www.steine-und-erden.net > 2006 > Ausgabe 2/06 > Vogelgrippe: Viren im Vormarsch?

[Die Industrie der Steine + Erden]






Vogelgrippe: Viren im Vormarsch?

In den letzten Wochen wurde in der Öffentlichkeit intensiv über den Ausbruch der Vogelgrippe auch in Deutschland berichtet. Eine Tierseuche, die schon seit einigen Jahren weltweit für Schlagzeilen sorgt. Mit Sorge werden die – bisher wenigen – Erkrankungs- und Todesfälle bei Menschen weltweit betrachtet.

Da über die Möglichkeit spekuliert wird, dass der Vogelgrippe-Erreger vom Influenza A Subtyp H5N1 durch Muta-tionen oder schlagartig durch Austausch ganzer Gene mit humanen Influenzaviren, auch von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte, lässt sich die Gefahr einer weltweiten Grippewelle nicht ganz ausschließen.

Aktuell ist dieses Szenario allerdings noch reine Spekulation. Der besonders aggressive Erregertyp H5N1 kann Menschen befallen, allerdings ist bisher keine Übertragung von Mensch zu Mensch bekannt geworden. Die üblichen Hygienemaßnahmen, wie sie in entwickelten Ländern üblich sind, reichen aus, sich nicht zu infizieren. Erst wenn ein vom bestehenden Virus abgeleiteter Erreger von Mensch zu Mensch übertragen würde, könnte es zu einer „Pandemie“ kommen.

Eine Gefährdung stellt allerdings der direkte Kontakt mit infizierten oder an Geflügelpest verendeten Tieren und ihren Ausscheidungen sowie mit kontaminierten Produkten und Materialien dar. Infizierter Vogelkot kann über einen längeren Zeitbereich (etwa 24 Stunden) aktive Erreger enthalten. Da in Betrieben der Baustoffbranche keine intensive Vogelhaltung betrieben wird, kann es höchstens im Einzelfall zum Auffinden eines toten Wildvogels kommen. In diesem Falle sind die regional zuständigen Behörden zu informieren, diese werden in aller Regel auch den Abtransport des Kadavers organisieren.

Da natürlich Anlagen im Freien auch mit Vogelkot verunreinigt sein können, gibt es immer wieder Anfragen aus den Betrieben. Die Erregermenge reicht hier im Allgemeinen nicht für eine Ansteckung aus. Allerdings enthält Vogelkot – besonders von Tauben –- eine Vielzahl von anderen krankmachenden Keimen. Bei Reinigungsarbeiten sollen deshalb eine geeignete Schutzkleidung getragen und die Hygienemaßnahmen der TRBA 500 (Technische Regel biologische Arbeitsstoffe) eingehalten werden.

Für den Umgang mit biologischen Agenzien gibt es eine die Vogelgrippe betreffende Empfehlung des ABAS (Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe) im Beschluss 608 „Empfehlung spezieller Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten vor Infektionen durch hochpathogene aviäre Influenzaviren (klassische Geflügelpest, Vogelgrippe)“ Ausgabe Februar 2006. Von Experten wird allerdings das Risiko einer Infektion für den gesunden Menschen im Allgemeinen als gering angesehen.





Warum gibt es eine so große Furcht vor einer Ansteckung?

Im vergangenen Jahrhundert kam es 1918, 1957 und 1968 zu Ausbrüchen und zur weltweiten Ausbreitung (Pandemie) der Influenza (Grippe); es waren viele Millionen Todesopfer zu beklagen. Experten befürchten, dass ähnliches auch in näherer Zukunft wieder geschehen könnte. Bestärkt wird diese Sorge durch die massive Ausbreitung der Geflügelpest (Vogelgrippe, aviäre Influenza) ausgehend von Asien, die 1996/1997 in der Provinz Guangdong/China und Hong-Kong ausbrach (der hoch infektiöse Erreger H5N1 wurde nachgewiesen) und erneut seit Ende 2003 auch zu Erkrankungen beim Menschen führte (bis Ende 2005 183 bestätigte Krankheitsfälle, 94 davon verliefen tödlich).

