Arbeitssicherheit

Gewinnungssprengungen im Hartgestein, Teil 2

Gut geschützt beim Bohren und Laden

In der letzten Ausgabe von STEINE+ERDEN ging es darum, Sohlbohrlöcher in Steinbrüchen zu vermeiden. Manche Anforderungen vor Ort machen sie trotz aller Risiken jedoch notwendig. In Teil 2 unseres Ratgeber-Beitrags stellen wir beispielhaft praxiserprobte Maßnahmen zum Schutz der Versicherten beim Bohren und Laden von Sohlbohrlöchern vor.

Grundsätzlich ist diese Vorgehensweise nach der BGR 241 „Sprengarbeiten“ nicht zulässig. In Ausnahmefällen dürfen Sohlbohrlöcher gebohrt werden, sofern die Notwendigkeit begründet ist und Schutzmaßnahmen greifen. Vorteile bietet das Bohren von Sohlbohrlöchern z.B. bei geologischen Besonderheiten des Vorkommens und auch in dem Fall, wenn sich Anwohner durch Erschütterungen gestört fühlen.

Handeln für die Sicherheit

Hauptgefahr beim Bohren und Laden von Sohlbohrlöchern ist der Steinfall aus der anstehenden Wand. Weitere Gefahren ergeben sich durch Steinflug bei ungünstigen Sprengparametern wie etwa kritischer Zündfolge oder zu geringem Endbesatz.

Um die Mitarbeiter vor Steinfall zu schützen, sind geeignete Maßnahmen in einer Gefährdungsbeurteilung festzulegen; die Verantwortlichen müssen den Mitarbeitern die Ergebnisse in Betriebsanweisungen mitteilen (siehe abgebildete Formblätter der Firma Schicker rechts).

Mögliche Schutzmaßnahmen sind:

Eine wichtige organisatorische Maßnahme ist es, die Verantwortlichkeiten vor Beginn der Arbeiten festzulegen. Dies gilt insbesondere bei der Sichtprüfung der Wand und bei der  Freigabe weiterer Arbeiten.

Bewährt haben sich dafür Checklisten. Freigaben sind durch Protokolle zu dokumentieren, die Wandverhältnisse möglichst durch Fotos.

Jochen Stürtz, Georg Lenz, Martin Böttcher, BG RCI

Bruchwand
Die Wand kann man beispielsweise – wie hier im Diabaswerk-Steinbruch Huneberg/ Harz – von der oberen Sohle aus mit einer schweren Ankerkette beräumen.
geschlossenes Führerhaus im Steinbruch
Ein geschlossenes Führerhaus mit einer FOPS (Falling Object Protection Structure), also einem speziellen Schutzdach, schützt den Maschinisten vor Steinfall.
Ein Spezialfahrzeug im Steinbruch hält ein Schutzdach über den Bohrbereich wie einen Regenschirm, darunter stehen Mitarbeiter.
Ein Spezialfahrzeug hält ein Schutzdach über den Bohrbereich wie einen Regenschirm. Das Dach schützt vor fallenden Steinen – die Fachkräfte können die Bohrlöcher gefahrlos laden.
Meißelbagger
Auch von der unteren Sohle aus lässt sich eine Wand beräumen, zum Beispiel mit einem Meißelbagger wie diesem.
Formular
Per Unterschrift erklärt der ausführende Mitarbeiter der Firma Schicker, über die Gefahren und korrekten Verhaltensweisen im Bilde zu sein.
Checkliste
Mit einer solchen Checkliste gibt der Verantwortliche nach dem Beräumen weitere Arbeiten frei.
Gefährdungsbeurteilung
Gefährdungsbeurteilung
Sagt genau, was vor Ort Sache ist: eine schriftlich fixierte Gefährdungsbeurteilung, die auch Auskunft gibt darüber, wer für was ansprechbar und verantwortlich ist. // Martin Böttcher, BG RCI (4)