5 Jahre Gütesiegel „Sicher mit System“
Arbeitsschutzmanagement für Unternehmen der Steine und Erden-Industrie
Seit nunmehr 5 Jahren haben Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft die Möglichkeit, ihre Organisation des Arbeits- und Gesundheitsschutzes auf Basis des Gütesiegels „Sicher mit System“ freiwillig überprüfen und bewerten zu lassen. Dieses Angebot haben inzwischen über 290 Betriebe genutzt, um ihre Arbeitsschutzorganisation zu optimieren und die betriebliche Effektivität zu steigern. Dass es sich in erster Linie nicht um sogenannte „Großunternehmen“ handelt, macht die Tatsache deutlich, dass mehr als 50 Prozent der erfolgreich auditierten Unternehmen weniger als 50 Mitarbeiter beschäftigen.
Der Beitrag beschreibt neben den Inhalten des Handbuchs „Sicher mit System“ den Ablauf des Verfahrens nach den Grundsätzen des Gütesiegels „Sicher mit System“, die für eine effektive und effiziente Umsetzung einer strukturierten Arbeitsschutzorganisation in den Betrieben stehen. Sowohl das SmS-Handbuch wie auch die digitale Version „Systematic Safety Digital“ können dabei als Vorbereitung zum Aufbau einer systematischen Arbeitsschutzorganisation unterstützend eingesetzt werden. Gerade für Kleinbetriebe sind diese Medien eine wertvolle Hilfestellung bei der Schaffung einer strukturierten und nachvollziehbaren Organisation.
Arbeitssicherheitsmanagement auf freiwilliger Basis
Durch die zunehmende Globalisierung und die sich daraus ergebenden politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird der Nachweis eines aktiven, nachweisbaren Arbeitsschutzes im Unternehmen zu einem wesentlichen Wettbewerbsfaktor. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz können dabei nicht allein durch zusätzliche Vorschriften und Regelwerke verbessert werden. Deshalb sind freiwillige, formalisierte Systeme für das Management des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, die sich systematisch, nachhaltig und problemlos in Aufbau, Abläufe und Prozesse der Unternehmen integrieren lassen, zunehmend gefragt.
Seit Mitte der 90er Jahre werden auf der internationalen, der europäischen und nationalen Ebene Arbeitsschutzmanagementsysteme als ein vielversprechendes Instrument zur nachhaltigen Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz diskutiert und in immer mehr Unternehmen erfolgreich eingeführt.
Da sich im internationalen Umfeld gegen eine generelle Normung von AMS entschieden wurde, ist man in Deutschland unter Federführung des damaligen Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit und unter Beteiligung der Arbeitsschutzbehörden, der Berufsgenossenschaften, Wirtschaftsverbände sowie der Sozialpartner zu dem gemeinsamen Standpunkt gekommen, dass eine Einführung von AMS im Unternehmen nur freiwillig und ohne Zertifizierungszwang erfolgen kann. Auf Basis des ILO-Leitfadens (April 2001) wurde ein nationaler Leitfaden für AMS (Juni 2002) entwickelt und als Grundlage für die Entwicklung von Arbeitsschutzmanagementsystemen in den Unternehmen erstellt und eingeführt.
Seit Ende 1999 steht „Sicher mit System“ bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft für die Initiative, gerade organisatorische und verhaltensbezogene Defizite in den Mitgliedsunternehmen zu erkennen und bei der Umsetzung eines aktiven Arbeitsschutzes im Unternehmen zu unterstützen.
Hintergrund der Aktivitäten ist die Auswertung der Unfallstatistiken, die ergeben, dass der weitaus größte Teil aller Arbeitsunfälle neben technischen Ursachen insbesondere auf organisatorische Defizite und / oder verhaltensbedingte Ursachen zurückzuführen ist. Das bedeutet, dass z.B.
- Inspektionen nicht durchgeführt werden.
- Verantwortlichkeiten nicht eindeutig geregelt sind.
- Arbeiten mangelhaft koordiniert werden, insbesondere in Situationen außerhalb des Normalbetriebes.
- Arbeiten unzureichend geplant bzw. vorbereitet werden.
- die Kommunikation im Unternehmen nicht einwandfrei funktioniert.
- die Mitarbeiter unzureichend unterwiesen werden.
