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[Die Industrie der Steine + Erden]






Die Axt im Haus...

soll, so der Volksmund, den Zimmermann ersetzen. Gemeint ist jedoch vielmehr, dass der Mann im Haus den Handwerker möglichst ersetzen sollte.
Ein Bekannter von mir entspricht diesem, von Ehefrauen gern geäußerten Wunsch, so gar nicht. Er ist meist nicht einmal in der Lage, einen Nagel gerade in die Wand zu hauen. Schon das Anbringen eines kleinen Bildes ist ein Graus für ihn. Gern ruft er mich zur Unterstützung an, obwohl mein handwerkliches Geschick ebenfalls gegen null tendiert. Aber ich bin ihm dann ein Beistand, der bestätigt, dass gerade in dieser Wand kein Nagel halten kann.
Nun kann man jedoch zur Entschuldigung anführen, dass unsere Wohnungen in Altbauten liegen, und wer dort einmal Bilder aufgehängt hat, weiß wovon ich schreibe. Entweder ist die Wand an der fraglichen Stelle derart bröckelig, dass ein Nagel keinen Halt findet - oder so hart, dass man ihn gar nicht hinein bekommt. Es muss dann wegen eines kleinen Bildes zum "Boschhammer" gegriffen werden.
Vor kurzem war es wieder einmal so weit. Mein Bekannter sollte einen dieser modernen Gardinendrähte anbringen.
Hierzu wird zwischen zwei eingedübelten Haken eine Drahtschnur auf Spannung gebracht, die dann die Gardine hält. Es war klar, dass er hierzu meiner Hilfe bedurfte. Erstaunlicherweise waren die beiden Dübel ohne Zwischenfälle rasch versenkt und Haken eingedreht. Beim Spannen des Drahtes kam es dann zum ersten Zwischenfall: durch die Belastung brach ein Dübel aus der Wand. Natürlich unter Mitnahme eines größeren Putzstückchens.
Die daraufhin angesetzte weitere Bohrung erwies sich als zu nah an der ersten, so dass der Dübel ebenfalls nicht der auftretenden Belastung standhielt. Das Loch in der Wand vergrößerte sich. Es war nunmehr eine Verfüllung mit Gips angezeigt. Die trockene Wand sog die in der Masse enthaltene Feuchtigkeit derart gierig auf, dass die Füllung bröckelig wurde.
Ich fuhr zum Baumarkt, um schnellbindende Spachtelmasse zu besorgen.
Jetzt sollte eigentlich nichts mehr passieren. Im Baumarkt hatte ich mir auch noch fachmännischen Rat zum korrekten Einbau einer Gardinenhalterung der modernen Art eingeholt. Der freundliche Mitarbeiter gab mir auch längere Halteösen mit, die in die Dübel zu schrauben waren. Mit dem erforderlichen Equipment ausgestattet und guten Ratschlägen versehen, konnte eigentlich nichts mehr schief gehen.
Außer der Tatsache, dass mein Bekannter mit einem Finger fast an der wirklich schnell bindenden Spachtelmasse hängen blieb und einen Hautfetzen einbüßte, gelang es, die Gardinenaufhängung anzubringen. Durch die längeren Ösen wurde der Zug nun auch besser abgeleitet, so dass die Dübel hielten. Wir bestaunten unser Werk. Die Frau meines Bekannten war froh, dass sie ihre Gardine aufhängen konnte, und es letztlich nur zu kleineren Blessuren gekommen war. Von einem weiteren Auftrag hat sie noch nicht gesprochen. Vielleicht sollte dann doch der Zimmermann ... ?
Hans-Jürgen Bahr

Illustration





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