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Kanadische Studie: Höheres Unfallrisiko bei Schichtarbeit?

Die zunehmende Bedeutung der Schichtarbeit veranlasste das Kanadische Institut für Arbeit und Gesundheit (Institute for Work & Health (IWH)) zur Durchführung einer Studie, die den Zusammenhang von Schichtarbeit und Unfallrisiko beleuchtet. Das Ergebnis zeigt: Arbeitnehmer in Nachtschichten und rotierenden Schichten sind einem höheren Unfallrisiko ausgesetzt.

Mit einem Anteil von 25 bis 30 Prozent an der arbeitenden Bevölkerung in Kanada spielen Schichtarbeiter eine bedeutende Rolle, die für die Prävention von zunehmender Bedeutung ist.  Vorliegende Studien wiesen bereits Störungen des natürlichen Schlafrhythmus und erhöhte Müdigkeit nach, die zu Unfällen führen können.

„Schichtarbeit kann sich auch auf weitere Dimensionen der Gesundheit auswirken“, sagt Dr. Christopher McLeod, Adjunct Scientist am Institute for Work & Health und einer der Autoren der jetzt vorgestellten Studie. Gemeinsam mit PhD Candidate Imelda Wong von der University of British Columbia und Dr. Paul Demers, Direktor des Occupational Cancer Research Centre, untersuchte McLeod Daten aus Studien zur Arbeit und Einkommensentwicklung, um Trends der Schichtarbeit und Unfallrisiken bei kanadischen Arbeitnehmern im Zeitraum 1996 bis 2006 zu erkennen.

Die Forscher definieren vier Typen von Schichtarbeit für die vorgelegte Studie:

Erhöhtes Risiko bewiesen

Unter Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren für Unfallraten fanden die Wissenschaftler heraus, dass Männer in Nachschichten sowie Frauen in Nachtschichten und rotierenden Schichten einem höheren Unfallrisiko ausgesetzt sind als Arbeitnehmer mit regulären Tagesschichten. „Frauen in rotierender Schichtarbeit sind doppelt unfallgefährdet wie Arbeitnehmer in Tagesschichten“, fasst McLeod zusammen. „Dies war eine deutliche Erkenntnis.“

McLeod weist darauf hin, dass Frauen häufig zusätzlichen Anforderungen bei der Kinderbetreuung und der Verantwortlichkeit für die Haushaltsführung ausgesetzt sind. Im untersuchten Zeitraum nahm die Anzahl der Frauen, die in rotierenden und Nachtschichten arbeiten, um 95 Prozent zu; ein besonders deutlicher Zuwachs wurde im Gesundheitsdienst verzeichnet. Damit stieg der Frauenanteil fast doppelt so stark wie der der Männer; hier lag die Zunahme bei 50 Prozent, überwiegend im produzierenden Gewerbe. Bei Unfällen mit sieben und mehr Tagen Arbeitsausfall sank die Unfallzahl von 1996 bis 2006 um 15 Prozent, während sie bei Arbeitnehmern in Nachtschicht konstant blieb.

Ausblick

In Folgeuntersuchungen will das IWH Tätigkeitsfelder wie das Gesundheitswesen und soziale Dienste näher beleuchten, um besseren Einblick in Faktoren zu gewinnen, die das Unfallrisiko von Schichtarbeitern beeinflussen. „Wir leben in einer Rund-um-die-Uhr-Ökonomie, und Schichtarbeit wird bleiben“, ergänzt McLeod. „Wir müssen die Faktoren untersuchen, um herauszufinden, wie wir das Unfallrisiko bei Schichtarbeitern senken können“.

Arbeit bei Dämmerung
Nachtschichten führen zu einem höheren Unfallrisiko.
 
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Das Studienergebnis wurde durch das Scandinavian Journal of Work, Environment and Health veröffentlicht und steht online in englischer Sprache bereit: http://dx.doi.org/10.5271/sjweh.3124