www.steine-und-erden.net > 2000 > Ausgabe 3/00 > 3 + 3 = Rekordbilanz in punkto Sicherheit

[Die Industrie der Steine + Erden]






3 + 3 = Rekordbilanz in punkto Sicherheit

Drei Werke arbeiten bei Dyckerhoff drei Jahre unfallfrei

Das Dyckerhoff Zementwerk in Geseke(Foto: Dyckerhoff) In einem 30 Meter tiefen Krater leisten Menschen Präzisions- und Maschinen Schwerstarbeit, um 20 Millionen Jahre alten Kalkmergel abzubauen: Baggerschaufeln arbeiten sich in den Untergrund vor und laden dann den ursprünglichen Meeresboden auf Radlader. Tag für Tag befördern Schwerlastwagen und Förderbänder den Mergel aus dem Steinbruch von Dyckerhoff in Kastel weiter zum Zementwerk in Amöneburg. Kaum noch etwas erinnert an die Arbeitsumstände bei der Gründung des Werkes 1864: High-Tech bestimmt den Betriebsalltag. Statt der ehemals 300 Arbeiter, die mit Meißeln dem Steinbruch den Kalk abtrotzten und ihn dann per Pferd zum Werk brachten, baut heute ein Team von 20 Mitarbeitern mit Spezialgeräten eine vielfache Menge ab. Die Unternehmensgruppe Dyckerhoff setzt heute weltweit rund 4,3 Milliarden DM mit circa 11.200 Mitarbeitern um; rund 30 Prozent der Belegschaft sind im Geschäftsbereich Deutschland beschäftigt. Das sind bei der Dyckerhoff Zement GmbH in den Werken Amöneburg, Göllheim, Neuwied, Neuss, Lengerich, Neubeckum, Geseke und der Hauptverwaltung rund 1.710 Mitarbeiter. Hinzu kommen noch circa 400 Mitarbeiter der Tochtergesellschaft Deuna Zement GmbH, 150 Beschäftigte der Tubag Trass-, Zement- und Steinwerke GmbH sowie 870 Mitarbeiter bei weiteren Tochter- und Beteiligungsgesellschaften - alle versichert bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft.Trotz der umwälzenden Veränderungen seit den Gründertagen ist eines geblieben: der hohe Stellenwert, den die Dyckerhoff Zement GmbH der sozialen Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern zumisst - Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz haben hier eine lange Tradition: Seit dem Gründungsjahr 1864 gibt es bereits eine Arbeiter- und Sozialkasse, den Vorläufer der heutigen Betriebskrankenkasse. Der Krankenstand der rund 10.000 Versicherten liegt mit 4,8 Prozent deutlich unter dem Branchendurchschnitt von sechs Prozent. BKK-Dyckerhoff-Vorstand Heinz Mager führt das darauf zurück, dass die Gesundheitsförderung als gesamtbetriebliche Aufgabe praktiziert wird:"Wir haben das Gesundheitsprogramm "Gesund und fit" mit dem Ziel ins Leben gerufen, Arbeitsbelastungen und Fehlzeiten zu reduzieren und die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhöhen. Unternehmensleitung, Betriebsrat, Personalabteilung, Betriebsarzt und Sicherheitsfachkräfte koordinieren im Arbeitsschutzausschuss die Planung." Grundlage ist der BKK-Gesundheitsbericht. Zeigt sich z. B., dass in einer Abteilung überdurchschnittlich viele Arbeitsunfähigkeitstage auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurückzuführen sind, bietet sich ein sogenanntes Arbeitsplatzprogramm an. Die Mitarbeiter der betreffenden Abteilung werden durch Fachpersonal über rückengerechtes Verhalten, Umgang mit Belastungen, Ergonomie und Ausgleichsgymnastik beraten. Liegen die Ursachen für die erhöhte Arbeitsunfähigkeitsrate nicht gleich auf der Hand, erarbeiten vier bis fünf Mitarbeiter mit dem Betriebsleiter, dem Meister, dem Betriebsrat und dem Betriebsarzt Lösungsvorschläge für eine gesundheitsfördernde Arbeitsplatzgestaltung. Solche Zirkel haben bereits an mehreren Standorten erfolgreich gearbeitet und durch Verbesserungsvorschläge wie z. B. Tragehände für Bleche oder Hebehilfen geholfen, die Arbeitsbelastungen zu reduzieren. Außerdem bietet die BKK im Programm "Gesund und fit" Maßnahmen wie Blutdruck- und Cholesterinscreenings, Hautvorsorge-Untersuchungen, Rückenschule oder Ernährungsberatung an, die die Mitarbeiter sehr gern annehmen.