Inzwischen sind von der Tierseuche zahlreiche Länder – auch in Europa und in Afrika – betroffen, menschliche Fälle gab es außer in Südostasien in der Türkei und im Irak. Sollte das Vogelgrippevirus sich besser an den Menschen anpassen, d. h. in einer neuen Mutation von Mensch zu Mensch übertragbar sein, könnte es leicht zu einer erneuten weltweiten Ausbreitung (Pandemie) dieser neuen Influenzaform mit all ihren Folgen kommen.

Während man unter Epidemie eine erhebliche, zeitlich begrenzte Zunahme einer Erkrankung, möglicherweise auch über die bisherigen geographischen Grenzen des Vorkommens hinaus versteht, wird eine sich weltweit ausbreitende Epidemie als „Pandemie“ bezeichnet. Influenzaviren verändern sich stetig (sogenannter „Antigendrift“). Es besteht zudem die Möglichkeit, dass eine gleichzeitige Infektion mit Vogel- und menschlichen Influenza-A-Viren im Menschen zu einer drastischen Veränderung des Erbmaterials der Viren führt. Dieser Vorgang könnte zur Folge haben, dass die Körperabwehr des Menschen nicht auf den neuen Erreger vorbereitet ist und es wesentlich häufiger zu schweren Erkrankungen mit hoher Sterblichkeit kommt – wie es im vergangenen Jahrhundert wiederholt der Fall war. Ist das Virus auch leichter von Mensch zu Mensch übertragbar, besteht die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung und damit einer Pandemie.

Nach internationaler Einschätzung befinden wir uns zumindest seit Frühjahr 2005 in der Phase 3 nach Lesart der WHO (Weltgesundheitsorganisation), der ers-ten Phase der pandemischen Warnperiode in Bezug auf den Vogelgrippe-Erreger, d. h. menschliche Infektion(en) mit einem neuen Subtyp, aber keine Ausbreitung von Mensch zu Mensch oder nur in extrem seltenen Fällen bei engem Kontakt.

Ziel der WHO in der Pandemiestrategie ist eine schnelle Charakterisierung neuer Virus-Subtypen sowie die grund-sätzliche Sicherstellung des frühen Nachweises, der Meldung und damit die Reaktion auf weitere Fälle.





Kann man sich durch Impfung vor der Vogelgrippe schützen?

Die erhältlichen Influenza-Impfstoffe zur Vorbeugung der menschlichen Grippe schützen nicht vor aviärer Influenza bzw. vor einem neuen Pandemie-Virus. Die Influenza-Impfung gegen die „normale Grippe“ ist jedoch zu empfehlen, insbesondere bei Aufenthalt in Regionen mit Vorkommen von Vogelgrippe, um eine herkömmliche Influenza als Ursache von Fieber und Anlass zu unnötiger Sorge weitgehend zu verhindern.

Bisher kam es fast ausschließlich durch engen Kontakt zu Geflügel zu Vogelgrippe-Erkrankungen. Wenn oben empfohlene Vorsichtsmaßnahmen beachtet wurden, ist eine aviäre Influenza praktisch ausgeschlossen. Bevor man sich also zu große Sorgen über eine Vogelgrippe macht, sollte man bei Beschwerden mit grippeähnlichem Beginn (Fieber? Husten? Atemnot?) wie üblich den Hausarzt konsultieren, denn andere Ursachen, z.B. eine saisonale Grippe, sind wahrscheinlicher. Der Arzt wird dann das weitere Vorgehen bestimmen.

Weitere Informationen – zu Reisen in Länder, in denen die Vogelgrippe aufgetreten ist, zum Tragen von Atemschutzmasken als Vorbeugung – sowie eine Betriebsanweisung zum Thema und eine Kurzinformation als Aushang im Betrieb sind auf der StBG- Website erhältlich: www.stbg.de. Der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften informiert auf der BG-Hotline: (0 18 05) 18 80 88. 

Klaus Schlingplässer, StBG





Inhaltsverzeichnis Ausgabe 2/06 | Zurück zu unserer Homepage