Arbeitssicherheit

Positive Resonanz auf „Forum protecT“ 2014

Arbeitsschutz geht nur gemeinsam

Das Forum protecT der BG RCI fand dieses Jahr an zwei Orten statt: am 4./5. Februar in Bad Wildungen und am 26./27. Februar in Magdeburg. Seine Botschaft lautete „Arbeitsschutz mit Methode – zahlt sich aus“. Und sie fiel auf fruchtbaren Boden. Rund 300 Teilnehmer zählte jede Veranstaltung, und das Feedback war ausnehmend positiv, sowohl von Forumskennern als auch von Neulingen.

Teilnehmer machen Notizen
In den Diskussionsforen diskutierten die Teilnehmer und tauschten Erfahrungen aus.

Die Referenten beim Forum protecT gaben Einblick in die Rahmenbedingungen und Impulse für das Arbeitsschutzmanagement, stellten Best-Practice- Lösungen vor und zeigten, welche Einflüsse auf das Führungs- und Arbeitsverhalten eine Rolle spielen. In vier Diskussionsforen konnten die Teilnehmer aktiv ihre Erfahrungen einbringen und austauschen. Der begleitende Marktplatz bot Ideen und Materialien zum Thema, allen voran die neu erschienene Praxishilfe „Arbeitsschutz mit Sys­tem“ und den GDA-ORGAcheck.

Für den Einstieg in die Veranstaltung sorgte Sebastian Purps von der Initiative Kulturwandel in Unternehmen und Organisationen. Auf unterhaltsame Weise berichtete er aus Sicht der Neurobiologie, warum es manchen Unternehmen besser als anderen gelingt, innewohnende Potenziale zu entfalten. Ihr Geheimnis: Sie gewinnen die Mitarbeiter für ihre Sache. Purps sieht dafür drei Bedingungen: Verbundenheit mit dem Unternehmen schaffen, Arbeitsprozesse mitgestalten können, starke innere Bilder we-cken. Insbesondere ist es wichtig, dass Führungskräfte den Rahmen vorgeben, in dem die Mitarbeiter gestalten dürfen.

Sebastian Purps’ Audioseminar „Fragen der Kraft“ ist – wie auch alle anderen Forumsvorträge – im Internet unter www.forum-protect.de zu finden. Zwei Praxisbeiträge bestätigten Purps’ Ansatz: Harald Latsch, RAG Deutsche Steinkohle in Herne, und Sebastian Witte, SAM Stralsund Asphaltmischwerke in Langendorf, berichteten über die Einführung des Gütesiegels „Sicher mit Sys­-tem“. Mitarbeiter davon zu überzeugen, erhöhte Anforderungen in puncto

Arbeitsschutz umzusetzen, gelänge demnach nur, wenn sie diesen Prozess mitgestalten dürfen. „Viele Ideen, die wir heute nutzen und zur Verbesserung des Arbeitsprozesses geführt haben, kamen von unseren Mitarbeitern“, verriet Witte. „Die Verbesserungsvorschläge aus den Reihen der Mitarbeiter werden zahlreicher. Der Arbeitsschutz lebt in den Köpfen der Mitarbeiter.“

Martin Davidsohn, Rechtsanwalt der DAG Partnergesellschaft in Duisburg, steuerte einen weiteren Vortrag bei. Ihm zufolge sei es für Unternehmer und Führungskräfte äußerst wichtig zu dokumentieren, alle wesentlichen Arbeitsschutz-Pflichten erfüllt zu haben. Das Zertifikat eines Arbeitsschutzmanagementsystems schaffe zwar keine absolute Rechtssicherheit, so Davidsohn, bringe aber doch ein großes Plus in diesem Bereich: „Durch die Dokumentation fängt man an und macht sich Gedanken und findet so eventuell weitere Optimierungsmöglichkeiten.“

Ordner auf einem Tisch
Pünktlich zum Forum protecT erschien die neue Praxishilfe „Arbeitsschutz mit System“. Jeder Teilnehmer erhielt ein Gratis-Exemplar.

Wer checkt, sieht klarer

Helmut Ehnes, Präventionsleiter der BG RCI, und Oleg Cernavin, Geschäftsführer der BC Forschungs- und Beratungsgesellschaft, berichteten vom erklärten Ziel der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA), Anreize für die Betriebe zu schaffen, nachhaltig Prävention zu betreiben. Neuestes Instrument, das die Initiative anbietet, ist der ORGAcheck: ein Selbstbewertungsinstrument zur Qualität der Arbeitsschutzorganisation in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Online-Version, die sich auch auf dem Marktplatz erproben ließ, erlaubt eine Standortbestimmung durch ein Benchmark und bietet weitergehende Informationen und Hilfen. Der GDA-ORGAcheck bietet durch seine systematische Herangehensweise auch einen Einstieg in den Aufbau von Arbeitsschutz-Managementsystemen.

