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[Die Industrie der Steine + Erden]






„Arbeitssicherheit in der Betonindustrie“

Fachsymposium der Steinbruchs-BG im Rahmen der Internationalen Concrete Conferenz und Exhibition am 24. Januar 2006 in Berlin

Im Vorfeld der ICCX-Veranstaltung führte die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ein Fachsymposium über Arbeitssicherheit in der Betonindustrie durch. Mit mehr als 60 Teilnehmern aus Mitgliedsunternehmen, Arbeitsschutzbehörden und externen Führungskräften sowie Sicherheitsfachkräften und Betriebsärzten hat die Auftaktveranstaltung ihre Bewährungsprobe bestanden. Das Fachsymposium gab umfangreiche Informationen aus dem gesamten Bereich der Betonindustrie.

Das Betreiben der zum Teil hoch automatisierten Anlagenbereiche in der Betonindustrie erfordert spezielle Kenntnisse der Bediener und deren Helfer. Da es aus vielfältigen Gründen oftmals zu Störungen im Produktionsablauf kommt, wird mitunter unbedacht durch das Personal in den Fertigungsprozess eingegriffen. Die Folgen sind sehr häufig schwerwiegend für den Betreiber, aber auch im Bereich der Verantwortung, die den Führungskräften obliegt.

Im ersten Vortrag wurden das Unfallgeschehen in der Betonindustrie analysiert und Schlussfolgerungen aufgezeigt. Mit rund 23 % der Unternehmen und 29 % der Versicherten nimmt die Beton- und Fertigteilindustrie einen vorderen Rang in der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft innerhalb der Branchenverteilung ein. Die Quote der meldepflichtigen Arbeitsunfälle pro 1000 Vollarbeiter nach Branchen hatte im Jahre 2004 einen Wert von 67,55. Der Durchschnitt der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft lag bei 50,52. Die Statistik der Vorjahre ist ähnlich.

Anhand von Beispielen wurde das Unfallgeschehen dargelegt. Es wurden die häufigsten Unfallursachen in der Betonindustrie genannt. So ist das bewusste Umgehen der Sicherheitstechnik bei der Störungsbeseitigung ein Schwerpunkt. Aber auch die Unkenntnis der Mitarbeiter über das realisierte Sicherheitskonzept und die wechselseitigen Abhängigkeiten von Verriegelungen, Quittierungen u.a.m. sind Ursache von vielen Arbeitsunfällen. Nicht zuletzt ist häufig auch die Bequemlichkeit des Mitarbeiters Ausgangspunkt für einen Arbeitsunfall.

Das Thema „Verantwortung für Arbeitssicherheit – Unwissenheit schützt nicht vor Strafe“ beleuchtete einen aktuellen Arbeitsunfall, der gerichtliche Folgen hatte. Die Verantwortung der Mitarbeiter und Führungskräfte wurde anhand dieses praktischen Beispiels sehr klar dargestellt.

Zusammengefasst wurden die Verstöße gegen das staatliche und bg-liche Recht sowie die dann verhängte Strafe genannt.

Unter dem Thema „Maschinen und Anlagen – sicher und wirtschaftlich produzieren“ wurden Schwerpunkte aus den einzelnen Branchen (Betonrohre und Schachtringe, Umlaufanlagen für flächige Betonteile, konstruktive Betonelementefertigung, Betonstein- und Plattenanlagen) vorgestellt. Standardanlagen bestimmen seit Jahren das Produktionsbild in den vorgenannten Branchen. Prinzipiell sind hier sichere Maschinen und Anlagen in den Unternehmen vorhanden.

Ökonomische Zwänge sind oftmals Ursache für eine mangelnde Reparatur und Wartung der Anlagenelemente. Aus diesem Grund kann es häufig zu Produktionsstörungen kommen, in die die Mitarbeiter eingreifen, und dies ist wieder Ausgangspunkt für Arbeitsunfälle. Für alle Branchen wurden die Schwerpunkte in den Arbeitsprozessen genannt. Eine Überprüfung in der Betonindustrie zeigte Defizite in der Organisation des Arbeitsschutzes sowie Mängel an den sicherheitstechnischen Einrichtungen. Am Beispiel des Sicherheitskonzeptes der Hersteller von Steinfertigungsanlagen wurden die einzelnen Sicherheitskreise besprochen. Schlussfolgerung für sicheres Arbeiten in derartigen Anlagenbereichen schlossen den Vortrag ab.

