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[Die Industrie der Steine + Erden]






Neue Lust aufs Bauen

Die 47. Ulmer Beton- und Fertigteil-Tage machen es vor


Ohne Zweifel haben sich die Ulmer Beton- und Fertigteil- Tage im letzten Jahrzehnt zum bedeutendsten Fachkongress und zentralen Treffpunkt der Branche in Deutschland entwickelt. Den besten Beweis für die verändert hohe Attraktivität dieses nun zum 47. Male durchgeführten Branchentreffen bildeten die - trotz einer nicht gerade strahlenden Baukonjunktur - registrierten 1.400 Teilnehmer, davon 120 aus dem Ausland. Vom 18. bis 20. Februar 2003 hatten sich diese im Edwin-Scharff-Haus in Neu-Ulm eingefunden, um sich über die neuesten Entwicklungen und Wachstumspotenziale im Bereich vorgefertigte Betonbauteile zu informieren und getreu dem Kongressmotto die "Neue Lust aufs Bauen" zu entdecken.

Besonderes Gewicht legten die Veranstalter in diesem Jahr auf die konkrete Hilfestellung für die Unternehmenspraxis. Sowohl das technische als auch das wirtschaftliche Fachprogramm boten für die Führungskräfte der Branche hinaus Werkleitern, EDV-Planern aber auch Marktpartnern wie Architekten und planenden Ingenieuren praktische Weiterbildungsangebote und schafften somit einen Dialog im Markt.



Die Fachtagung

In seiner Kongresseröffnung hatte Rolf Werle, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Beton- und Fertigteil-Industrie e. V. den Teilnehmern wenig erfreuliches zu berichten. So musste die deutsche Beton- und Fertigteil-Industrie im Jahre 2002 einen weiteren dramatischen Rückgang sowohl in der Produktion als auch im Umsatz hinnehmen und dies so Werle, zum sechsten Mal in Folge. Besonders schmerzlich und teilweise an die Existenz der Unternehmen gehend sei dabei der Preisverfall. So sank z. B. bei den konstruktiven Fertigteilen die Produktionsmenge um etwa 10 Prozent, der Nettowarenwert aber um 25 Prozent. Mauersteine und -blöcke blieben hinsichtlich der Menge etwa wie im Vorjahr, beim Nettowarenwert seien sie aber um 35 Prozent gesunken. Auch bei den für diesen Industriebereich so wichtigen Erzeugnissen mit vorgefertigten Betonerzeugnissen für Straßen-, Garten- und Landschaftsbau sehe es nicht besser aus.
Der Mengenrückgang läge hier bei etwa 5 Prozent, der Preisrückgang aber bei fast 18 Prozent. Insgesamt rechne man mit einem Gesamtumsatz für das Jahr 2002 von etwa 4,2 Mrd. Euro, was einem Rückgang gegenüber 2001 um 11 Prozent entspreche. Werle machte aber auch den Teilnehmern Mut: Die deutsche Beton- und Fertigteil-Industrie habe sich in der Vergangenheit als leistungsfähig und innovativ erwiesen, nicht zuletzt aufgrund ihrer durch und durch mittelständischen Struktur. Nicht von ungefähr konnte daher in den letzten Jahren der Anteil vorgefertigter Betonerzeugnisse beim Bauen ständig erhöht werden. Aufbauend auf dieser Tendenz richtete er den Appell an die Teilnehmer: nicht Menge machen sondern Markt machen sei das Gebot der Stunde.



Betonfertigteile für die Zukunft

Perspektiven für die Zukunft der Bauwirtschaft in Deutschland zeigte Prof. Dr. Meinhard Miegel, Wirtschaftsforscher und Direktor des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, Bonn, in seinem Eröffnungsvortrag auf. Mit den Ergebnissen einer aktuellen Studie präsentierte er die Fakten zur Entwicklung der Bauwirtschaft bis 2010. Danach werde sich der in Westdeutschland seit Jahrzehnten zu beobachtende Rückgang des gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungs- und Beschäftigungsanteils der Bauwirtschaft in den kommenden Jahren in ganz Deutschland fortsetzen.
Während bis 2010 das reale Bruttoinlandprodukt jahresdurchschnittlich ca. 1,6 steigen werde, werde die Bauproduktion stagnieren. Mit einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen im Baubereich sei zu rechnen. Der weiter steigenden Konkurrenzdruck werde die Unternehmen noch mehr zu einem verstärkten Einsatz von Kapital und Wissen zwingen.



Technologien von morgen und übermorgen

Unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Josef Eibl, Karlsruhe, gaben die Referenten des Podiums 1 einen Überblick über sich abzeichnende Entwicklungen und wachsende Chancen der Fertigteilbauweise mit Beton. Diese ergeben sich zum einen durch die Möglichkeiten der Vorfertigung mit erhöhter Fertigungstiefe, zum anderen durch die Verwendung von Hoch- und Höchstleistungsbetonen, die sich nur werkmäßig herstellen und verarbeiten lassen.



