Arbeitssicherheit International

Italien

Langjährige Haftstrafen für Asbestproduzenten

Wer trägt die Verantwortung, wenn Vorschriften zu Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit sträflich missachtet werden? Im Februar schlug ein Prozess zu diesem Thema in der internationalen Presse hohe Wellen. Viele Medien berichteten über die Verurteilung des früheren Eigentümers und eines Ex-Manager des Asbest-Herstellers Eternit in Italien zu langjährigen Haftstrafen.

Mehrere tausend frühere Beschäftigte, Angehörige Erkrankter und Anwohner hatten auf Schadenersatz geklagt. Nach mehr als fünfjährigen Ermittlungen begann im Dezember 2009 im italienischen Turin der Prozess. Der Vorwurf: die Beschuldigten sollen in Fabriken des Unternehmens Schutz- und Sicherheitsregeln missachtet haben und für den Tod von etwa 3.000 Menschen verantwortlich sein.

Das Turiner Gericht verurteilte beide Angeklagte in erster Instanz zu jeweils sechzehn Jahren Haft und blieb damit unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß von zwanzig Jahren. Darüber hinaus verurteilte das Gericht die Beschuldigten, Entschädigungsleistungen in Höhe von etwa 250 Millionen Euro an Asbestgeschädigte und deren Angehörige zu zahlen.

Asbest: verbreitet und tödlich

Asbest wurde aufgrund seiner großen Festigkeit, der Hitze- und Säurebeständigkeit, Isolierwirkung und leichten Verarbeitbarkeit unter anderem in der Schifffahrtsindustrie, Isolationsindustrie, der Bauindustrie und der Reifenindustrie verwendet.

Asbest ist gegen Hitze bis etwa 1000 Grad Celsius und schwache Säuren sowie viele Chemikalien sehr widerstandsfähig und hat eine höhere gewichtsspezifische Zugfestigkeit als Stahldraht. Es ist verrottungsfest und mit Zement gut mischbar. Durch die mikroskopisch kleinen Fasern ist das Material recht langlebig.

Von diesen feinen Fasern geht jedoch eine sehr hohe Gesundheitsgefährdung aus: Asbestfasern können in die Alveolen der Lunge gelangen und aufgrund ihrer  kritischen Fasergeometrie schon bei geringer Belastung die so genannte Asbestose auslösen. Nach einer Latenzzeit von meist 25 bis 40 Jahren kann die Asbestose zur Entstehung von Lungenkrebs führen.

In der Europäischen Union ist die Herstellung und Verwendung von Asbest heute verboten. An die Entsorgung werden hohe Maßstäbe angelegt, um Gesundheitsgefahren zu vermeiden.

Fasern
Tödliche Fasern: Asbest kann in die Alveolen der Lunge gelangen und schwere Erkrankungen auslösen.

Mehr Asbest- als Unfallopfer

Welche Dimensionen erreicht das Gefährdungspotential in Deutschland? In den Geschäfts- und Rechnungsergebnissen 2010 weist die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung 1.291 Todesfälle Asbesterkrankter aus; dabei entfielen 101 auf die Berufskrankheit (BK) Asbestose, 497 auf Lungen- oder Kehlkopfkrebs als Asbestfolge und 693 auf asbestbedingte Mesotheliome. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum starben 519 Beschäftigte durch Arbeitsunfälle. Damit starben 2010 mehr als doppelt so viele Menschen an den Folgen einer asbestbedingten Erkrankung als durch Arbeitsunfälle.

7.650 Versicherte bezogen 2010 eine BK-Rente aufgrund einer Asbesterkrankung (Asbestose: 4.657; Lungenkrebs/Kehlkopfkrebs: 1.933; Mesotheliom: 1.060).

Vorsorge für 500.000

Die GVS (Gesundheitsvorsorge) organisiert als Gemeinschaftseinrichtung der gesetzlichen Unfallversicherung Vorsorgeuntersuchungen von Personen, die während ihrer beruflichen Tätigkeit asbestfaserhaltigem oder keramikfaserhaltigem Staub ausgesetzt waren oder gegenwärtig noch sind. Ende 2010 waren bei der GVS 555.733 Personen registriert. 550.554 Personen hatten oder haben beruflich Umgang mit asbestfaserhaltigem Staub. 75.206 Personen sind dort für Nachuntersuchungen und 250.033 Personen für nachgehende arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen nach Beendigung der asbestgefährdeten Beschäftigung vorgemerkt.

 
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