Im Institut für Fertigungstechnik und Fertigbau Weimar werden seit langem lärmarme Verdichtungsverfahren entwickelt. In dem Vortrag „Betonverdichtung – Es geht auch ohne viel Lärm“ wurden Ansätze zur Reduzierung von Lärmpegeln aufgezeigt. Das Verdichtungsverfahren ist ausschlaggebend für den Lärmpegel. Mit der Wahl des Herstellungsverfahrens legt man schon den zu erwartenden produktionsbedingten Schallpegel fest. Die unterschiedlichsten Herstellungsverfahren wurden vorgestellt. Mit dem neuen Verdichtungssystem der harmonischen Vibration bei der Betonsteinherstellung ist eine Reihe von entscheidenden Vorteilen erreicht worden. Hier seien einige genannt:

  1. Es erfolgt eine Reduzierung des produktionsbedingten Schallpegels um bis zu 20 dB(A).
  2. Durch die gleichmäßigere Einfüllung des Betons erfolgt eine verbesserte Maßhaltigkeit der produzierten Steine.
  3. Es erfolgt der Wegfall der Nachstellung und des Austausches der bisher verwendeten Schlagleisten und damit eindeutig reduziertes Gefährdungspotenzial an Verletzungsmöglichkeiten während des manuellen Montierens der schweren Schlagleisten.

Der letzte Teil des Vortrages befasste sich mit selbstverdichtendem Beton. Die Vor- und Nachteile wurden aufgezeigt.

Das Gütesiegel der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft stellt ein Arbeitsschutzmanagementsystem vor allem für die Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft dar. Das Verfahren zur Erringung dieses Gütesiegels wurde kurz vorgestellt. Das Betonwerk Fehrbellin hat 2004 das Gütesiegel „Sicher mit System“ erhalten. Das Unternehmen stellte den Ablauf des Gütesiegel-Verfahrens vor. Allen Anwesenden wurde der Arbeitsaufwand sowie die Zeitdauer zur Erringung des Arbeitsschutzmanagementsystems erläutert. Die festgestellten Defizite im Selbstcheck des Unternehmens wurden in einem Maßnahmenkatalog für die Abarbeitung festgehalten. Die Erfüllung aller Vorgaben wurde im Audit bestätigt. Abschluss und Höhepunkt war die Verleihung des Gütesiegels „Sicher mit System“.

Zur Hilfe und Unterstützung der Mitgliedsunternehmen sowie zur Motivation der Mitarbeiter hat die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft eine Reihe von Angeboten. Im Vortrag „Ihre Initiative ist gefragt – Angebote der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft nutzen“ wurden die aktuellen Exponate genannt.

Die Seminare zur Weiter- und Fortbildung von Führungskräften und Mitarbeitern wurden samt Inhalten vorgestellt. Aktionen wie Förderpreis und Prämiensystem wurden erläutert. Hilfen, die die tägliche Arbeit in den Unternehmen erleichtern, wie Unterweisungshilfen,

Betriebsanweisungen, Prüflisten und anderes mehr, wurden vorgestellt. Das Praxishandbuch der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft wurde als neuestes Hilfsmittel für die Unternehmen in seinem Aufbau erläutert.

Im kommenden Jahr ist geplant, dieses Fachsymposiums bzw. vergleichbare Veranstaltungen in anderen Regionen Deutschlands durchzuführen.

 

Dipl.-Ing. Karl-Heinz Hegenbart

Dr. Helmut Kuch, IFF Weimar, erläutert das Prinzip der harmonischen Betonverdichtung. Dipl.-Ing. Wulf (links) beschreibt den Weg des Betonwerks Fehrbellin zum Erwerb des StBG-Gütesiegels „Sicher mit System“.

Dr. Helmut Kuch, IFF Weimar, erläutert das Prinzip
der harmonischen Betonverdichtung.
Dr. Helmut Kuch, IFF Weimar, erläutert das Prinzip
der harmonischen Betonverdichtung.


Dipl.-Ing. Wulf (links) beschreibt den Weg des Betonwerks
Fehrbellin zum Erwerb des StBG-Gütesiegels „Sicher mit System“.
Dipl.-Ing. Wulf (links) beschreibt den Weg des Betonwerks
Fehrbellin zum Erwerb des StBG-Gütesiegels „Sicher mit System“.





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