Industrienachrichten

Prognose 2015 für die Baumarktentwicklung

Rückenwind durch schwachen Euro?

Das Jahr 2014 war gekennzeichnet durch ein Auf und ein Ab sowohl der deutschen Wirtschaft als auch der Bauwirtschaft. Nachdem der baugewerbliche Umsatz (Quelle: HV der Deutschen Bauindustrie) im 1. Quartal – begünstigt durch ausgezeichnete Witterungsbedingungen – um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt hatte, ist dieser Zuwachs im weiteren Jahresverlauf auf rund 5 Prozent im November (real: + 3,5 Prozent) abgeschmolzen.

Die Auftragseingänge lagen nominal etwa auf Vorjahr (real: -2 Prozent). Die Auftragsbestände im Bauhauptgewerbe sind trotz der milden Witterung nur geringfügig gesunken. Dafür geht die Bauwirtschaft mit einem hohen Auftragspolster in das neue Jahr 2015. Analog zur Bautätigkeit ist der Baustoffabsatz im Rohbau (Zement, Beton, Mineralische Rohstoffe) in 2014 um rund 2 Prozent gestiegen. Dies entsprach in etwa den Prognosen zu Beginn des letzten Jahres. Allerdings war die Entwicklung typischer Frühindikatoren enttäuschend. So war der Nichtwohnbau sogar um 9 Prozent rückläufig.

Die Auftragseingänge im Tiefbau sind im gleichen Zeitraum real um 7 Prozent zurückgegangen (Quelle: Statistisches Bundesamt). Die wirtschaftliche Entwicklung in 2014 war in Deutschland durch große Unsicherheit geprägt. Nach einem sehr guten Start im 1. Quartal 2014 folgten im 2. und im 3. Quartal Stagnation, ehe im 4. Quartal wieder ein Wachstum stand. Insgesamt lag das BIP-Wachstum im letzten Jahr bei 1,5 Prozent. Es waren vor allem außenwirtschaftliche Einflüsse, die für diese Berg- und Talfahrt verantwortlich waren. Insbesondere die Schwäche der Eurozone und die Ukraine-Krise mit der Folge eines Embargos gegen Russland machten der deutschen Wirtschaft zu schaffen. Im Jahresverlauf hat sich das Geschäftsklima (Quelle: ifo) laufend verschlechtert und erreichte im Oktober 2014 den Tiefpunkt. Zur Verunsicherung der Investoren haben jedoch auch die Beschlüsse der Bundesregierung zum Mindestlohn und zum Vorruhestand sowie die im internationalen Vergleich hohen Strompreise beigetragen. Dies hat sich negativ auf die Bautätigkeit ausgewirkt, da schon geplante Bauvorhaben zurückgestellt wurden. Im Tiefbau haben die nicht mehr so üppig sprudelnden Steuereinnahmen und die Schuldenbremse ebenfalls zu einer temporären Zurückhaltung bei der Auftragsvergabe für Baumaßnahmen geführt.

Grafik Auftragsbestand

Schwacher Euro als Motor

Inzwischen hat die deutsche Wirtschaft die vorübergehende Schwächephase überwunden. Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar binnen Jahresfrist um fast 20 Prozent an Wert verloren. Auch gegenüber anderen Währungen hat der Euro Federn gelassen. Dies wurde zuletzt bei der Freigabe des Wechselkurses der Schweizer Nationalbank deutlich, als der Schweizer Franken sprunghaft anstieg. Das am 22.01.2015 beschlossene Wertpapier-Aufkaufprogramm der EZB im Umfang von 1,14 Bio. Euro wird zu einer Geldschwemme führen und den Abwertungsdruck auf den Euro erhöhen. Obwohl der Gesamtnutzen dieses Programms höchst umstritten ist, wird kurzfristig vor allem Deutschland als Export-Weltmeister profitieren. Die Exporte werden billiger und damit gewinnt die ohnehin schon starke Exportwirtschaft noch mehr an Schlagkraft.

Von den dramatisch sinkenden Rohölpreisen profitiert die deutsche Wirtschaft durch niedrigere Produktions- und Frachtkosten, aber auch die deutschen Verbraucher durch eine höhere Kaufkraft.

Grafik Verkehrsetat

Vorsichtiger Optimismus

Die Wachstumsprognosen der Banken und Wirtschaftsforschungsinstitute wurden zuletzt wieder angehoben. Sowohl der Währungsverfall des Euro als auch die sinkenden Rohölpreise (DIHK) dürften je 0,3 Prozent zusätzliches Wirtschaftswachstum generieren. Ifo rechnet in 2015 mit einem BIP-Wachstum von 1,5 Prozent. Als Folge dieser Entwicklung ist das ifo-Geschäftsklima in den letzten drei Monaten wieder gestiegen, der Optimismus kehrt zurück! Laut IW-Verbandsumfrage 2015 blickt die deutsche Wirtschaft verhalten optimistisch ins Jahr 2015. Die Entwicklung im Nichtwohnbau ist eng mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung verknüpft. Dies gilt insbesondere für die größten Teilsegmente, den Bau von Fabriken und Werkstätten sowie von Handels- und Lagergebäuden. Vor allem das ifo-Geschäftsklima hat erhebliche Auswirkungen auf die Bautätigkeit. Der Aufwärtstrend im Geschäftsklima in den letzten drei Monaten dürfte sich mit einer zeitlichen Verzögerung von ca. 6 Monaten in steigenden Baugenehmigungen niederschlagen. Insgesamt haben sich die Perspektiven im Nichtwohnbau in den letzten Monaten deutlich verbessert. Es wird allerdings eine Zeit dauern, bis sich dies auf die Bautätigkeit auswirkt. Deshalb rechnen wir für das laufende Jahr mit einem kleinen Rückgang (-1/-2Prozent) des preisbereinigten baugewerblichen Umsatzes im Nichtwohnbau.

Der deutliche Rückgang der realen Auftragseingänge im Tiefbau in den letzten Monaten ist voraussichtlich nur vorübergehend. Der Verkehrsetat des Bundes soll in diesem Jahr planmäßig um rund 3 Prozent (real: + 2 Prozent) steigen.

In mehreren Studien (BDI, ADAC, ProgTrans, DIW Difu…) in den letzten Jahren wurde nachgewiesen, dass der Verkehrshaushalt erheblich unterfinanziert ist und die Bundesregierung pro Jahr mindestens 14 Mrd. Euro zur Rettung der Verkehrsinfrastruktur investieren müsste. Davon ist die mittelfristige Finanzplanung weit entfernt. Dank der extrem niedrigen Leitzinsen hat Deutschland den Staatshaushalt in 2014 ohne große Anstrengungen ausgeglichen. Damit wächst der Spielraum für Ausgaben, da auch die Steuereinnahmen jährlich um 3-4 Prozent steigen werden (Quelle: BMF, Arbeitskreis Steuerschätzungen, November 2014). Insgesamt wird 2015 und in den Folgejahren real mit einem ein- bis zweiprozentigen Zuwachs der Bautätigkeit im Tiefbau mit Schwerpunkt Verkehrsinfrastruktur gerechnet. Die Baustoffindustrie wird nur partiell profitieren, da die Schwerpunkte der Maßnahmen im Erhalt und in der Sanierung liegen.

Tiefbaumaschine
Im Tiefbau standen im vergangenen Jahr die Räder öfter still, als es die Branche prognostiziert hatte. // Credit: Ewald Fröch - Fotolia.com
 
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