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SCC-Lehrgänge für "Operativ tätige Führungskräfte"

SCC - diese drei Buchstaben beschäftigen seit geraumer Zeit insbesondere viele kleine und mittelständische Unternehmen, die Dienstleistungen für die Erdöl und Erdgas-Industrie erbringen. Was ist SCC, für welche Unternehmen ist SCC wichtig und in welcher Form ist die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft in das SCC-Verfahren eingebunden?
Fragen, auf die dieser Beitrag die entsprechenden Antworten geben will.

SCC-Lehrgänge In vielen Betrieben der deutschen Industrie werden in steigendem Maß "Kontraktoren für technische Dienstleistungen" eingesetzt. Diese Kontraktoren sind Unternehmer, die aufgrund eines Dienst- oder Werkvertrages für ihren Auftraggeber Leistungen erbringen. Hierbei übersteigt die Anzahl des eingesetzten Fremdpersonals in vielen Fällen das eigene Personal des Auftraggebers. Ohne Zweifel wirken die Fremdfirmenmitarbeiter durch ihr Verhalten wesentlich auf den Sicherheits-, Gesundheitsschutz- und Umweltschutzstandard der Auftraggeber ein. Um den in der Mineralöl-Industrie bereits erreichten sehr hohen Sicherheits-, Gesundheitsschutz- und Umweltschutzstandard nicht zu gefährden, wurde vor circa zehn Jahren von diesem Industriezweig das Zertifizierungssystem "Sicherheits Certifikat Contraktoren" (SCC) entwickelt. SCC hat die Aufgabe, einheitliche Kriterien bei der Auswahl von Fremdfirmen zu schaffen. Bei SCC handelt es sich um ein eigenständiges Zertifizierungssystem. Auf eine Übernahme der Normenreihe nach ISO 9001 ff wurde bewusst verzichtet, da diese keine spezifischen Kriterien zur Überprüfung der Mindeststandards von Managementsystemen für Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umweltschutz enthält. In der Zwischenzeit haben sich auch eine große Anzahl der Unternehmen der Erdöl und Erdgas-Gewinnungsindustrie dazu entschlossen, das SCC-Verfahren anzuwenden. Das bedeutet für ein Unternehmen, welches Dienstleistungen für diese Industrie erbringen will, dass es sich einer Zertifizierung nach SCC unterziehen muss - andernfalls wird es bei der Auftragsvergabe nicht berücksichtigt. Den Kern des Zertifizierungssystems bildet eine Audit-Checkliste. Diese besteht aus zehn Elementen, die in 54 Fragen untergliedert sind. Dabei gibt es eine Reihe Pflichtfragen, die zur Erlangung des Zertifikates zwingend bearbeitet werden müssen. Auch muss die Unfallhäufigkeit (Anzahl der Unfälle pro eine Million Arbeitsstunden) im Unternehmen kleiner als 50 sein. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass bei der Berechnung der Unfallhäufigkeit Unfälle bereits ab einem Ausfalltag zu Grunde gelegt werden. Nach drei Jahren muss die Unfallhäufigkeit auf mindestens 40 gesunken sein. Die Abarbeitung der Checkliste und die Überprüfung der Kriterien dürfen nur von sogenannten akkreditierten Zertifizierern vorgenommen werden. Über 20 Unternehmen bieten hier ihre Dienstleistungen an. Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft führt solche Zertifizierungen nicht durch und ist derzeitig auch nicht in der SCC-Beratung tätig. Gleichwohl bietet die StBG ihren Mitgliedsunternehmen Hilfe bei der Bearbeitung eines wichtigen SCC-Bausteines an: Die Ausbildung und Prüfung der "Operativ tätigen Führungskräfte". Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung sind die Berufsgenossenschaften dazu ermächtigt, solche Prüfungen abzunehmen. Dabei war es der StBG von vornherein wichtig, die Abnahme der Prüfung mit einem vorgeschalteten zweitägigen Informationsseminar zu verknüpfen, besteht doch hier die Chance, mit den Führungskräften in einen Dialog einzutreten. In zwölf Lehreinheiten werden Arbeits- und Gesundheitsschutzthemen praxisnah behandelt. Bei den Teilnehmern findet die komprimierte und umfassende Wissensvermittlung, die als effektiver Crashkurs empfunden wird, besonderen Anklang. Aufgrund des umfangreichen Lehrstoffes ist zur Vorbereitung auf die Prüfung eine gute Lehrgangsvorbereitung unerlässlich. Hierzu ist ein entsprechender Themenkatalog vor Lehrgangsbeginn durchzuarbeiten.

Das Kernelement der Informationsseminare ist die SCC-Prüfung. Grundlage dafür ist ein aus über 300 Multiple-Choice-Fragen bestehender Fragenkatalog. Aus diesem werden nach einem vorgegebenen Schlüssel 25 Fragen ausgewählt. Für eine erfolgreiche Absolvierung des Lehrganges müssen mindestens 18 Fragen richtig beantwortet sein. Nach Auswertung der Prüfungsbögen durch eine Prüfungsleitung erhalten die erfolgreichen Teilnehmer ein Prüfungszertifikat, das zehn Jahre im SCC-Einflussbereich gültig ist. Wird die Prüfung nicht bestanden, kann sie jederzeit wiederholt werden.

Die StBG hat bisher 13 SCC-Seminare durchgeführt. Dabei haben sich 261 Teilnehmer erfolgreich einer SCC-Prüfung unterzogen. Für Mitgliedsunternehmen bietet die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft die Durchführung der Informationsseminare und Abnahme der Prüfung kostenfrei an.

Anfragen richten Sie bitte an die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Hauptverwaltung, Dipl.-Ing. Wolfgang Pichl, Tel. 05 11/72 57-7 05.





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