www.steine-und-erden.net > 2003 > Ausgabe 2/03 > Tag des Geotops im Steinbruch Höver

[Die Industrie der Steine + Erden]






Tag des Geotops im Steinbruch Höver

Im Herbst 2002 wurde erstmals der "Tag des Geotops" von der Fachsektion Geotop der Deutschen Geologischen Gesellschaft (DGG), der Akademie der Geowissenschaften (AGH) und der Paläontologischen Gesellschaft veranstaltet. Geotope sind erdgeschichtliche Bildungen der unbelebten Natur, die Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde oder des Lebens vermitteln. Sie umfassen Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Mineralien und Fossilien sowie einzelne Naturschöpfungen und natürliche Landschaftsteile.
Im gesamten Bundesgebiet wurden jedem Interessierten erdgeschichtlich bedeutsame Aufschlüsse, Landschaftsformen und Einzelbildungen wie Findlinge, Quellen und Höhlen an Ort und Stelle von Fachleuten vorgeführt und erläutert. In bestimmten Steinbrüchen mit fossilführenden Schichten, so auch im Steinbruch Höver der Alsen AG, konnten Interessenten ihre Fundstücke bestimmen lassen.
Seit 1907 wird am Standort Höver Zement produziert. Hauptrohstoff für die Zementherstellung ist Kalkmergel. Die Gewinnung erfolgt derzeit aus einer Abbautiefe von bis zu 30 Metern. Im südlichen Bereich wird die Abbautiefe auf 50 Meter erhöht.
Der Steinbruch gewährt auch einen Einblick in vor langer Zeit entstandene Meeresablagerungen. In einem damals warmen Flachmeer bildeten sich während der oberen Kreidezeit (Campan) vor etwa 80 Millionen Jahren Kalk-Schlämme. In den Jahrmillionen nach der Ablagerung entstand durch Setzung und Verfestigung der heute als Rohstoff für die Zementindustrie abgebaute Kalkmergelstein, ein Gemisch aus Kalziumkarbonat und Tonmineralien. In den Absetzgesteinen, den Sedimenten, sind Überreste sowie Abdrücke von Tieren und Pflanzen in versteinerter Form erhalten geblieben: die Fossilien. Da Lebewesen einer steten Entwicklung und Veränderung der Evolution unterliegen, sind alle Zeitabschnitte durch jeweils typische Fossilien gekennzeichnet. Der Steinbruch Höver erschließt einen jüngeren Teil der Kreidezeit (Oberkreide), das sogenannte Campan. Typische Bodenbewohner des Oberkreidemeeres waren Schwämme, Muscheln und Seeigel. Frei umherschwimmende Meerestiere waren Ammoniten mit zum Teil eigenwillig geformten Gehäusen, Belemnitentiere und Fische (z. B. Haifische).
Am Veranstaltungstag kamen überaus viele Interessenten nach Höver, um dort ihr Glück zu versuchen und nach Fossilien zu suchen.
Im Vorfeld waren durch die Werksleitung, in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Abteilung "Arbeitssicherheit", Maßnahmen diskutiert und umgesetzt worden um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten und ihnen eine gefahrlose Suche zu ermöglichen. Der zum Suchen geeignete Bereich war mit Markierungen gekennzeichnet und es wurde darauf geachtet, dass die Besucher sich nur in diesen Bereichen aufhielten.
Neben der Suche nach Fossilien wurden den Besuchern auch weitere Informationen und Erklärungen über die Paläontologie und Erdgeschichte gegeben. Eine kleine Fossilien-Ausstellung rundete das Angebot zum bundesweiten "Tag des Geotops" ab.

Dipl.-Geol. Heiko Nuß, StBG





Inhaltsverzeichnis Ausgabe 2/03 | Zurück zu unserer Homepage