Weiterbildungsangebote für Praktiker

Das Podium 2 "Praxis aktuell" richtete sich gezielt an Praktiker und befasste sich mit Alltagsfragen aus den Betonfertigteilwerken.
Unter der Leitung von Dr.- Ing. Franz Blume, Verband Beton- und Fertigteilindustrie Nord, Großburgwedel, standen Spezialisten Rede und Antwort. Rissbildungen, Unregelmäßigkeiten bei Sichtbeton und der fachgerechte Einsatz von Spachtelmassen wurden ebenso erörtert wie der Einsatz von Faserbeton oder beidseitig schalungsglatten Wänden. Eine konkrete Hilfestellung bei der Umstellung auf die neue DIN 1045 gab das Podium 3. Anhand von durchgerechneten Beispielen gaben die Referenten einen Überblick über die Regelung der neuen DIN 1045 und erläuterten die praxisgerechte Unterstützung durch EDV-Programme.



Hoch- und Tiefbau: Programm nach Maß

In Zusammenarbeit mit den Fachvereinigungen und Fachgruppen der Branche sowie der Deutschen Bauzeitschrift wurden die Podien 4 und 5 gestaltet. Hier wurden aktuelle Entwicklungen im konstruktiven Fertigteilbau, bei Betonbauteilen mit Gitterträgern sowie bei Leichtbetonelementen parallel zu innovativen Ergebnissen im Kanalbau, im Straßen-, Landschafts- und Gartenbau und der Klär- und Abscheidetechnik vorgestellt.



Der "Management-Tag"

Welche Wachstumschancen sich trotz stagnierendem Heimatmarkt für das innovative Bauen mit Betonelementen bieten, stand im Vordergrund des betriebswirtschaftlichen Schwerpunkttages.
Markterweiterung, Marktdurchdringung und Produktinnovation stellten dabei die Stoßrichtungen dar. Das Podium "Wirtschaft aktuell" griff aktuelle Fragen der betrieblichen Praxis aus Führung und Marketing und Recht auf.



Betonwerksteinpreis für Gestaltung

Dass Kreativität und räumliches Vorstellungsvermögen in den Berufen "Betonfertigung" genauso gefragt sind wie handwerkliches Geschick, technisches Verständnis und innovative Ideen, das bewiesen die ausgestellten Meisterstücke der Absolventen der Bundesfachschule für Betonfertigteilbauer und Betonstein- und Terrazzohersteller in Ulm.
Der Betonwerksteinpreis für Gestaltung wird jährlich vom Bundesfachverband Beton- und Fertigteilwerke Baden-Württemberg, Stuttgart und Dyckerhoff Weiss, Wiesbaden anlässlich der Ulmer Beton- und Fertigteil-Tage verliehen.
Über den ersten Preis konnte sich dieses Jahr Manfred Berger aus Aitrach freuen. Sein drehbarer Couchtisch aus pigmentiertem und feingeschliffenem Betonwerkstein spiegelt seine Liebe zur Astronomie wider.
Eine ungewöhnliche Idee für ein Meisterstück hatte Waldemar Rot. Er baute mit sehr viel Liebe zum Detail eine Kanone aus Betonwerkstein nach. Die handwerklich bestechende Arbeit zeigt die Fähigkeit des Baustoffs Beton, perfekte Repliken zu schaffen.
Eine Marktlücke für Produkte aus Betonwerkstein entdeckte Jungmeister Thorsten Bratz. Seine "Klingel-Licht-Sprechanlagen" aus sandsteinfarbenem, geschliffenem Betonwerkstein, die moderne Designelemente wie Edelstahl und Glas aufnimmt, stellt den Typus einer modernen Kommunikationssäule dar.


"Klingel-Licht-Sprechanlage" 1. Preis: Manfred Berger für den "Drehbaren Couchtisch"
Belobigt wurden Thorsten Bratz für die  und Waldemar Rot für die "Betonkanone"
Die Preisträger des "Betonwerksteinpreises für Gestaltung" - ausgezeichnet während der Ulmer Beton- und Fertigteiltage:
1. Preis: Manfred Berger für den "Drehbaren Couchtisch"
Belobigt wurden Thorsten Bratz für die "Klingel-Licht-Sprechanlage" und Waldemar Rot für die "Betonkanone"




Die Fachausstellung

Wie in jedem Jahr bot die den Fachkongress begleitende Fachausstellung den Teilnehmern ausreichend Gelegenheit, sich über neue Produkte und Dienstleistungsangebote für die Beton- und Fertigteil-Industrie zu informieren. Nachfolgend stellen wir einige Highlights der diesjährigen Fachausstellung vor:



