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[Die Industrie der Steine + Erden]






Kiesgruben bieten Schutz für Uferschwalben

Für Hermann Reifenscheid, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Kies- und Sandindustrie e.V. (BKS), ist das Projekt „Uferschwalbe“ im fränkischen Hörblach eine „beispielhafte Kooperation zwischen Industrie, Naturschützern und Landschaftsämtern“. Regelmäßig werden im Rahmen dieses engagierten, mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Naturschutzprojektes Anfang April in den Sand- und Kiesgruben der Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid GmbH & Co. KG, Kitzingen, frische Steilwände für die bedrohte Vogelart angelegt.
Jedes Jahr im Frühling kommen die Vögel aus Afrika zurück, um ihre Bruthöhlen 60 bis 80 cm tief in die sandig-kiesigen Steilhänge zu graben und zu brüten. Da Uferschwalben allerdings alte Bruthöhlen nicht mehr annehmen, sind sie immer auf frische Sandabbrüche angewiesen. Diese sind an Bach- und Flussläufen jedoch kaum mehr zu finden. Letzte Zufluchtsstätte bilden daher die Kiesgruben. Die Kolonie ist nicht selten bis zu 500 Vögel groß.
Sind die Uferschwalben eingezogen, wird das Gebiet abgegrenzt und bis zum Auszug Mitte September zur „störungsfreien Zone“ erklärt. Ergänzt wird das Projekt durch einen Lehrpfad mit Informationen über wieder angesiedelte Tiere und Pflanzen sowie durch Aufklärungsarbeit in Kindergärten, Schulen und Bevölkerung.
Das Projekt „Uferschwalbe“ will die Kies- und Sandindustrie allerdings nicht als Ausnahme verstanden wissen. Zahlreiche außergewöhnliche, vom Naturschutz anerkannte Rekultivierungsmaßnahmen haben bundesweit die Verantwortung für den Umwelt- und Landschaftsschutz unter Beweis gestellt. „Die Unternehmen leisten einen erheblichen Aufwand, um nach dem Kiesabbau die Natur wieder wachsen zu lassen“, so der BKS-Vorsitzende Michael Schulz auf einer vom Verband organisierten Podiumsdiskussion mit dem provozierendem Thema „Stoppt den Kiesabbau! – Sind Kiesabbau und Umweltschutz wirklich unvereinbar?“
Den Anlass zur Diskussion lieferten die Sorgen der Kies- und Sandindustrie: Zwar produziert die Branche mit jährlich 400 Millionen Tonnen einen Großteil der von der Bauwirtschaft benötigten mineralischen Rohstoffe, zwar wird Kies und Sand beim Ausbau der Infrastruktur gesellschaftlich akzeptiert. Aber bei neuen Abbaugenehmigungen gibt es immer wieder zeitaufwändige Auseinandersetzungen.
Um diese Probleme bei der Planung von Abbaugenehmigungen zu reduzieren beziehungsweise von vornherein auszuschalten, komme der Kooperation mit allen Partnern besondere Bedeutung zu. Deshalb – so appellierten die Naturschutz- und BUND-Vertreter in der Veranstaltung – solle die Kies- und Sandindustrie von sich aus frühzeitig die konstruktive Zusammenarbeit mit Behörden und Verbänden suchen. Von Seiten des Naturschutzes sei man nicht grundsätzlich gegen Kiesabbau, die Rohstoffgewinnung müsse allerdings realitätsnah gesehen werden. Jede Seite solle Akzeptanz für das jeweilig andere Anliegen zeigen, um zum gemeinsamen Ziel zu kommen: die Rohstoffgewinnung dauerhaft zu sichern und gleichzeitig den Belangen des Naturschutzes zu entsprechen.
Auch die Podiumsdiskussion konnte keine Patentlösung bieten. Als Fazit wurde jedoch festgehalten: „Voraussetzung für einen wirtschaftlichen und verantwortungsbewussten Rohstoffabbau ist ein Gesetzesrahmen, der immer auch die Einzelfalllösung offen hält. Wenn die Abbaugenehmigung vorliegt, muss eine sensibel umgesetzte Nachfolgenutzung gewährleistet sein.“

Lenz-Ziegler-Reifenscheidt im Internet


Die Kitzinger Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid liefert ein Beispiel für eine gelungene, allerseits anerkannte Rekultivierungsmaßnahme: das Naturschutzprojekt „Uferschwalbe“
Die Kitzinger Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid
liefert ein Beispiel für eine gelungene, allerseits
anerkannte Rekultivierungsmaßnahme:
das Naturschutzprojekt „Uferschwalbe“






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