„Kies und Sand kompakt“ in Hannover: Tagung im Zeichen der Rohstoffsicherung

Eine Kiesabgabe, wie sie aktuell von den Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen gefordert werde, sei „eine wunderliche Diskussion in Zeiten der Wirtschaftskrise“, sagte BKS-Präsident Michael Schulz in Hannover. Zur Eröffnung der 4. Fachtagung des Bundesverbandes der Deutschen Kies- und Sandindustrie (BKS) im Januar in Hannover bezog Schulz Stellung zu dem Gesetzentwurf. Die Politik dächte nicht an eine Ent-, sondern an eine zusätzliche Belastung der Rohstoffindustrie mit umweltpolitischen Auflagen.

Nach den Worten von Michael Schulz seien zwar erste Indikatoren für ein Ende der Krise zu sehen; dieser gesamtwirtschaftliche Optimismus treffe jedoch kaum auf die Bau- und Baustoffindustrie und noch weniger auf die Kies- und Sandbranche zu. Hier bedürfe es weiter flankierender staatlicher Maßnahmen, insbesondere bei Neubauvorhaben.

Baustoffverbände gehen zusammen

Vor diesem Hintergrund streben die Verbände der Baustoffindustrie eine intensivere Zusammenarbeit an. Nach Auskunft von Markus Schuhmacher vom BKS arbeiten der Wirtschaftsverband der Baustoffindustrie Nord-West (Duisburg) und der Wirtschaftsverband Baustoffe-Naturstein in Köln an einer Fusion. Die Frage des Zusammenrückens von BKS und MIRO (Bundesverband Mineralische Rohstoffe) werde mittelfristig zu klären sein, sagte Schuhmacher.

Neben den Forschungs- und Technikthemen bildete die „Zukunftsaufgabe Rohstoffsicherung“ einen Schwerpunkt in Hannover. Kiese und Sande seien zwar in Deutschland verglichen mit anderen Rohstoffen nicht knapp, prognostizierte Hermann Keßler vom Umweltbundesamt in Dessau. Dennoch erzeugten sie einen „ökologischen Fußabdruck, der dazu verpflichte, Abbruchabfälle möglichst hochwertig zu verwerten. Dies bedeute, Betonbruch nicht länger überwiegend im Landschaftsbau oder als Nivellierungsmaterial im Straßenbau zu verwenden, sondern als hochwertigen Betonzuschlagstoff wieder einzusetzen: „Unsere Bauwerke sind die wertvollen Materiallager von morgen.“ Jedoch bleibe der vom Umweltbundesamt favorisierte Einsatz des Materials aufgrund der fehlenden Wirtschaftlichkeit eher die Ausnahme, sagte Bertold Heuser von der Remex Mineralstoff GmbH. Zusätzliche Steuerungsinstrumente und geänderte rechtliche Rahmenbedingungen wie Deponiesteuern  müssten den Absatz von Recyclingbaustoffen stützen.

Das mangelnde Angebot an qualitativ hochwertigen recycelten Körnungen mit langfristiger  Liefersicherheit und die eingeschränkte Einsatzmöglichkeit dieser Körnungen für Außenbauteile mit Bewitterung seien Hemmnisse, um diese Körnungen bei der Betonherstellung besser einsetzen zu können, sagte Olaf Aßbrock vom Bundesverband der Transportbeton-Industrie.

Solarstrom vom Baggersee

Die Prüfung mittels dreidimensionalem Röntgen-CT gibt die Möglichkeit, Gefügeveränderungen und Feuchteverteilung in Betonprüfkörpern zerstörungsfrei zu erfassen, wie Frank Weise von der Bundesanstalt für Materialprüfung anschaulich zeigte. Erfahrungsberichte zu mannlosen Verladesystemen sowie den technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten der Solarstromerzeugung auf Baggerseen rundeten das Programm ab.

Das Glanzlicht bildete die Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Kies und Sand unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Ministers für Umwelt und Klimaschutz, Hans-Heinrich Sander. Der Minister lobte die Weiterentwicklung des früheren „Wiederherrichtungspreises“ zum Nachhaltigkeitspreis und seine Erweiterung um den nationalen Wettbewerb zum Countdown 2010 zur Biodiversität. Die Erfolge der Kies- und Sandindustrie für die Nachhaltigkeit müssten noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit getragen werden, sagte Sander.

www.bks-info.de

Gewinner des Nachhaltigkeitspreises

  • Hülskens GmbH & Co. KG, Wesel – Preisträger Countdown 2010
  • Quarzwerke GmbH, Frechen – Preisträger im Nachhaltigkeitswettbewerb
  • Kieswerk Ernst Müller GmbH & Co. KG, Lügde-Rischenau – Preisträger im Nachhaltigkeitswettbewerb
  • Rheinische Baustoffwerke GmbH, Bergheim – Preisträger im Nachhaltig-keitswettbewerb und Anerkennung im Rahmen des Countdown 2010
  • Euroquarz GmbH, Dorsten – Sonderpreis für Öffentlichkeitsarbeit sowie Anerkennung im Rahmen des Countdown 2010
  • Kieswerke Jagel, Selk – Anerkennung im Nachhaltigkeitswettbewerb
Der Informationsstand der BG RCI mit Elmar Neuhaus (links) in Hannover
Der Informationsstand der BG RCI mit Elmar Neuhaus (links) in Hannover