Hiervon sind besonders die kleinen und mittelgroßen Unternehmen betroffen , sodass besonders für diese Zielgruppe praxisgerechte, akzeptable Lösungen zur Umsetzung und Einführung einer aktiven Arbeitsschutzorganisation in der Form einer Handlungshilfe gesucht worden sind, um diese Defizite zu beseitigen. Wichtig war, dass dabei folgende Punkte berücksichtigt werden mussten:
- praktische Unterstützung
- reduziert auf das Wesentliche
- Akzeptanz durch einfache und zeitsparende Anwendung
- Bewertung des Ist-Zustandes der Arbeitsschutzorganisation im Unternehmen
- leicht zu aktualisieren
- präzise Formulierung schnell zu verstehen
- übersichtlicher Aufbau
- Raum für unternehmensspezifische Besonderheiten
Das Konzept „Sicher mit System“
Das Handbuch „Sicher mit System“
Die oben genannten Anforderungen sind in einem Handbuch zusammengestellt worden, das auf den Empfehlungen des „ILO-Leitfadens“ basiert und in dem folgende Kapitel integriert worden sind:
Das Handbuch besteht aus fünf Säulen (Hauptkapitel). Insgesamt 19 Bausteine (Unterkapitel) sind den fünf Säulen thematisch zugeordnet. In jedem Baustein finden sich Informationen sowie praxisgerechte Arbeitshilfen, wie z.B. Vordrucke, Aushänge und Bestellmöglichkeiten, mit denen der Arbeitsschutz gut organisieren werden kannen..
Das Handbuch ist auf Grund seines modularen Aufbaus so konzipiert, dass es den unterschiedliche Organisationsformen der Unternehmen angepasst werden kann, was gerade für die Unternehmen der Steine und Erden-Branche einen großen Vorteil bietet.
„Systematic Safety Digital“ die CD-ROM
Neben der Printversion gibt es auch eine CD-ROM und eine Internetversion des Konzepts. Hier gibt es zusätzliche Informationen, wie z.B.:
- Interaktiver Management - Check
- Berechnungsfunktionen, z.B. für Einsatzzeiten der Sicherheitsfachkräfte
- Umfangreiche Recherchemöglichkeiten zu relevanten Gesetzen und Vorschriften
- Speicher und Bearbeitungsfunktionen
- Hinweise auf Verknüpfungen zu ISO 9001 und SCC
- Warenkorbfunktion
- Alle SmS Varianten
- Handbuch
- CD-ROM
- Internetanwendung
ergänzen sich gegenseitig, wobei aber jede Variante für sich alleine genutzt werden kann!
Das Gütesiegel
Auf der Basis des Konzepts „Sicher mit System“ bietet die Steinbruchs Berufsgenossenschaft seit Anfang 2003 ihren Mitgliedsunternehmen offiziell die Möglichkeit zur Beteiligung am Gütesiegelverfahren an.
Dieses Angebot der Steinbruchs Berufsgenossenschaft beruht auf der im Rahmen der Entwicklung des nationalen Leitfadens zu Arbeitsschutzmanagementsystemen eröffneten Möglichkeit für Unfallversicherungsträger, u.a. Bescheinigungen / Zertifikate bezüglich der Einhaltung der wesentlichen organisatorischen und gesetzesrelevanten Pflichten hinsichtlich der Arbeits- und Gesundheitsschutzorganisation im Unternehmen auszustellen.
Voraussetzung zum Erwerb des auf drei Jahre befristeten Gütesiegels ist vor allem, dass eine Betriebsbegutachtung, ein externes Audit mit intensiver Einbeziehung der Mitarbeiter, zu einem positiven Ergebnis führt. Zusätzlich müssen alle Führungskräfte des Unternehmens an einem eintägigen Führungskräfte-(Management-)Seminar teilgenommen haben,. Dieses Seminar dient dazu, allen Führungskräften eines Unternehmens ihre Verantwortung im Arbeitsschutz zu verdeutlichen.
Was wollen wir mit dem Gütesiegel erreichen?
Der Hintergrund für die Entwicklung des Gütesiegelverfahrens war, dass die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft folgende Ziele verfolgt:
- ständige Verbesserungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz.
- Motivation für eine bessere Organisation im Arbeitsschutz.
- Anreize für mehr Systematik im Arbeitsschutz.
- Kostenreduzierung durch weniger Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten.
- Wettbewerb in Sachen Arbeitsschutz.
- Das Image der Unternehmen und der Steine und Erden Branche verbessern - auch hinsichtlich der Attraktivität der Arbeitsplätze, was gerade für die Bindung von Nachwuchskräften von Bedeutung ist.
Der Unternehmensleitung muss bewusst werden, dass nur durch die systematische Integration des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in die betriebliche Organisation eine Qualitätsverbesserung im Arbeitsschutz und somit eine Optimierung der Prozesse im Unternehmen erreichbar sind.
Welche Vorteile ergeben sich für das Unternehmen?
Das Unternehmen kann insbesondere Vorteile durch die kostenlose zusätzliche Beratung zur Arbeitsschutzorganisation verzeichnen, weil dadurch
- Optimierungspotentiale erkannt und genutzt werden.
- eine Qualitätsverbesserung durch weniger Störungen und Fehler zu verzeichnen ist.
- Kostensenkungen durch geringere Ausfallzeiten entstehen.
- das Unternehmen sich die Einhaltung der wesentlichen organisatorischen und rechtlichen Pflichten bestätigen lassen kann.
- die Mitarbeiter stärker motiviert werden.
- die Beschäftigungsattraktivität gesteigert wird.
