAK- und BAT-Werte bzw. für Einstufungen als krebserzeugend, fruchtschädigend, keimzellmutagen oder sensibilisierend für diese Stoffe in der MAK- und BAT-Werte-Liste am 1. Juli 2002 oder 2003 erfolgen kann. Nach der Veröffentlichung in der DFG-Liste wird der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) prüfen, welche dieser neuen oder geänderten Luftgrenzwerte in die TRGS 900 bzw. TRGS 905 aufgenommen werden sollen.
Für die Industrie der Steine und Erden sind folgende Stoffe der Vorschlagsliste von Interesse:
  • Dieselmotor-Emissionen (Überprüfung des krebserzeugenden Potenzials),
  • Eisenoxide (Überprüfung des MAK-Wertes),
  • Essigsäure (Überprüfung des MAK-Wertes).

Es wird dringend empfohlen, die möglicherweise zu erwartenden Änderungen im Regelwerk schon heute auf möglich Konsequenzen hinsichtlich der Umsetzbarkeit in der Praxis, insbesondere auf die Möglichkeit der Einhaltung geänderter Grenzwerte, zu überprüfen, da die Fristen zur Einreichung von Messdaten oder sonstigen betrieblichen Erfahrungen nach einem entsprechenden Aufruf des BMA im Bundesarbeitsblatt erfahrungsgemäß sehr kurz sind.


Dipl.-Ing. Kurt Kolmsee, StBG
Dipl.-Chem. Dr. rer. nat. Hansmartin Reimann, StBG





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