Arbeitssicherheit

Studentin durchleuchtet Gipswerk

Gefährdungsbeurteilung als ganzheitliches Konzept

Tanja Wolter gehört zu den Menschen, die beharrlich und mit viel Wissensdurst ihr Ziel verfolgen. Die angehende Wirtschaftsingenieurin aus Clausthal-Zellerfeld hat einen Ordner mit der kompletten Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung und Sicherheitsmaßnahmen vor sich liegen, die sie für das Rump&Salzmann Gipswerk GmbH & Co. KG in Uehrde angefertigt hat. Nach dem Gespräch über ihren von der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie ausgezeichneten Einsatz für die Arbeitsschutzdokumentation wirkt sie sichtlich erleichtert: Endlich kann die Studentin der Fachrichtung Energie und Rohstoffe die formelle Kleidung gegen Blaumann, Schutzweste und Helm tauschen – es geht raus in die Gewinnungsstätte: „Jetzt Radlader fahren!“, sagt sie und lacht.

Während ihres Studium absolvierte Tanja Wolter die Ausbildung zur Bergbau-Beflissenen. Während dieser Zeit ist sie unter anderem des öfteren mit den großen Maschinen durch den zur Knauf-Gruppe gehörenden Betrieb im Harz gefahren. Überall hat sie nach dem rechten geschaut, heißt, akribisch dokumentiert, an welcher Maschine, bei welcher Arbeit noch eine detaillierte Gefährdungsbeurteilung fehlte. Wartungsarbeiten an der Kalkmühle oder am Brecher seien solche Punkte gewesen. Wie hat zum Beispiel eine elektrische Trennung hier genau auszusehen? Reicht ein abgesichertes Ausschalten, braucht es eine allpolige Trennung, muss ein spezieller Schalter eingebaut werden? An welcher Stelle der Elektrik?

Zusammen mit Betriebsleiter Uwe Schridde und BG RCI-Sicherheitsingenieurin Kerstin Jetschin wurde für die drei Produktionsstätten eine Excel-basierte Dokumentation erstellt. In der können die Mitarbeiter Klick für Klick nachschlagen, welche Schritte beispielsweise bei Wartung, Kontrolle oder Reparatur der Unirotormühle zu beachten sind. Abgesehen von der Lebensgefahr durch unbefugtes Wiedereinschalten der Anlage finden sich Punkte wie „Beim Herausschlagen der Welle können sich Splitter von der Eisenstange lösen – Gefahr insbesondere von Augenverletzungen.“ Abhilfe organisatorisch: möglichen Grat an der Stange vor Arbeitsbeginn entfernen. Abhilfe persönlich: Schutzhandschuhe und –brille.

Für ihre Ideen fand sie bei Uwe Schridde genau den richtigen Ansprechpartner. Er ist Teilnehmer am Unternehmermodell der BG RCI. Rump&Salzmann haben 2010 das Gütesiegel „Sicher mit System“ erhalten und seit Jahren kümmert er sich um teils kostenintensive technische und organisatorische Maßnahmen für die Sicherheit und die Gesundheit seiner 20 Mitarbeiter. Beispielsweise wurde eine große Förderbandstrecke ausgetauscht. 400.000 Tonnen Material werden im Jahr abgebaut. „Um das zu leisten, was Frau Wolter gemacht hat, hätte ich mich wochenlang ausklinken müssen“, sagt Schridde, froh über ihre Unterstützung und die der BG.

Von der komplett eingeführten Helmpflicht bis zur Selbstbeladung der Lkw auch durch außerbetriebliche Fahrer hat der Betriebsleiter einiges auf den Weg gebracht. „Ja, das mit den Fahrern klappt. Sie sind entsprechend eingewiesen, verstehen das System und halten sich an unsere Vorgaben.“

Anfang April begann Tanja Wolter ihre Abschlussarbeit. Will sie denn mit ihren Erfahrungen später in die Steine und Erden-Industrie wechseln? „Eventuell, aber zunächst schreibe ich meine Diplomarbeit am Lehrstuhl für Tagebau und internationalen Bergbau von Professor Hossein Tudeshki. Ich freue mich sehr, diese Möglichkeit erhalten zu haben.“ Verständlich: Hier wurde unter anderem auch der mit dem Bauma-Innovationspreis ausgezeichnete „Akustische GeoScanner“ entwickelt.

Jörg Nierzwicki (Foto), BG RCI

Tanja Wolter, Kerstin Jetschin
Tanja Wolter (links) hat gut lachen: Sie erhält von BG RCI-Sicherheitsingenieurin Kerstin Jetschin eine Anerkennung für ihr Konzept zur Gefährdungsbeurteilung.