Technik

Doka-Tunnelschalwagen für Sichtbetondecke im Einsatz

Ein Gewölberaum zur Repräsentation

Die Ulrich Brunner GmbH, Hersteller von Holzofeneinsätzen und Kaminen, erweitert ihr Firmengelände durch zwei Neubauten. Gebaut werden neben einem zweigeschossigen Verwaltungsgebäude ein Ausstellungs- und Schulungsgebäude und eine angegliederte Lagerhalle. Der Entwurf kommt vom Architekturbüro Markus Frank.

Das 142 m lange und 27 m breite Ausstellungs- und Schulungsgebäude besteht aus drei Gebäudeteilen: einem Präsentationsraum mit Foyer und Lounge sowie einem zweigeschossigen Schulungsraum mit Werkstätten und Büros. Alle Bauteile werden in Ortbetonbauweise mit sichtbaren Oberflächen errichtet.

Dreifaches Deckengewölbe

Mit seinem breiten Mittelschiff und zwei davon durch Säulenreihen getrennten Seitenschiffen ähnelt der Präsentationsraum in seinem Querschnitt einem europäischen Sakralbau. Fertigteile aus Stampflehm bilden das Deckengewölbe der Seitenschiffe. Stampflehm verkleidet auch die längsseitigen Wände. Das Mittelschiff ist der zentrale Bereich des Präsentationsraums. Über seine gesamte Länge erstreckt sich ein Deckengewölbe mit einer Höhe von 1,80 m. Parallel zum Deckengewölbe befinden sich auf beiden Seiten vier Betonschächte auf der Decke. Sie dienen als Rauchabzugsöffnungen für den Präsentationsraum. Besondere Herausforderungen: Deckenunterseite und Gewölbe sind in Sichtbeton und exakt maßhaltig fertigzustellen, trotz Überhöhungen der Decken in zwei Achsen. Die später hinter der Präsentationsbühne gelegene Rückwand des Präsentationsraumes entsteht ebenfalls in Sichtbeton mit der Struktur verkohlten Holzes, als Bezug zum Firmenzweck.

Fachleute am Werk

Ausgeführt werden die Baumeisterarbeiten von der Kellhuber GmbH. Die Schalung für das Projekt kommt weitestgehend vom eigenen Bauhof, ergänzt durch Zusatzmaterial aus dem Doka-Mietpark. Für die Ortbeton-Decken mit Gewölbe hat Kellhuber den Arbeitsablauf vorgegeben. Im Detail ist festgelegt, in welcher Reihenfolge Stützen, Stürze, Auflagerkonsolen, Deckenfelder und das Deckengewölbe hergestellt werden.

Auf dieser Grundlage haben die Doka-Schalungstechniker ein speziell zugeschnittenes Schalungskonzept mit gestaffelter Lieferung und Vorhaltezeit ausgearbeitet.

54 unterschiedliche Lasttürme

Das Unterstellungskonzept ist auf die unterschiedlichen Deckenbereiche statisch und konstruktiv abgestimmt.

Insgesamt 54 unterschiedliche Lasttürme aus Traggerüsten Staxo 100 tragen die verschiedenen Lasten ab. Die Jochträger der Oberkonstruktion bestehen je nach Belastung aus doppelten Holzschalungsträgern H20, Stahlwandriegeln WS10 oder sogar WU12. In Querrichtung liegen Holzschalungsträger H20 bereichs­weise im Abstand von 50 cm und 25 cm, ergänzt durch Verbundschalungsträger I tec 20 im Abstand von 25 cm. Staxo 100 Belagstreben verbinden alle Türme miteinander. Die umlaufenden Wände halten die Türme am Kopf unverschieblich. Über die Kopfspindeln der Staxo-Türme lassen sich die geforderten Überhöhungen genau einstellen: zweiachsig bei den Flachdecken und einachsig bei Unter-, Überzügen und Gewölbe. Die meisten der Staxo-Türme sind mit über 9,00 m sehr hoch. Für sicheres Ein- und Ausschalen sind etwa 2,00 m unterhalb der Oberkonstruktion Staxo-Gerüstbeläge vollflächig eingebaut. Um Standard-Gerüstbeläge auch zwischen den einzelnen Türmen zu montieren, wurden die Abstände der Türme so gewählt, dass sie einerseits in das "Systemraster" der Gerüstbeläge passen und andererseits die Lasten sicher abtragen.

Schneller Baufortschritt

Zum Schluss wird das Gewölbe hergestellt. Dazu konzipierten Doka-Projekt-ingenieur Stefan Daubner und Kollegen eine Art Tunnelschalwagen. Für den Transport per LKW wurde er in vier vormontierte Gewölbeelemente aufgeteilt. Der Kran hebt die Gewölbeelemente einzeln direkt vom LKW auf die vorbereitete Staxo-Unterstellung.

Dort werden sie durch Elementverbinder und Ankerstäbe zu einem 10,00 m langen Schalwagen verbunden, mithilfe von Spindeln vertikal und horizontal ausgerichtet und justiert. Die Lastableitung erfolgt punktuell über Fassaden- Fertigteilklemmen V und über Hartholzkeile in eine lastverteilende Lage aus Stahlwand­riegeln WS10.

Von dort gehen die Lasten über Verbundschalungsträger I tec 20 in die direkt darunter liegenden Stielreihen Staxo 100. Das Gewölbe entsteht in drei Takten, die Gewölbeschalung ist zweimal umzusetzen – durch einfaches, manuelles Verfahren auf den Staxo-Türmen. Zur Lastverteilung im Verfahrzustand laufen die integrierten Rollen SL-1 auf bauseitigen, 10 mm starken Stahlblechen.

Der Einschal-, Ausschal- und Verfahrvorgang ist sehr einfach und schnell ohne spezielle Montagearbeiten oder großen Kraftaufwand ausführbar. Durch eine entsprechende Öffnung an der stirnseitigen Wand lässt sich die Gewölbeschalung nach dem dritten Einsatz seitlich herausfahren und mit dem Kran für den Rücktransport wieder direkt auf den LKW heben. Alle Staxo-100-Türme bleiben komplett stehen, bis das Gewölbe fertiggestellt ist und ausreichende Betonfestigkeit erreicht hat.

Der eingesetzte Gewölbeschalwagen bietet der Baustelle wichtige Vorteile: Er ist exakt vertikal und horizontal justierbar, absenkbar und auf Rollen manuell leicht verfahrbar. Die einfache Handhabung sorgt für einen schnellen Baufortschritt.

Tunnelschalwagen
Speziell für das Bauvorhaben konstruiert: der Tunnelschalwagen.
Gewölbe im Bau
Das Gewölbe in 9,17 m Höhe über dem Präsentationsraum entsteht in drei Takten, die Gewölbeschalung ist zweimal umzusetzen – durch einfaches, manuelles Verfahren auf den Staxo-Türmen.
 
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