Dr. Andreas Grimmeiß, Leiter des Fachbereichs „Arbeitsschutz-Managementsystem“ der BG RCI, präsentierte den Ordner „Praxishilfe Arbeitsschutz mit System“, der frisch zum Forum protecT auf den Markt gekommen war. Jeder Teilnehmer konnte ein Exemplar mitnehmen und zu Hause testen.

Teilnehmerin ist aufgestanden und spricht in ein Mikrofon
Auch im großen Plenum stellten die Forumsgäste Fragen und regten die Diskussion an.

Mitreden und mitmachen

Während des Aktivblocks im zweiten Teil des Tages konnten sich die Teilnehmer auf dem Marktplatz über weitere Angebote zum Thema Arbeitsschutz in der Praxis informieren – und davon überzeugen, dass Sicherheitstraining durchaus Spaß bereitet. In den Diskussionsforen fand ein reger Austausch statt.

Andreas Schlemmer von der Ehl AG diskutierte mit seinen Teilnehmern, wie alle Mitarbeiter eines Unternehmens eine „Sicherheitskultur“ anerkennen und leben können. Wolfram Otto von der FBA Fertigbeton Anhalt berichtete von seinen Erfahrungen mit dem Gütesiegel „Sicher mit System“ und stellte sich den Fragen der Forumsteilnehmer. Unter der Leitung von Sebastian Purps erkundeten sie, welche Möglichkeiten der Gestaltbarkeit sie in ihrem eigenen Umfeld sehen. Auch Reinhold Stritzelberger machte in seinem Diskussionsforum „Selbstmotivation – Wie Mitarbeiter dauerhaft leistungsfähig bleiben“ noch einmal klar, dass es umso besser gelingt, „Menschen mitzunehmen, desto stärker sie eingebunden werden.“

Am nächsten Morgen berichteten Norbert Voss, Holcim AG in Lägerdorf, und Ansgar Roelofs sowie Harald Gröner, RWE Power AG in Essen, wie es ihnen gelungen ist, Fremdfirmen in ihr Arbeitsschutz-Management einzubinden.

Peter Dolfen beschrieb, wie die Continental AG mit dem Belastungs-Dokumentations-System (BDS) deutschlandweit ein System einführte, um die Ergonomie zu verbessern. Das System erlaubt außerdem eine Auswertung der Bereiche Lärm, Klima und psychische Belastung. Die Produktivität ließ sich messbar steigern.

In Magdeburg konnten sich zwei engagierte Unternehmen über das Gütesiegel „Sicher mit System“ freuen. Live on stage erhielten es Frank Sokolowski und Nazif Veliu (Fa. Kunststoffbau Langschede, Erstvergabe) aus den Händen von Dr. Renate Prieß, Leiterin Branchenprävention Chemische Industrie der BG RCI. Wolfgang Pichl, Leiter Branchenprävention Baustoffe – Steine – Erden der BG RCI, überreichte das Siegel an Thomas Jung (Fa. Mitteldeutsche Baustoffe, Reaudit).

Menschen an einem Tresen mit Informationsmaterial
Auf dem Marktplatz konnten sich die Teilnehmer über Angebote zum Thema Arbeitsschutz in der Praxis informieren.

Alle in einem Boot

Im zweiten Vortragsblock des Tages knüpften Evelyn Heinen (DYNAenergetics) und Roland Portuné (BG RCI) an Sebastian Purps’ Gedanken an. Sie berichteten von ihrem Modell, die Mitarbeiter „in Gedanken mitzunehmen“ und sie mitgestalten zu lassen. In regelmäßigen Ideentreffen beispielsweise. Kleine Teams diskutieren dort abgesteckte Themen. Dabei geht es nicht nur um das, was schlecht läuft, sondern auch um Positives und Bewahrenswertes.

Der Behauptung, Arbeit mache krank, setzte Dirk Windemuth vom IAG Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV ein gewichtiges Argument entgegen: Gut gestaltete Arbeit kann die Gesundheit durchaus fördern. Auch entstehe ein Risikofaktor wie psychische Belastung durch erhöhte Informationsflut vor allem im Privatleben, nicht nur im Beruf. Ein betriebliches Gesundheitsmanagement müsse deshalb zwangsläufig an seine Grenzen stoßen, wenn das individuelle Gesundheitsmanagement zu wenig Berücksichtigung findet.

Die Arbeitsmedizinerin Magdalena Peinecke rundete den Block mit einem energiegeladenen Vortrag ab. Darin verdeutlichte sie, in welchem Spannungsfeld zwischen Emotion und Verstand menschliches Handeln zu sehen ist – das des Mitarbeiters und das der Führungskraft.

Alle Vorträge des Forums protecT und weitere Informationen finden Sie unter www.forum-protect.de.

Annett Bruhns, BG RCI

Sebastian Purps auf der Bühne
Sebastian Purps erläuterte aus neurobiologischer Sicht, unter welchen Bedingungen sich die in uns schlummernden Potenziale entfalten.