Der Beaver von Scheuerle im Katzenbergtunnel: Betonschalen schnell und sicher in die Röhre

Wie überzeugend effizient, zuverlässig und flexibel das Spezialfahrzeugsystem „Beaver“ für den Tunnelbau ist, zeigt beispielhaft der Einsatz auf einer der größten Tunnelbaustellen der Deutschen Bahn. Zwei Röhren von jeweils 8.984 Metern Länge werden dabei von der Arbeitsgemeinschaft „Katzenbergtunnel“ unter dem gleichnamigen Berg vorgetrieben. Der Ausbau der Röhren erfolgt durch Tübbinge die bei diesem Projekt mittels Radfahrzeugen transportiert werden.

900.000 Tonnen auf Rädern

Insgesamt neuntausend Mal mit jeweils 100 Tonnen Tübbinggewicht auf der Ladefläche werden die fünf Gliederzugkombinationen in die Tunnelröhre fahren und die insgesamt 63.000 Tübbinge zu den beiden Tunnel-Vortriebsmaschinen transportieren. Geht man davon aus, dass jede Fahrzeugkombination gleich häufig eingesetzt wird, hat am Ende des Tunnelbauprojektes jedes Fahrzeug das 5.625-fache seines Eigengewichtes transportiert.

Auf dieses Anforderungsprofil sind die fünf Gliederzugkombinationen, die von Scheuerle entwickelt und gebaut wurden, ausgelegt. Die Fahrzeuge, die den Namen „Beaver“ tragen, sind auf die speziellen Bedürfnisse einer hoch effizient arbeitenden Tunnelbaustelle ausgelegt. Die Vorteile, die Radfahrzeuge im Vergleich zu schienengebundenen Systemen aufweisen, werden auf der Baustelle des Katzenbergtunnels auf beeindruckende Weise sichtbar. Die hohe Flexibilität und die enorme Wendigkeit sind besonders bei räumlich begrenzten Baustellenanlagen von entscheidendem Vorteil. Auch die Möglichkeit zum problemlosen Befahren von Steigungen innerhalb der Baustelle steigert die Flexibilität des Transportsystems zusätzlich.

Effiziente Baustellenlogistik

Mit dem Beaver-Transportsystem kann die Baustellenlogistik so gestaltet werden, dass die Materialien vor Ort transportiert werden, wie sie in Ihrer Reihenfolge benötigt werden. Ein Gliederzug bestehend aus zwei gekoppelten Fahrzeugeinheiten transportiert einen kompletten Tübbing-Ring der bei der Katzenberg-Baustelle aus sechs Ringteilen zuzüglich Abschlussstein besteht. Diese sind auf den Transportfahrzeugen auf rutschsicheren Lagerböcken so positioniert, dass sie der Einbaureihenfolge entsprechen und dadurch die Anforderungen an die Materiallogistik optimal erfüllt werden. Der Abschlussstein, der als letztes stabilisierendes Element eingebaut wird, lagert während des Transports auf einer separaten Konsole über dem Fahrwerk des Beaver.

Meister in der Röhre

Unter den beengten Bedingungen zeigt der Beaver seine Stärke: Mit einer Gesamtbreite von 2,5 Metern ist er breit genug, um eine sehr gute Fahrstabilität (auch beladen und bei hohen Geschwindigkeiten) zu erreichen und schmal genug, um in der Tunnelröhre Engstellen zu passieren, die durch Baustellen im Bereich von Querstollen entstehen können. Damit wird eine kontinuierliche Belieferung der Vortriebsmaschine mit Tübbingen sichergestellt, gleichgültig, wie lange der Fahrweg vom Tübbing-Lager bis zur Übergabestelle an der Vortriebsmaschine ist.

Sicherer Arbeitsplatz für Profis

Das Transportkonzept Beaver wurde in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Verantwortlichen des Tunnelbauprojektes erarbeitet. Bereits in der Planungsphase konnten so die erforderlichen Fahrzeugeigenschaften berücksichtigt werden, die später zu einem zuverlässigen und effizienten Baustellentransport beitragen müssen.

Auf der Baustelle Katzenbergtunnel zeichnet Dipl. Masch. Ing. Holger Rennollet für die Transportabwicklung der Tübbinge verantwortlich. Seine Forderung an das Transportequipment ist klar formuliert: Zuverlässigkeit, einfach in der Bedienung und extrem robust müssen die Fahrzeuge sein, um der anspruchsvollen Transportaufgabe gewachsen zu sein. Fahrstabilität auch bei hohen Geschwindigkeiten ist ebenfalls eine Forderung, die der Beaver durch seine massive Achskonstruktion erfüllt. Der Fahrerarbeitsplatz hat neben einer guten Rundumsicht alle ergonomischen Funktionen, die zu einem sicheren Bedienen und Führen des  Fahrzeuges erforderlich sind. Auch an Sicherheit wurde gedacht: Die Fahrerkabinen werden permanent mit Überdruck beaufschlagt, um im Brandfall rauchfrei zu bleiben.

Für Holger Rennollet ist klar: „Mit einer komfortablen und sicheren Bedienung eines solchen Spezialfahrzeuges steigt automatisch die Verfügbarkeit. Werkstattaufenthalte lassen sich damit auf die üblichen Service-Arbeiten reduzieren. Mit dem Beaver von Scheuerle ist uns dies eindeutig gelungen“ bestätigt der Fachmann nach den ersten fertiggestellten Tunnelkilometern.

www.scheuerle.com

Freigelände F8, Stand N823

Tunnelbau-Truck
Der neue Tunnelbau-Truck „Beaver“ von Scheuerle mit 100 Tonnen Nutzlast im Gliederzug. Der hydrostatische Antrieb, der ein gleichwertiges Fahren in beide Richtungen ermöglicht, macht das Fahrzeug bis zu 30 km/h schnell. Die Namensgebung erhielt das Fahrzeug von seinem Vorbild in der Natur. Der „Biber“ ist ein kraftvolles Energiebündel und kann schwere „Bauteile“ zum Bau seiner Behausung durch die engen Röhren und Gänge schleppen.