Arbeitssicherheit

Die neue BGR/GUV- R 241 „Sprengarbeiten“

Der Arbeitskreis „Sprengarbeiten“ hat eine BGR „Sprengarbeiten“ erarbeitet und dem „Grundsatzausschuss Prävention“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) vorgelegt. Dieser Entwurf wurde im November 2011 als „BGR/GUV- R 241 Sprengarbeiten“ verabschiedet. Nach Veröffentlichung durch die DGUV tritt diese Regel in Kraft und wird die UVV „Sprengarbeiten“ ablösen. (Bild 1) Längst war eine Aktualisierung überfällig, da die Technik in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat.

Titel der BG-Regel „Sprengarbeiten“.
Titel der BG-Regel „Sprengarbeiten“.

Geschichte

Seit 1941 wird die Verwendung von gewerblichen Sprengstoffen in der Unfallverhütungsvorschrift (UVV) „Sprengarbeiten“ geregelt. Neben dem Sprengstoffgesetz mit seinen Verordnungen ist diese UVV die einzige Vorschrift in Deutschland, die sich mit Arbeitssicherheit bei Sprengarbeiten im gewerblichen Bereich befasst. Die aktuelle Fassung der UVV „Sprengarbeiten“ stammt aus dem Jahr 1994. Seit dieser Zeit hat die Sprengtechnik deutliche Fortschritte gemacht. So haben sich etwa die nichtelektrische und die elektronische Zündung als Standardzündverfahren etabliert. Aus dem Kreis der Anwender wurden daher immer wieder Stimmen laut, die eine Aktualisierung der UVV forderten. Auch für die betroffenen Unfallversicherungsträger schien eine Aktualisierung geboten, auch um die große Menge der Ausnahmeerlaubnisse zu reduzieren.

So hat sich der Arbeitskreis „Sprengarbeiten“ im Fachausschuss „Steine und Erden“, damals noch unter der Leitung von Gerhard Friesen, Aufsichtsperson der ehemaligen Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und Obmann des Arbeitskreises, 2001 an die Arbeit gemacht, die UVV „Sprengarbeiten“ zu überarbeiten und dem Stand der Technik anzupassen.

Staatliches Recht

Im Jahr 2005 wurde ein Entwurf dem zuständigen Bundesministerium für Arbeit und Soziales vorgelegt. Dieser Entwurf wurde nicht genehmigt. Nicht aus fachlichen oder inhaltlichen Gründen, sondern auf Grund der politischen Grundsatzentscheidung, dass Regelungen grundsätzlich und vorrangig in staatlichem Recht zu erfolgen hätten und nicht in Unfallverhütungsvorschriften. Es dauerte dann bis zum Mai 2007, bis das zuständige Ministerium entschied, Sprengarbeiten künftig in einer „Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS)“ zu regeln und diese als Anhang für die Gefahrstoffverordnung zu ergänzen.

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung erhielt den Auftrag, einen Entwurf für einen Anhang zur Gefahrstoffverordnung zu erarbeiten. Der Fachausschuss „Steine und Erden“ wurde gebeten, im Rahmen des Kooperationsmodells eine TRGS „Sprengarbeiten“ zu entwerfen und dem „Ausschuss für Gefahrstoffe“ zur Genehmigung vorzulegen. Der Arbeitskreis „Sprengarbeiten“, nun unter Leitung von Jochen Stürtz, nachdem Gerhard Friesen im Ruhestand war, nahm die Arbeit auf. Im September 2010 wurde der fertige Entwurf einer TRGS „Sprengarbeiten“ nicht zur Genehmigung angenommen. Wiederum nicht aus fachlichen oder inhaltlichen Gründen, sondern wegen grundsätzlicher Bedenken der Bundesländer.

Daraufhin entschied Helmut Ehnes, Leiter Prävention der inzwischen zur Berufsgenossenschaft für Rohstoffe und chemische Industrie fusionierten Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, eine BG-Regel „Sprengarbeiten“ zu erstellen. Vor dem Hintergrund des immer dringender werdenden Bedarfs der Anwender hat das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales diese Vorgehensweise gebilligt. Es entstand die „BGR/ GUV- R 241 Sprengarbeiten“.

Die entsprechenden Mitgliedsbetriebe der Branche Baustoffe - Steine - Erden bekommen in der nächsten Zeit weitere Infomationen per Post zugesandt.

Jochen Stürtz, BG RCI

elektronisches Zündsystem
Ein elektronisches Zündsystem der Firma Orica.

Wichtige Neuerungen der BG-Regel

Im Kapitel 1 „Anwendungsbereich“ wurde der Begriff „unter Tage“ durch „unterirdische Hohlräume“ ersetzt, weil Sprengungen unter Tage ausschließlich unter Bergrecht stattfinden. Neu aufgenommen wurden neue Anwendungen wie „Plattierung, Umformung, Pulververdichtung, Hochgeschwindigkeitstechnik und Schockwellentechnologie“. Es findet sich ein expliziter Hinweis, dass in Betriebsstellen, die unter Bergaufsicht stehen, vorrangig die bergrechtlichen Vorschriften und Festlegungen in den jeweiligen Betriebsplänen zu beachten sind.

Im Kapitel 2 „Begriffsbestimmungen“ wurden einige Begriffe neu aufgenommen sowie ein Hinweis auf die DIN EN 13857-1 „Explosivstoffe für zivile Zwecke - Teil 1: Terminologie“ und die DIN 20163 „Sprengtechnik - Begriffe, Einheiten, Formelzeichen“ eingefügt.