- das Unternehmensimage steigt.
- die Akzeptanz und das Image bei Mitarbeitern, Kunden, Auftraggebern und Behörden verbessert wird.
Themen wie Arbeitsschutz finden dann Beachtung durch die Unternehmensführung, wenn unmittelbare Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette zu erkennen sind. Nach Schirmeister und Michel sei darauf hingewiesen, „dass eine weitere, weniger offensichtliche Facette des Arbeitsschutzes zu beachten ist: Infolge der Neuregelungen des Baseler Aus-schusses für Bankenaufsicht, die unter dem Namen „Basel II“ bekannt sind, kann der Arbeitsschutz als Teil eines funktionierenden Risikomanagementsystems Einfluss auf die Kreditkosten von Unternehmungen haben.“
Was bringt das Gütesiegel für die Mitarbeiter?
- Klare Definition von Schnittstellen und Kompetenzen
- Besseres Verständnis der Arbeitnehmer für Arbeitsabläufe und Ganzheitlichkeit der Produktionsprozesse
- Verbesserung der Steuerung organisatorischer Abläufe
- Erhöhung der Transparenz und Handlungssicherheit
- Sicherung der Arbeitsplätze
Wie kann das Gütesiegel „Sicher mit System“ erlangt werden?
Grundsätzlich können alle Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft das Gütesiegel erwerben.
Allerdings müssen gewisse Vorgaben erfüllt sein, um an dem Verfahren teilzunehmen. So dürfen z.B. keine Vorbehalte von staatlicher Seite (Gewerbeaufsicht, Bergamt etc.) bestehen. Diese Vorgaben werden durch die StBG geprüft, so dass das Unternehmen damit nicht behelligt wird.
Interessierte Unternehmen vereinbaren ein Beratungsgespräch mit dem SmS-Fachberater der StBG, in dem Ablauf und Inhalte des Bewertungsverfahrens festgelegt werden.
Nach Unterzeichnung einer Vereinbarung zur gegenseitigen Anerkennung der Verfahrensdurchführung führt das Unternehmen anschließend eine Selbstbewertung anhand einer Checkliste durch und reicht diese zur Auswertung an den Fachberater weiter. Als Vorbereitung auf den Selbst-Check können auch die Inhalte der oben beschriebenen SmS-Produkte dienen. Sich hieraus ergebende Unklarheiten oder Defizite in der Organisation werden besprochen und es werden praktische Vorschläge zur Optimierung gemacht.
Wenn das Unternehmen im Einvernehmen mit dem Berater der StBG der Meinung ist, dass es alle relevanten Punkte, die für einen gut organisierten Arbeitsschutz notwendig sind, erfüllt, wird ein Audit-Termin vereinbart.
Bei dem Audit, das einer Begutachtung der bestehenden Arbeitsschutzorganisation entspricht, werden alle für das Unternehmen relevanten Inhalte des Arbeits- und Gesundheitsschutzes überprüft und bewertet. Eine große Rolle spielen dabei die Überprüfung vor Ort und das persönliche Gespräch mit den Mitarbeitern. Hieraus kann anschließend abgeleitet werden, ob das Unternehmen über eine funktionierende Arbeitsschutzorganisation verfügt.
Wenn alle Anforderungen des Audits erfüllt sind, wird dem Unternehmen das Gütesiegel „Sicher mit System“ in Form einer Bescheinigung verliehen.
Eine zusätzliche Hilfestellung für die Betriebe ist die Darstellung der Verknüpfung der Inhalte mit bestehenden Managementsystemen, so dass Doppelarbeit vermieden wird. Des weiteren ist das System so ausgerichtet, dass es sich problemlos in vorhandene Managementsysteme integrieren lässt.
Weitere Informationen
Anwender werden auf verschiedenen Ebenen von der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft bei der Einführung eines organisierten und systematischen Arbeitsschutzes unterstützt, durch Beratung seitens der Mitarbeiter und Fachberater im Betrieb genauso wie mit Hilfe von Anwendungsbeispielen und Erfahrungsaustausch in Seminaren für Unternehmer und Sicherheitsfachkräfte.
Weitere Informationen zum Bereich Arbeitsschutzmanagement können direkt über die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft unter der Telefonnummer (05 11) 72 57-0 angefordert werden.
Dipl.-Ing. Christian Claus
Forum AMS
Am 16. und 17. September 2008 findet erstmalig das „Forum AMS“ (Arbeitsschutz-Management-Systeme) der Steinbruchs-BG im Hotel Frankenland in Bad Kissingen statt.
Das Forum soll einerseits einen Erfahrungsaustausch für die Unternehmen ermöglichen, die bereits ein AMS erfolgreich implementiert haben, und andererseits Unternehmen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein solches System einzuführen, über Praxiserfahrungen informieren.
Zielgruppen sind Unternehmer, die oberste Führungsebene von Unternehmen, Managementspezialisten, Personal- und die Produktionsverantwortliche.