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[Die Industrie der Steine + Erden]






Arbeiten trotz Arbeitsunfähigkeit?

Von Zumutbarem und Zumutungen

Willi Lange Das Haushalten ist in Zeiten immer knapper werdender Ressourcen fast schon eine hohe Kunst. Für das Finanzielle gibt es so genannte Experten, denen man die Zahlenzauberei mit Haushaltsplan und Rechnungslegung getrost überlassen kann und auch überlassen sollte. Richtig wirtschaften müssen aber nicht nur diese Fachleute, sondern jeder Mitarbeiter. Denn die Disposition über sächliche Ressourcen obliegt nicht nur der Beschaffungsabteilung, sondern jedem, der - wenn auch in unterschiedlichem Umfang - die sächlichen Mittel des Unternehmens nutzt, unvorsichtig oder umsichtig, auf langfristigen Gebrauch angelegt oder nach dem Motto "ex und hopp" oder "es ist ja nicht mein Geld".
Neben den sächlichen gibt es aber auch personelle Ressourcen. Spätestens hier kommt wirklich jeder mit einem Faktor in Berührung, der den betrieblichen Alltag und die Effektivität von Arbeitsabläufen entscheidend beeinflusst. Und auch hier kann man vergeuden oder sinnvoll ausnutzen, dem Zufall überlassen oder gezielt vorgehen. Schon das Haushalten mit den eigenen Kräften ist manchmal nicht ganz einfach. Jeder von uns wird die Situation kennen, in der er feststellen musste: Jetzt habe ich mir zuviel zugemutet. Viele von Ihnen müssen nicht nur mit den eigenen, sondern auch mit den Kräften anderer, nämlich ihrer Mitarbeiter, haushalten. Wenn man sie maßlos fordert und Raubbau an ihren Kräften betreibt, ist das weder menschlich noch wirtschaftlich vertretbar.
Indes: Was ist das rechte Maß? Insbesondere wenn ein Versicherter wegen Arbeitsunfähigkeit gehindert ist, seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit nachzugehen, stellt sich die Frage: Ist es zulässig und zweckmäßig, dem Betroffenen bestimmte andere Aufgaben zu übertragen? Wie bald und wie schnell darf er wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden? Die rechtlichen Lösungen in diesem Bereich schaffen einen allseits als sachgemäß anerkannten Interessenausgleich, der in hohem Maße von Zumutbarkeitsgesichtspunkten geprägt ist. Da es nach Eintritt eines Versicherungsfalls häufig nicht so weiter laufen kann wie zuvor, wird beiden Parteien des Arbeitsvertrags etwas - aber nichts Unzumutbares - abverlangt. Die Berufsgenossenschaft steuert mit Beratungsleistung und ggf. mit finanziellen Hilfen das ihrige bei, so dass die möglichst baldige Rückkehr in das Arbeitsleben, eine eventuell notwendige Umgestaltung des Arbeitsplatzes und anderes mehr reibungslos funktionieren. Zur Beantwortung häufig gestellter Fragen im Grenzbereich von Arbeitsunfähigkeit und Arbeitsfähigkeit sei Ihnen der Artikel in der Rubrik "Recht" empfohlen. Da auch die in der Praxis nicht immer hinreichend bekannten Details im Zusammenhang mit der Meldepflicht von Arbeitsunfällen erläutert werden, konzentriert sich der Beitrag auf Fälle kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem so genannten Schonarbeitsplatz, weil auch dieser Begriff häufig missverstanden wird und infolgedessen die Anzeige eines Arbeitsunfalls fälschlicherweise unterbleibt.



Ihr
Willi Lange






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