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[Die Industrie der Steine + Erden]






Becherwerke gefahrlos warten

Kontakt: Anneliese Zementwerke AG, Finkenweg 26,59320 Ennigerloh
H. Jetschin, Tel. 0 25 24/2 90




Problem

Die mechanische Senkrechtförderung von Schüttgütern erfolgt in nahezu allen Industriebereichen mittels Becherwerken. Der wesentliche Vorteil dieser Fördertechnik liegt darin, dass die zu fördernden Materialien relativ schnell bei geringstem Platzbedarf auf große Höhen transportiert werden können. Mit leistungsfähigen Becherwerken können heute Höhen von über 120 m bei Förderleistungen von mehr als 1.500 m3/h erreicht werden. Becherwerke übernehmen häufig Schlüsselpositionen in der innerbetrieblichen Schüttgutförderung. Daraus ergibt sich, dass der Ausführung von Instandhaltungsarbeiten an Becherwerken hinsichtlich Qualität und Dauer eine erhebliche Bedeutung zugemessen wird. Ein Großteil dieser Arbeiten muss direkt am Zugträger oder aber im Becherwerksfuß durchgeführt werden. Da sich dabei das Instandhaltungspersonal zum Teil mit dem gesamten Oberkörper in das Becherwerk hineinbeugen muss, sind diese Personen folgenden Gefahrenquellen ausgesetzt:

  • Herunterfallen von Materialanbackungen im Becherwerkschlot,
  • Unbeabsichtigtes Wiederanlaufen des bestehenden Becherwerkes aufgrund von Unwuchten,
  • Absturz des Zugträgers (Gurt- bzw. Kettenriss).

Die heutzutage installierten Sicherheitseinrichtungen werden diesen Gefahrenquellen nur bedingt gerecht.



Praxislösung

Von der Anneliese Zementwerke AG wurde gemeinsam mit der Bernhard Beumer Maschinenfabrik KG eine Sicherheitseinrichtung entwickelt, mit deren Hilfe Instandhaltungsarbeiten an Becherwerken nunmehr sicher und zeitsparend ausgeführt werden können. Das dazu entwickelte technische Sicherheitskonzept basiert im Wesentlichen auf zwei grundlegenden technischen Lösungen:1. Absperrvorrichtung im Becherwerkschlot und2. Integration einer Haltbremse im Antriebsstrang des Becherwerkes.Die Absperrvorrichtung im Becherwerkstrang basiert auf dem seit vielen Jahren bekannten Prinzip der Nadelverschlussschieber. In der Zementindustrie werden diese z. B. im Bereich der Abzugsöffnungen unter Klinkersilos eingebaut. Im vorhandenen Fall wird der Nadelverschlussschieber oberhalb der Wartungsklappe im Becherwerkschlot des aufgehenden Drums eingebaut. Die Verschlussnadeln werden nun einzeln eingeschoben. Durch Weglassen von Nadeln kann man sich leicht an die entsprechende Kontur anpassen und den Zugträger dennoch vollständig umschließen. Damit ist das unterhalb dieses Absperrorgans arbeitende Wartungspersonal vor herabfallendem Material geschützt. Ein unkontrolliertes Anfahren des Becherwerkes in dieser Position wird durch ein in die Anlagensteuerung integriertes Sicherheitssystem verhindert. Darüber hinaus wurde in die Antriebseinheit ein Bremssystem integriert. Damit können unkontrollierte Bewegungen des Becherwerkstranges z. B. aufgrund von Unwuchten vermieden werden; außerdem ermöglicht das Bremssystem ein punktgenaues Positionieren des Becherwerkes, was speziell bei der Wartung des Gurtes und der Becher im Bereich der Wartungsklappe notwendig ist.

Einschieben der Nadeln in den Brecherwerkstrang   Einschieben der Nadeln in den Brecherwerkstrang
Blick in den gesicherten Brecherwerkstrang   Blick in den gesicherten Brecherwerkstrang


Erfahrung

Die sich zunächst aus einer Analyse des unbefriedigten Ist-Zustandes ergebenden Forderungen wurden an einem Becherwerk der Anneliese Zementwerke AG in die Praxis umgesetzt. Die in der Zwischenzeit gesammelten Betriebserfahrungen sind durchweg positiv. Mit dem hier entwickelten System ist es gelungen, sicherheitstechnische Belange mit einer Steigerung der Wartungsqualität bei gleichzeitiger Zeiteinsparung zu verknüpfen. Bei der Realisierung des Gesamtkonzeptes wurde besonderer Wert auf die leichte Handhabbarkeit und vollständige Integration in die Steuerung der Gesamtanlage gelegt. Betreiber und Hersteller legen großen Wert auf die Feststellung, dass diese zusätzliche Sicherungsmaßnahme insbesondere bei dem Wartungspersonal auf eine außerordentlich hohe Akzeptanz gestoßen ist.





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