www.steine-und-erden.net > 2005 > Ausgabe 2/05 > Brecher: Unfallschwerpunkt in der Naturstein-Industrie

[Die Industrie der Steine + Erden]






Brecher: Unfallschwerpunkt in der Naturstein-Industrie

Seit einigen Jahren besitzt die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft die Möglichkeit, mit Hilfe ihrer elektronische Datenverarbeitung Unfälle an Maschinen und Anlagen und nach Gefahren zu analysieren. Diese Auswerte- bzw. Analysemöglichkeit lässt z.B.
  • konkrete unfallabhängige Beratung der Mitgliedsunternehmen,
  • gezielte Schulungsmaßnahmen für Mitgliedsunternehmen,
  • Konzepte zur Reduzierung bestimmter Unfallschwerpunkte und
  • Beratung der Hersteller und Lieferanten der Maschinen für die Steine und Erden-Industrie zu.
Aufgabenstellungen aus dem Fachausschuss Steine und Erden I veranlassten, das Unfallgeschehen im Bereich der Naturstein-Industrie zu untersuchen. Unfallschwerpunkte an Maschinen und Anlagen sollten gefunden und analysiert werden.
Oft wird heute darauf hingewiesen, dass die meisten Unfälle nicht mehr typische Unfälle aufgrund fehlender Schutzeinrichtungen an Maschinen sind, sondern vielmehr auf Verhaltensfehler der Beschäftigten zurück zu führen sind. Es darf aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass falsches Verhalten verhindert werden kann, wenn bessere konstruktive Einrichtungen an der Maschine oder Anlage bestimmte, sicherere Verfahrensweisen vorgeben.
Als erstes sind die Absolutzahlen aller meldepflichtigen und nicht meldepflichtigen Unfälle der Produktions- und Fertigungsbranchen, die bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft versichert sind, aufgelistet worden.
Fasst man Gewinnung und Aufbereitung von Naturstein zusammen, so erhält man eine Gesamtzahl von 1.483 Unfällen und rutscht damit auf den drittschlechtesten Platz aller Unfallzahlen ab. Die Überprüfung der Zahlen aus den Jahren 1999 bis 2002 haben die gleichen Ergebnisse erbracht. Selbst wenn die Unfallzahlen nicht auf 1000 Vollarbeiter oder 1 Million Arbeitsstunden bezogen sind, ist es notwendig, auf Grund der Platzierung den Bereich Gewinnung und Aufbereitung genauer zu betrachten. Der Brecher weist dabei mit 58 Unfällen eine deutliche Häufung auf.
Parallel zur Branche Naturstein ist auch der Bereich Recycling von Baustoffen betrachtet worden. Erstaunlicherweise war hier der Brecher ebenfalls ein Unfallschwerpunkt. In der Sand und Kies-Industrie gab es auch im Jahre 2003 insgesamt 17 Unfälle an Brechern, diese sind aber nicht als Schwerpunkt zu bewerten, da dort nicht in allen Werken Brechanlagen vorhanden sind und sich andere Unfallschwerpunke ergaben.
Der nächste Schritt der Analyse ist, wie schwer die Unfälle an den Brechern waren? An der Höhe der Kosten könnte der Verletzungsgrad abgelesen werden. Damit die Zahlen mit anderen Maschinen und Anlagen bzw. Gefahren verglichen werden können, wurden die Durchschnittskosten pro Unfall ermittelt. Daraus lässt sich unmittelbar erkennen, dass die Unfälle mit Brechern neben denen an Radladern und Baggern die Häufigsten sind.
Damit das Unfallgeschehen positiv beeinflusst werden kann, müssen die Ursachen, die zu den Unfällen geführt haben ermittelt werden. Dies bedeutet, den Unfallhergang entweder aus der Unfallanzeige oder, soweit vorhanden, aus einem Untersuchungsbericht zu ergründen. An dieser Stelle musste jede einzelne Unfallschilderung gesichtet, gelesen und zugeordnet werden. Das Ergebnis ist der Tortengrafik zu entnehmen.
Bei Reparaturarbeiten passieren mit 48 Prozent die meisten Unfälle. Dies bedeutet, dass
  • die Reparaturfreundlichkeit der Maschinen und Anlagen,
  • die mangelnde Vorbereitung der Arbeiten,
  • der Zeitdruck, in der die Arbeiten durchgeführt werden müssen,
  • gegebenenfalls Schmutz und
  • ungeeignete Hilfsmittel
die wesentlichen Unfallursachen darstellen.
Die zweitgrößte Position, bei der 32 Prozent aller Unfälle passieren, sind Arbeiten bei der Beseitigung von sogenannten "Stopfern". Bei zu großer Stückigkeit des zu brechenden Steinmaterial, kann es passieren, dass Gesteinsbrocken in der Zuführung zum Brecher sich verkanten und dann der weitere Materialfluss verhindert wird.
Durch manuelle Tätigkeiten, z. B. mit Brechstange oder selbst gebauten Hilfsmitteln, angehängt an vorhandenen Brückenträgern, werden dann diese betriebsmäßigen Störungen beseitigt. Hierbei steht der Versicherte in der Regel im Brechereinlauftrichter und die Anlage wird in Betrieb genommen, damit nach einer Lageverschiebung des Gesteinbrockens gleich das Weiterbrechen gewährleistet ist.