Beitrag zum Förderpreis 1997:
Integrierter Arbeits- und Gesundheitsschutz




Mitarbeitermotivation ist das Schlüsselprinzip

Besonders stolz ist man bei Dyckerhoff auf die Erfolge bei der Arbeitssicherheit. Die Unfallhäufigkeitsrate betrug 1999 mit 1,5 meldepflichtigen Unfällen pro einer Million geleisteter Arbeitsstunden nur 11,7 Prozent des Durchschnittswertes für die gesamte Zementindustrie. "Eine erfolgreiche Sicherheitsarbeit hängt besonders vom Einsatz der betrieblichen Führungskräfte ab, die sich ihrer Verantwortung gegenüber jedem einzelnen Mitarbeiter bewusst sind und speziell für diese Aufgabe ausgebildet werden. In jedem unserer Werke gibt es eine ausgebildete Fachkraft für Arbeitssicherheit, die mit dem Technischen Aufsichtsbeamten der StBG eng zusammenarbeitet und das Werk in allen Sicherheitsfragen vertritt," erläutert Günter Schrell, Werksdirektor in Amöneburg. Neben der grundsätzlichen Berücksichtigung der Arbeitssicherheit bereits in der Arbeitsplanung gibt es bei Dyckerhoff verschiedenste Methoden, um sicheres Arbeiten im Bewusstsein der Beschäftigten zu verankern und sie dafür zu motivieren. So ist das betriebliche Vorschlagswesen mit Ideen zur Arbeitssicherheit verknüpft; für die Sicherheitsbeauftragten gibt es zusätzliche Gesprächsrunden, in denen sie ihre Vorschläge einbringen. Geeignete Ideen werden zur Teilnahme am Förderpreis der StBG ausgearbeitet. Die Mitarbeiter finden sich und ihre Vorschläge und Aktionen zur Arbeitssicherheit sowie zum Gesundheitsschutz außerdem in Jahreskalendern wieder. Es gibt spezielle Broschüren, die sich mit Fragen der Arbeitssicherheit wie z. B. "Arbeiten im Wärmetauscherturm" beschäftigen und werksübergreifend genutzt werden. "Dass die Mitarbeiter die Broschüren wirklich in der Praxis in die Hand nehmen und damit arbeiten, sehen wir daran, dass sie schnell vergriffen sind," berichtet Peter Rödel, Werksleiter in Geseke. Bei Betriebsbegehungen sondieren die Sicherheitsfachkraft, Sicherheitsbeauftragte, der Betriebsrat und die Werksleitung, welches vorbildliche Sicherheitsverhalten besonders belohnt werden soll. Zusätzlich werden Gruppen gebildet, die für sicherheitsgerechtes Arbeiten Geldprämien erhalten. Schwierige, technisch ungelöste Sicherheitsfragen sind bei Dyckerhoff keine Tabuthemen, sondern werden offen diskutiert und angegangen. Auf diese Weise konnten die Mitarbeiter bereits Lösungen für verschiedene technische Probleme erarbeiten; darunter sind Maschinen zur Ansatzbeseitigung in Zyklonen, Arbeitsbühnen zur Begehung von Rohrmühlen und Montagehilfen für riskante Einsatzfälle. Die Ergebnisse der sicherheitstechnischen Bemühungen bei Dyckerhoff sind mehr als beeindruckend:

  • Die Werke Amöneburg, Göllheim, Neuss und Geseke sowie die Deuna Zement GmbH haben 1999 den 1. Platz im Arbeitssicherheitswettbewerb des Verbandes Deutscher Zementwerke (VDZ) mit jeweils null Unfällen belegt. Das Werk in Lengerich erreichte den zweiten Platz.
  • Die Werke Amöneburg und Geseke haben jeweils drei Jahre in Folge unfallfrei gearbeitet.
  • Die Ausbildungswerkstatt in Amöneburg blieb seit Juli 1981 in mehr als einer Million Stunden unfallfrei.
  • Das Mahlwerk Neuss läuft seit fünf Jahren in Folge unfallfrei .

Damit liegt Dyckerhoff in Sachen Arbeitssicherheit eindeutig an der Spitze unter den 50 Zementwerken in Deutschland.

Heidrun Becker, StBG



Die Sicherheits-Zeittafel im Zementwerk Amöneburg zählt die unfallfreien Stunden: Seit drei Jahren gab es keinen meldepflichtigen Unfall bei rund 300 Beschäftigten. Der Betriebsratsvorsitzende Norbert Berdolt (von links), Werksdirektor Günter Schrell und der Vorstand der Betriebskrankenkasse, Heinz Mager, führen diesen Erfolg auf umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen und die besondere Motivation der Mitarbeiter zurück. (Foto: Windorf)
Die Sicherheits-Zeittafel im Zementwerk Amöneburg
zählt die unfallfreien Stunden: Seit drei Jahren
gab es keinen meldepflichtigen Unfall bei rund 300
Beschäftigten. Der Betriebsratsvorsitzende Norbert Berdolt
(von links), Werksdirektor Günter Schrell und der Vorstand
der Betriebskrankenkasse, Heinz Mager, führen diesen Erfolg auf
umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen und die besondere Motivation
der Mitarbeiter zurück. (Foto: Windorf)




Auch die "Azubis" im Dyckerhoff-Werk  Amöneburg haben ihren Anteil am "Sicherheitsrekord": Sie haben seit 1981 in über einer Million Stunden unfallfrei gearbeitet. (Foto: Dyckerhoff)
Auch die "Azubis" im Dyckerhoff-Werk Amöneburg
haben ihren Anteil am "Sicherheitsrekord": Sie haben
seit 1981 in über einer Million Stunden unfallfrei gearbeitet.
(Foto: Dyckerhoff)






Inhaltsverzeichnis Ausgabe 3/00 | Zurück zu unserer Homepage