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Mitfahrt in Radladerschaufel endet tödlich

Dipl.-Ing. W. Reinl

In einem Kiesgewinnungsbetrieb waren am Morgen sieben Beschäftigte eingeteilt, in der Kiesaufbereitung den Aufgabebunker von übergelaufenem Kiesmaterial freizuschaufeln, weil dort in den nächsten Tagen ein neues Abzugsförderband installiert werden sollte. Der Fahrzeugführer eines Radladers (Abb. 1) sollte das freigeschaufelte Material abtransportieren.

Abb. 1: Unfallfahrzeug

Nachdem der Fahrzeugführer eine am Radlader befestigte Transportgabel entfernt und dort die Laderschaufel montierte hatte, fuhr er zur Schlosserei, um den dort wartenden Kollegen den Einsatzbescheid zu geben. Als der Laderfahrer die Schlosserei verließ und den Lader besteigen wollte, standen nach seinen Aussagen dort bereits zwei Kollegen in der Laderschaufel und gaben ihm zu verstehen, daß sie zum ca. 200 m entfernten Förderbunker mitfahren wollten. Obwohl ihm bekannt war, daß er in der Laderschaufel keine Personen mitnehmen darf, wollte er nicht ungefällig sein und ließ seine Kollegen mitfahren.Am Ende der Fahrstrecke verläuft der Weg zum Aufgabebunker ca. 20 m lang abwärts. Für die Abfahrt wurde die ca. 4 m breite Trasse des alten Abzugförderbandes (welches 2 Tage vorher demontiert worden war) benutzt (Abb. 2).

Abb. 2: Gefällestrecke vor dem Aufgabebunker

Während der Fahrt standen die beiden mitfahrenden Kollegen in der rechten bzw. linken Schaufelhälfte mit dem Rücken zur Laderschaufelrückwand und hielten sich am Schaufelschildrand mit der Hand fest. Beide hatten außerdem jeweils eine Schaufel in der Hand (Abb. 3).

Abb. 3: Radladerschaufel in der zwei Kollegen mitfahren

Nach Aussage des Laderfahrers befuhr er die Gefällestrecke relativ langsam, d.h. im Schrittempo, wobei er die Laderschaufel ca. 20 cm über dem Boden führte. Etwa 1 m vor der Aufgabebunkeröffnung mit einer Sturzhöhe von 1,40 m (Abb. 4) wollte der Laderfahrer auf die Bremse treten und das Fahrzeug anschließend mit der Handbremse sichern.

Abb. 4: Aufgabebunker mit Anfahrspuren (s. Pfeile)

Nach eigener Aussage rutschte er dabei vom Bremspedal ab und kam mit dem rechten Schuhrand auf das ca. 8 cm rechts neben dem Bremspedal angeordnete Gaspedal (Abb. 5).

Abb. 5: Pedalanordnung im CAT-Radlader

Durch die plötzliche Gaspedalbetätigung machte der Lader einen Satz nach vorne, bis das Gestänge der Schaufelparallelführung am Bunkersturz anschlug. Bei diesem Vorgang wurde der Verletzte etwa in Hüfthöhe zwischen Laderschaufelrückwand und dem Bunkersturz eingeklemmt, wobei der Oberkörper nach hinten über die Schaufelrückwand gedrückt wurde.Der zweite Mitfahrer hatte irgendwie bemerkt, daß der Lader außer Kontrolle geriet, warf sich instinktiv nach vorn ins Innere des Bunkers, so daß er außer einer kleinen Rißwunde an der rechten Hand ohne Verletzungen davonkam. Schließlich gelang es dem Laderfahrer, das Fahrzeug zum Stillstand zu bringen und die Schaufel abzusetzen. Der Kollege des Verletzten half diesem nach Rücksetzen des Radladers freizukommen und legte ihn in die Laderschaufel. Anschließend wurde der Schwerverletzte mit dem Lader in Rückwärtsfahrt nach oben zu den Mischboxen gefahren und der Notarzt alarmiert. Es konnte jedoch nur noch der Tod festgestellt werden.

Unfallursachen:
Der Radlader war im Oktober 1998 neu angeschafft worden. Der Fahrzeugführer wurde auf diesem Lader bei der Übergabe mehrere Stunden lang eingewiesen. Er wußte auch aus früheren Unterweisungen und Fahrerbesprechungen, daß er in der Schaufel keine Personen mitnehmen darf. Dies ergibt sich auch eindeutig aus der Unfallverhütungsvorschrift "Bagger, Lader, Planiergeräte, Schürfgeräte und Spezialmaschinen des Erdbaues (Erdbaumaschinen) ", VBG 40; in 32 Abs. 3 steht: "Mit Arbeitseinrichtungen von Erdbaumaschinen dürfen Personen nicht befördert werden".Der Laderfahrer führte zu seiner Entlastung an, daß möglicherweise die für ihn ungewohnte Pedalanordnung das Abrutschen vom Bremspedal begünstigt habe (Abb. 5). Bei dem von ihm meistens gefahrenen Lader befinden sich Brems- und Gaspedal rechts von der Lenksäule auf gleicher Höhe nebeneinander, während beim neuen Lader beide Pedale in der Mitte unter der Lenksäulenverkleidung liegen. Das wesentlich kleinere Gaspedal liegt etwas versetzt. Nach Auskunft des begutachtenden DEKRA-Mitarbeiters ist diese Pedalanordnung bei Wandlergetrieben jedoch durchaus üblich.

Schlußfolgerung:
In Laderschaufeln dürfen Personen nicht befördert werden. Diese Forderung der VBG 40 ist allen Fahrzeugführern deutlich zu machen und bei den Unterweisungen ständig zu wiederholen. Die Betriebsleitung hat die Einhaltung dieses Verbotes zu kontrollieren.Im Übrigen haben im vorliegenden Fall offensichtlich Unsicherheiten, bedingt durch das Fahren verschiedener Fahrzeuge und damit verbundene unterschiedliche Brems- und Gaspedalanordnungen zum Fehlverhalten des Fahrers beigetragen. Es sollte daher darauf geachtet werden, daß ein zu häufiger Wechsel der Fahrzeugtypen zu Fehlbedienungen führen kann.

Anschrift des Verfassers:Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Theodor-Heuss-Str. 160, D-30853 Langenhagen





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