Kapitel 3 „Aufgaben des Unternehmers“ fasst die Verpflichtungen des Unternehmers, die sich auch aus anderen Vorschriften ergeben, zusammen. Insbesondere werden Hinweise zur Gefährdungsbeurteilung, zu Verantwortlichkeiten, zu Betriebsanweisungen, zur Unterweisung eigener Mitarbeiter wie auch Mitarbeitern von Fremdfirmen, zu persönlichen Schutzausrüstungen und auch zur arbeitsmedizinischen Vorsorge gegeben.

„Durchführung der Sprengarbeiten“ (Kapitel 4) ist unterteilt in „grundlegende Schutzmaßnahmen“, die für alle Sprengarbeiten gelten und in „zusätzliche Schutzmaßnahmen“, die bei besonderen Sprengarbeiten gelten. Die besonderen Sprengarbeiten sind jeweils benannt. Im Abschnitt 4.1 „Grundlegende Schutzmaßnahmen bei allen Sprengarbeiten“ finden sich viele Regeln wieder, die den Anwendern aus der UVV „Sprengarbeiten“ bekannt sind. Einige Begriffe wurden an die Terminologie des Sprengstoffgesetzes angepasst.

Gegenüber dem § 17 der UVV „Sprengarbeiten“ hat sich der Absatz 4.1.7 „Zündsysteme“ stark verändert. Hier werden die wesentlichen Zündsysteme elektrische Zündung, nichtelektrische Zündung und elektronische Zündung gleichwertig behandelt. (Bild 2) Eine Erlaubnis des Unfallversicherungsträgers zum Einsatz der nichtelektrischen oder elektronischen Zündung ist nicht mehr nötig. Gefordert werden lediglich die Schulung des Anwenders auf das jeweilige System sowie der Einsatz von zugelassenen Systemen. Weiterhin werden notwendige Maßnahmen zum sicheren Einsatz der

Systeme genannt. So werden bei der elektrischen Zündung die Grenzen für die zulässige Abweichung des gemessenen und des berechneten Widerstandes genannt. Die Messung des Widerstandes gegen Erde ist nun für jede elektrische Zündanlage gefordert. Eingeschränkt bleibt weiterhin der Einsatz der Zündung mit Pulveranzündschnur und Sprengkapsel auf Eis- und Schneefeldsprengungen. Im Absatz 4.1.9 wurde die Forderung nach einer Dokumentation der Zündanlage in einem Zündplan neu aufgenommen.

Der Absatz 4.1.10 „Fremdelektrizität“ wurde neuen Erkenntnissen angepasst. Die Durchführungsanweisungen zu „Einwirkungen von Hochfrequenzenergien“ und „Einwirkung von elektrischen Anlagen“ aus der UVV wurden als Anhang 2 und 3 übernommen. Im Anhang 2 finden sich neue Aussagen zu elektronischen Zündern.

Im Absatz 4.1.11 „Bohren“ wurde das Herstellen von horizontalen Bohrlöchern an den Füßen von Steinbruchwänden stark reglementiert (Bild 3). Grundsätzlich ist das Herstellen von Sohlbohrlöchern nicht mehr statthaft. Sollte es doch ausnahmsweise notwendig sein, mit Sohlbohrlöchern zu arbeiten, sind die notwendigen Schutzmaßnahmen in der Gefährdungsbeurteilung schriftlich festzulegen. Neu ist die Forderung nach einer Dokumentation der Bohrarbeiten.

Im Kapitel 4.2.2 „Großbohrlochsprengungen“ wurde auf die grundsätzliche Forderung nach Verwendung von Sprengschnur verzichtet. Der Einsatz von Sprengschnur ist in der Gefährdungsbeurteilung zu regeln.

Neu aufgenommen wurde das Kapitel 4.2.3 „Geophysikalische Sprengarbeiten“. Hier finden sich spezielle Hinweise zur sicheren Durchführung von Sprengarbeiten für geologi­sche und geophysikalische Untersuchungen.

Das Kapitel 4.2.7 befasst sich mit „Spreng­ungen in heißen Massen“. Weggefallen ist die Forderung, dass nur gelatinöse Sprengstoffe eingesetzt werden dürfen. Die eingesetzten Sprengstoffe und Zündmittel müs­sen für die zu erwartenden Temperaturen geeignet sein.

Im Kapitel 5 „Unterrichtung der Behörde“ werden die Anzeige- und Meldepflichten bei Vorkommnissen aus verschiedenen Vorschriften zusammengefasst.

Der Anhang 1 der UVV „Sprengarbeiten“ wurde als Anhang 4 „Verfahren zum sachgemäßen Vernichten“ übernommen.

Die Durchführungsanweisung zu § 36 Abs.1 wurde als Anhang 5 „Hinweise für Bau und Beschaffenheit von Deckungsräumen“ übernommen.

Der Anhang 2 der UVV „Sprengarbeiten“ wurde als Anhang 2 „Ermittlung des Mindestabstandes zu Hochfrequenzsendern“ übernommen. Neu eingefügt wurde die Bestimmung, dass für elektronische Zünder die gleichen Schutzabstände einzuhalten sind wie für HU- Zünder, sofern der Hersteller nicht andere Werte für die zulässige Feldstärke angibt.

Sohlloch
So soll ein Sohlloch auf keinen Fall gebohrt werden.