www.steine-und-erden.net > 2000 > Ausgabe 3/00 > Störungen an Prallmühlen

[Die Industrie der Steine + Erden]






Störungen an Prallmühlen
Rotor sichern!

In den beiden letzten Jahren haben sich folgenschwere Unfälle ereignet, als Beschäftigte beim Ausräumen verstopfter Brecher in den Brecherspalt zwischen Rotor und Prallplatten gerieten. Die Unfälle ereigneten sich an mobilen Brechanlagen bei der Zerkleinerung von Bauschutt, nachdem die Prallmühle infolge übermäßiger Materialaufgabe verstopft und der Rotor zum Stillstand gekommen war. Ein solcher Unfall ist Grundlage dieses Berichtes.Im Rahmen eines umfangreicheren Abbruchprojektes wurde mit einer mobilen Brechanlage Bauschutt gebrochen. Das Material wurde von einem Beschäftigten mit einem Bagger aufgegeben. Ein anderer transportierte das gebrochene Material ab. Während des Betriebes kam es zu einem Stillstand des Brechbetriebes, weil sich Material im Brecherspalt verklemmte. Der Baggerfahrer schaltete den Antrieb ab.

Mobile Brechanlage an der Unfallstelle   Mobile Brechanlage an der Unfallstelle

Beide Mitarbeiter führten die Beseitigung der Störung durch. Ein Arbeiter zog zunächst Material von der Vibrationsrinne, die der Prallmühle nachgeschaltet ist, und legte so die Austragsöffnung frei.Der andere öffnete das Gehäuse der Prallmühle mit der dafür vorgesehenen Hydraulikanlage, stieg dann in den Brechraum und räumte Material nach außen. Der Mann hatte den Steckbolzen, mit dem der Rotor beim Wechsel der Schlagleisten arretiert werden muss, nicht einstecken können; die dazu vorgesehenen Bohrungen waren nicht ausreichend deckungsgleich.
Als der Beschäftigte beim Freiräumen auf dem Rotor stand und einen Betonbrocken aus dem Brechspalt aufnahm, wurde die Blockierung des Rotors aufgehoben. Durch die Belastung kam dieser ins Drehen. Der Beschäftigte wurde in den Brechspalt gezogen und erlitt tödliche Verletzungen. Der andere Arbeiter, der neben dem Prallmühlengehäuse stand und beim Ausräumen der Prallmühle half, leitete sofort Rettungsmaßnahmen ein.


Geöffnete Prallmühle   Geöffnete Prallmühle


Nachträglich mit Steckbolzen gesicherter Rotor   Nachträglich mit Steckbolzen gesicherter Rotor

 



Arbeitsumfeld mobiler Brechanlagen

Es sind verschiedene konstruktive Zusammenhänge bei der Untersuchung dieses Unfalls zu bedenken:
Der Rotor ist im Stillstand nicht gebremst, auch nicht durch den Antriebsmotor und die Keilriemen, die als Kraftübertragungselemente dienen. Vielen Beschäftigten ist nicht bewusst, dass schon geringe Kräfte ausreichen, um den stillstehenden, tonnenschweren Rotor in Bewegung zu setzen. Der Rotor ist optimal ausgewuchtet. Eben diese Verhältnisse erschweren das Abbremsen bis zum Stillstand und führen zu dem bekannten, minutenlangen Nachlauf. Bremseinrichtungen, die den Nachlauf reduzieren und den Rotor dann in jeder Stillstandsposition halten, sind an diesen Maschinen noch nicht Stand der Technik. Dies bedeutet, dass Beschäftigte in eigener Initiative die Hinweise in der Bedienungsanleitung des Herstellers in Sicherheitsmaßnahmen umsetzen müssen, bevor Funktionsstörungen an Prallbrechern beseitigt oder Instandhaltungen ausgeführt werden. Manche Hersteller raten in diesen Fällen, den Rotor mit einem stabilen Kantholz gegen Drehen zu sichern, wenn die mitgelieferten Steckbolzen wie in dem vorliegenden Fall nicht eingelegt werden können. Für den Wechsel der Schlagleisten sind als Sicherheitsmaßnahme Bohrungen am Rotor vorgesehen, die das Festsetzen des Rotors mit einem Steckbolzen in bestimmten Positionen erlauben. Es ist die Pflicht der Vorgesetzten, für die Umsetzung dieser Maßnahmen durch Aufsicht und Unterweisung zu sorgen.An mobilen Brechanlagen fehlen in der Regel die Voraussetzungen, um derartige Störungen wie in stationären Anlagen mit Hilfe von Kranen und Hilfsmitteln zu beseitigen, unabhägig davon, ob eine Prallmühle oder Backenbrecher eingesetzt werden.Die Häufigkeit derartiger Störungen - und damit das Gefährdungspotenzial - ist aber aufgrund des zur Zerkleinerung anstehenden Materials eher größer! Daher ist die Vorsortierung des Materials in der Regel unverzichtbar. Die Beschickung der Brecher mit brechergerechtem Material ist wesentliche Voraussetzung einer bestimmungsgemäßen und sicherheitsgerechten Betriebsweise dieser Anlagen. Es ist die Pflicht der Vorgesetzten, für deren Umsetzung durch Aufsicht und Unterweisung zu sorgen.

Hinweise zur Arbeitssicherheit

  • Die Beschäftigten hatten es versäumt, den Rotor gegen Drehen zu sichern.
  • Dem Verunglückten war offenbar in der konkreten Situation nicht bewusst, dass er schon mit geringer Kraft den Rotor in Bewegung versetzen würde, wenn der Brechspalt freigelegt ist.




Inhaltsverzeichnis Ausgabe 3/00 | Zurück zu unserer Homepage