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[Die Industrie der Steine + Erden]






Zementindustrie gegen Versteigerung von Emissionsrechten

Die deutsche Zementindustrie lehnt Überlegungen zu einer teilweisen Auktion von CO2-Emissionsrechten ab, die kürzlich aus den Reihen der großen Koalition vorgebracht wurden. Danach sollen zehn Prozent der bislang kostenlos an die Stromerzeuger ausgegebenen Emissionszertifikate versteigert werden, der Erlös soll zu einem Großteil den Verbrauchern zu Gute kommen. Nach Ansicht der Zementindustrie sei es zwar zu begrüßen, wenn darüber nachgedacht werde, dem aus dem Emissionshandel resultierenden Strompreisanstieg entgegenzuwirken. Eine Auktion von CO2-Rechten sei hierfür aber kein geeignetes Mittel.

Im Gegenteil sei zu befürchten, dass die Stromerzeuger die Zusatzkosten aus einer Ersteigerung von Emissionsrechten an ihre Kunden weitergeben werden und sich damit die Preisspirale weiterdreht. Auf keinen Fall akzeptabel wäre es, wenn auch die Industrie in Zukunft Emissionsrechte ersteigern müsste.





Branche fordert Einführung eines Wachstumsfaktors

Die Zementbranche steht dem auf die EU beschränkten Emissionshandel aufgrund der damit verbundenen Wettbewerbsverzerrungen grundsätzlich skeptisch gegenüber. Neben einem Verzicht auf Planspiele zu einer künftigen Versteigerung von CO2-Rechten fordert sie für Deutschland vor allem die Einführung eines „Wachstumsfaktors", wie ihn andere EU-Mitgliedstaaten in ihren Nationalen Allokationsplänen berücksichtigen. Nur so könnten effiziente Industrieanlagen bei wieder anziehender Konjunktur ihre Produktion ohne kostenträchtigen Zukauf von Emissionsrechten steigern. Notwendig sei zudem die Beibehaltung der Regelungen für prozessbedingte CO2-Emissionen, die sich im Gegensatz zu energiebedingten CO2-Emissionen aus verfahrenstechnischen Gründen nicht verringern lassen. Die CO2-Rechte für prozessbedingte Emissionen müssen daher bedarfsgerecht zugeteilt werden.

Bereits heute stehen die Preise für Emissionsrechte in keiner ökonomisch vernünftigen Relation zum Marktwert von Zement. Bei der Produktion einer Tonne Zement werden 0,7 Tonnen CO2 freigesetzt. Dem entspricht bei CO2-Preisen von rund 28 Euro pro Tonne eine Kostensteigerung um etwa 20 Euro je Tonne Zement. Dies ist knapp ein Drittel des derzeitigen Verkaufserlöses für Zement. Eine solche Kostensteigerung kann am Zementmarkt nicht weitergegeben werden. Es lässt sich also leicht nachvollziehen, dass die heimische Zementindustrie keine zusätzlichen Emissionsrechte kaufen kann.

In der Konsequenz müssten dann heimische Produktionskapazitäten stillgelegt werden, obwohl sie im globalen Vergleich höchst energieeffizient und emissionsarm sind. Eine solche Entwicklung, die sich bereits heute in den Mittelmeerländern der EU abzeichnet, wäre weder Wirtschafts- und arbeitsmarktpolitisch noch klimapolitisch akzeptabel.





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