Termine

Nachschau: 60. BetonTage in Neu-Ulm

60 Jahre und jung wie nie

60 Jahre BetonTage – das sind 60 Jahre Branchentreff, mehr als ein halbes Jahrhundert Innovationen rund um den Werkstoff Beton. Und auch die diesjährigen BetonTage, die vom 23. Bis 25. Februar in Neu-Ulm stattfanden, bewiesen wieder, dass Beton ein Werkstoff mit Zukunft ist.
Edwin-Scharff-Haus
Das Edwin-Scharff-Haus war auch in diesem Jahr wieder Veranstaltungsort

Das Wetter bot in diesem Jahr von allem etwas, blauer Himmel und Sonne wechselten sich mit Schneeregen ab. Die Teilnehmer ließen sich davon nicht beeindrucken, blieb doch kaum Zeit, sich mit Petrus’ Gunst zu beschäftigen, denn wie immer war der Veranstaltungskalender prall gefüllt. Das diesjährige Motto „Wissensvorsprung seit 60 Jahren“ umschrieb dann auch kurz und knapp das Wesen dieser Veranstaltung, die auf der einen Seite Messe, auf der anderen Seite Kongress ist. Wie in den Jahren zuvor fand der Branchentreff im idyllisch an der Donau gelegenen Edwin-Scharff-Haus statt.

Allerdings blieb die Baustoffindustrie im Jahr 2015 hinter den positiven Erwartungen zurück. Darauf wies Dr. Ulrich Lutz, Geschäftsführer der FBF Betondienst und Veranstalter der BetonTage, in der Eröffnungspressekonferenz hin. Für 2016 zeichnete Lutz eine vorsichtig optimistische Prognose. Besonders im Wohnungsbau ist ein Plus zu erwarten, aber auch im öffentlichen Bau stehen die Zeichen auf Wachstum.

Die aktuellen baupolitischen Herausforderungen gehen einher mit den gesellschaftlichen Herausforderungen. Die gestiegene Zahl von Flüchtlingen, aber auch der innerdeutsche Zuzug in Metropolregionen sorgen für eine erhöhte Nachfrage im Wohnungsbau, auf die öffentliche Auftraggeber reagieren müssen. Auch bei der Sanierung der Verkehrsinfrastruktur wurden erste Maßnahmen seitens der Politik auf den Weg gebracht.

Austausch zwischen Messebesuchern
Fachlicher Austausch prägte die dreitägige Veranstaltung.

Förderverein prämierte die Meisterstücke des Jahres 2015

Den Betonwerksteinpreis für Gestaltung 2015 gab es gleich zweimal: Er geht zu gleichen Teilen an Denis Aust für seinen funktional wie optisch attraktiven Lampenwürfel sowie an Christian Wattenbach für seinen formschönen Lounge-Sessel. Zudem vergab der Förderverein der Bundesfachschule für Betonwerker (FBB) in diesem Jahr auch zwei Belobigungen für die Meisterschüler 2015. Eine ging an Ralf Gust für seinen außergewöhnlichen Yin-Yang-Brunnen und eine weitere an Sebastian Tatzik für seinen praktischen Tischofen.

Eine Sonderauszeichnung für eine besonders innovative Idee erhielt Christian von Einem für seine Murmelbahn aus Beton, die schon bald Deutschlands Gärten und Spielplätze bereichern könnte.

Donaublick
Frische Luft – kurze Pause mit Donaublick.

Beton als Werkstoff für mehr Klimaschutz

Dr. Christoph Müller vom Forschungsinstitut der Zementindustrie stellte Ansätze eines neuen Konzepts vor, mit welchem es ermöglicht werden soll, Anforderungen und Maßnahmen festzulegen, um eine auf einzelne Bauwerke abgestimmte festgelegt Betonqualität zu erreichen. Die verbindliche Festlegung der Betonbauqualitätsklasse erfolgt zwischen Planer und Auftraggeber. Dazu soll die Abstimmung zwischen Planer, Auftraggeber und ausführenden Unternehmen sinnvoll verknüpft werden.

Wie der Werkstoff Beton als Energiespeicher eingesetzt werden kann, erläuterte Eckhard Wagner vom HeidelbergCement Technology Center. HeidelbergCement hat dazu einen Spezialbeton entwickelt, der für den Einsatz im Wärmespeichersystem von Solarenergieanlagen, Condensed Solar Powerplant, geeignet ist. Durch den Einsatz dieser Wärmespeichertechnologie kann der Wirkungsgrad von Solarkraftwerken erhöht werden. Das Material wurde 2015 in einem Referenzobjekt eingesetzt, das als Wärmespeicher in einem Forschungs-Solarkraftwerk der Vereinigten Arabischen Emirate fungiert; eine erste Serie von Belastungszyklen verlief bereits erfolgreich.

Über ein Forschungsvorhaben zur Sensorentechnik, mit deren Hilfe es möglich sein soll, Materialgemische zu sortieren, die zur Herstellung von Recyclingbeton verwendet werden, berichteten Mirko Landmann, Ines Döring und Ulrich Palzer vom Weimarer Institut für angewandte Bauforschung (IAB). Gleichbleibende Qualität bei Recyclingbetonen erfordert bisher eine aufwendige Sortierung der Gemische per Hand. Beim Kunststoff- und Glasrecycling werden bereits sonsorgestützte Verfahren zur Sortierung angewandt. Das IAB realisiert aktuell Untersuchungen vor allem in Nah-Infrarot-Bereich, um diese Sortierverfahren auch für die Baustoffindustrie nutzbar zu machen.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz waren auch das Thema des Beitrags von Dietmar Ulonska (Betonverband Straße, Landschaft, Garten), der sich mit Betonpflasterbauweisen als Maßnahme zur Reduzierung von Umweltwirkungen beschäftigte. Der Betonverband SLG erarbeitet zurzeit ein Papier, in dem Maßnahmen zur Umweltentlastung durch Verkehrsflächenbefestigungen mittels Betonpflaster aufgezeigt werden. Die Möglichkeiten reichen dabei von der Reduzierung von Verkehrslärm über Reduzierung der Flächenversiegelung bis hin zu Betonpflastersteinen mit fotokatalytischer Wirkung. Durch diese wird eine Verringerung von Stickstoffdioxid erreicht. In der Ausstellung präsentierte STEAG Power Minerals dazu passend Photoment, einen fotokatalytischen Zusatzstoff, der 20 Prozent der Betonmenge ersetzt. Nachdem sich die Wirkung bereits in Labortests bestätigte, wurde in Bottrop eine erste Fläche zum Praxistest angelegt.

Wieder mal zur Stelle: die BG RCI

Eine gute Tradition ist auch der Stand der BG RCI im Edwin-Scharff-Haus. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, sich über Maßnahmen zu mehr Arbeitsschutz informieren.

Nach drei Tagen waren sich die meisten Teilenehmer und Besucher einig: Man sieht sich im nächsten Jahr wieder in Neu-Ulm. Die 61. BetonTage finden vom 14. Bis 16. Februar 2017 statt.

Stefan Möller
Redaktion Steine+Erden

Gespräche am Stand der BG RCI
Interessante Gespräche gab es auch am Stand der BG RCI.