Mögliche Maßnahmen

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass die mangelnde Reparaturfreundlichkeit der Maschinen und Anlagen eine Rolle für das hohe Unfallgeschehen spielen könnten. Wenn die Instandsetzungen in den Bedienungsanleitungen oder den Reparaturhandbüchern einfach und ausführlich beschrieben werden und sich das Bedienungs- und Reparaturpersonal auch daran hält, müssten eigentlich soweit die notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung stehen die Unfälle bei Reparaturmaßnahmen minimiert werden können.
Würde bereits bei der Konstruktion seitens der Hersteller eine reparaturfreundliche Gestaltung der Maschinen berücksichtig, wäre der Prozentsatz der Unfälle weiter zu reduzieren. Die Berufsgenossenschaft kann aufgrund des analysierten Unfallgeschehens Hilfestellung leisten und beispielsweise auf Fachmessen oder direkt in den Konstruktionsabteilungen die Hersteller beraten und auf Defizite hinweisen.
In der Vergangenheit ist an den Arbeitsplätzen und Verkehrswegen auch auf Anregungen der Berufsgenossenschaften seitens der Hersteller viel getan worden. Leider muss aber festgestellt werden, dass bei Neuanlagen mehr und mehr auf den bereits erreichten Standard verzichtet wird und oft unzureichende Arbeitsplätze und Verkehrswege bei Neuanlagen vorgefunden werden. Es wäre wünschenswert, wenn die Hersteller der Maschinen und Anlagen sich einer Selbstverpflichtung unterziehen würden.
Auch der Verschmutzungsgrad der Maschinen und Anlagen ist oft unfallursächlich. Der Unternehmer muss grundsätzlich seine Mitarbeiter anhalten, in ihren Arbeitsbereichen für Sauberkeit zu sorgen. Durch eine optimale Organisation, verbunden mit Information, Motivation, Planung und Dokumentation, lassen sich Defizite mindern.
Wie die Abbildungen zeigen, ist es für das Personal vor Ort eine riskante Arbeit, die Verklemmungen im Brechereinlaufbereich mit selbstgebautem Hilfswerkzeug zu lösen. Die in der unterenAbbildung gezeigte stationäre Meißeleinrichtung lässt Materialverstopfungen und -verklemmungen gefahrlos von einem sicheren Standort aus beseitigen.



Schlussfolgerungen

Die Brecherunfälle haben, wie beschrieben, anzahl- und kostenmäßig neben den Erdbaumaschinen ein sehr hohes Niveau. Es sind Maßnahmen und Aktivitäten notwendig, um hier Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zu verbessern. Nicht nur der Betreiber ist aufgefordert, mehr zu tun, auch der Hersteller muss sich Gedanken darüber machen, wie diese Anlagen noch sicherer betrieben, repariert und gewartet werden können. In den vergangenen Jahren wurde seitens der Hersteller in Sachen Sicherheit und Gesundheitsschutz ein hoher Standard bei den Maschinen und Anlagen für die Naturstein-Industrie erreicht. Es muss in Zukunft darauf geachtet werden, dass die erreichten Standards nicht wieder verloren gehen, auch wenn der Wettbewerb noch so groß ist.
Aus den vorgeschlagenen technischen und organisatorischen Maßnahmen ist abzuleiten, dass die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft sehr wohl durch gezielte Schulungen und Kampagnen auf die organisatorische Seite eines Betriebes Einfluss nehmen kann. Seitens des Unternehmens ist auf die Verhaltensweisen bei Bedienung der Maschinen und Anlagen einzuwirken. Wie das im Detail aussehen kann, hängt vom Einzelfall aber auch von den seitens der Betriebsleitung umgesetzten Maßnahmen ab. Abschließend ist festzustellen, dass durch gezielte Aktionen eine positive Veränderung des Unfallgeschehens zu erwarten ist.

Dipl.-Ing. Ulrich Kretschmer, StBG



Beseitigung eines verklemmten Gesteinsbrockens mit selbst gebautem Werkzeug
Beseitigung eines verklemmten Gesteinsbrockens
mit selbst gebautem Werkzeug


Hydraulische Meißeleinrichtung zur Beseitigung von Brecherverstopfungen
Hydraulische Meißeleinrichtung zur
Beseitigung von Brecherverstopfungen




Arbeitsunfälle nach Maschinen und Gefahren (10 häufigsten Nennungen)
Arbeitsunfälle nach Maschinen und Gefahren
(10 häufigsten Nennungen)




Unfallgeschehen nach Hergang und Ursache
Unfallgeschehen nach Hergang und Ursache




Anzahl der Brecherunfälle der vergangenen Jahre
Anzahl der Brecherunfälle der vergangenen Jahre






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