Technik

Architekturbüro entwickelt Ornamentbeton

Tradition und Moderne

Ursprünglich hatten die Architekten Lukas Gäbele und Tanja Raufer vom Büro gäbele & raufer architekten BDA nach einer Möglichkeit gesucht, historische Schriften und Buchdruckmalerei auf Beton aufzubringen. Aus einer Idee wurden schließlich ein mittlerweile patentiertes Verfahren und eine eigene Bezeichnung – der sogenannte Ornamentbeton.

Nach dem ersten erfolgreichen Einsatz des Ornamentbetons im Rahmen des Umbaus der historischen Hofbibliothek in Donaueschingen ergaben sich weitere Einsatzmöglichkeiten für das Verfahren.

Betonier-Experimente im eigenen Garten

Für die Neugestaltung der Einbauten in der Hofbibliothek sahen die Pläne der Architekten zunächst Fertigteilwände aus streichglattem Sichtbeton mit darin eingelassenen Ornamentformen vor. Dies stellete sich jedoch als Problem heraus. Architekt Lukas Gäbele: „Wir hätten hierzu ein industriell gefertigtes Flies anfertigen lassen müssen und auch die dazu erforderliche Sichtbetonklasse war aus wirtschaftlichen Gründen nicht wie geplant realisierbar.“ Man suchte nach einer alternativen Lösung und machte dazu eigene Versuche. „Wir haben uns Fertigbeton besorgt, Schalungen gebaut und darin Vorhänge, Flies und andere Materialien eingelegt. Nach zahlreichen Versuchen stand fest, dass sich vor allem die Struktur von Prägetapeten bzw. Vinyltapeten sehr gut auf den Beton übertragen lässt.“ Die Tapetenoberfläche wird insbesondere in fließfähigem Beton am besten wiedergegeben. Das entwickelte Verfahren wurde europaweit bisher noch nicht patentiert – so ließ man sich die Herstellungsweise schützen.

Ornamentbeton

in der Hofbibliothek Das historische Gebäude beherbergte einst die Privatsammlung der Fürsten zu Fürstenberg. Es enthielt auch viele Text- und Malerarbeiten des englischen Malers, Designers und Dichters William Morris. In Anlehnung daran planten die Architekten im Zuge der Umbaumaßnahmen in den Bibliotheksräumen individuelle Ornamentformen bzw. Buchdruckmalereien an den Wänden der Einbauten. Die Ornamente sorgen dafür, dass sich zum Beispiel das nach dem Raum-in-Raum-Prinzip in das Natursteingewölbe integrierte Toilettenhäuschen harmonisch in seine historische Umgebung einfügt. Dennoch ist es klar als modernes Element zu erkennen. Der Beton des Aufzugschachtes wurde genauso behandelt. Zusätzlich zu dem Ornament ziert dort in jedem Geschoss ein eingelassener Schriftzug die Oberfläche – immer mit Bezug zur Geschichte des Gebäudes.

Hans-Jörg Heinichen, Geschäftsführer bei Heinichen Bau und verantwortlich für die Betonarbeiten in der Hofbibliothek, erläutert die Vorgehensweise: „Zunächst haben wir die Armierung in die Schalung eingebracht. Dann wurden die Schalhölzer entsprechend von innen tapeziert. Die Schriften selbst wurden zuvor von den Architekten aus Vektorgrafiken erstellt und auf die Tapete geklebt. Im nächsten Schritt kommt der Beton in die Schalung. Nach dem Ausschalen bleibt die Tapete haften und kann abgezogen werden. So bleibt die Ornamentstruktur im Beton zurück.“

Ornamentbeton
Ornamentbeton
 
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