Weltneuheit: Konusmischer von Kniele

Kniele Baumaschinen, Bad Buchau, präsentierte als Weltneuheit den Konusmischer KKM. Der trichterförmige Mischbehälter besteht aus zwei Rührwerken.
Das zentral laufende Schneckenrührwerk fördert das Mischgut in vertikaler Richtung, dabei erfährt das von der Schnecke geförderte Mischgut eine Rotationsbewegung.
Das äußere Rührarmrührwerk arbeitet dieser Rotationsbewegung entgegen. Durch dieses neue Mischprinzip wird ein optimaler Mischeffekt bei extrem kurzen Mischzeiten erzielt. Beide Rührwerke können stufenlos geregelt werden, womit jeder Mischprozess exakt eingestellt werden kann. Mit diesem Mischer Korngrößen bis 64 mm problemlos verarbeitet werden. Durch die trichterförmige Bauart wird das Mischgut auf dem natürlichen Weg der Schwerkraft, d. h. senkrecht nach unten im freien Fall entleert. Damit ist eine restlose Entleerung in kürzester Zeit gewährleistet. Bei all diesen Vorteilen, zeichnet sich der Mischer durch eine kompakte Bauweise aus. Damit kann der Konusmischer KKM in vorhandene Anlagen relativ einfach nachträglich eingebaut werden. Schließlich wurden gegenüber herkömmlichen Mischern die Verschleißflächen um 50 % reduziert.
Statt Boden-, Außen- und Innenwand gibt es nur noch den konischen Trichter als Verschleißfläche. Die geringe Drehzahl des Außenrührwerkes führt ebenfalls zu einem geringeren Verschleiß an Außenwand und Abstreifern.
Durch eine optional erhältliche automatische Mischerreinigung kann dieser schnell und sicher gereinigt werden. Dieser Weltneuheit wurde im Rahmen der Ulmer Beton- und Fertigteil-Tage der Innovationspreis 2003 der Zulieferindustrie Betonfertigteile verliehen.



Neue Schwingeinsatz-Form von Kobra

Kobra Formen, Lengenfeld, präsentierte erstmals ihre neuartige Schwingeinsatz-Form. Bei den herkömmlichen Formen ist der Rahmen starr verschweißt, so dass die Schwingungen im Formeinsatz nicht ausgenutzt werden und durch Spannungen, Risse und Rahmenbrüche auftreten. Die Schwingeinsatz-Form hingegen besteht aus einem beweglich gelagerten Formeinsatz und einem geschraubten Formrahmen. Dies hat eine bessere Verdichtung des Betonproduktes und eine geringere Übertragung der Schwingungen auf den Formenrahmen bzw. die Maschine zur Folge und somit natürlich auch einen geringeren Verschleiß.
Auch diese Neuerung überzeugte die Jury-Mitglieder des Innovationspreises. Kobra erhielt für diese Idee ebenfalls einen Preis in der Kategorie "Herstellungstechnik".



Softwarelösungen von Procon

Für ihr branchenbezogenes elektronisches System zur Lieferscheinquittierung und Rücklieferungserfassung auf der Baustelle erhielt Procon, Langen, den Innovationspreis in der Kategorie "Software". Der Vorteil gegenüber dem konventionellen Lieferschein liegt nicht nur in der Minimierung des Verwaltungsaufwandes und der einfachen Handhabung, sondern auch in der Verbesserung des Kundenservices durch die schnellere Auftragsbearbeitung und die erhöhte Transparenz. Das System basiert auf handelsüblichen Smartphones mit Pocket PC 2002 Betriebssystem und ist vor allem für Serienprodukte für Pflastersteine, Beton- und Stahlbetonrohre, Schachtunterteile, Betondecken und -wände geeignet.



In-line Veralterung von Betonsteinen

Ein neuartiges Verfahren zur Veralterung von Betonsteinen präsentierte Rekers, Spelle, auf den diesjährigen Ulmer Beton- und Fertigteil-Tagen. Der auch in bestehende Umlaufanlagen nachrüstbare "Rekers-Steinantiker" bearbeitet mechanisch die Betonsteine auf der Hartseite im Umlauf der Paketieranlage.
Damit können sowohl Betonsteine als auch Betonplatten direkt auf den Unterlagsbrettern veraltert werden. Das Verfahren ist auch anwendbar bei unterschiedlichen Steingrößen pro Lage. Mit dem "Rekers-Steinantiker" müssen die Betonsteine bzw. Betonplatten nicht zusätzlich sortiert, gruppiert oder paketiert werden.
Das macht das Verfahren wirtschaftlich interessant. Nach Angaben von Rekers können in einer Einzelanlage ca. 180 cbm/h veraltert werden.


Der "Steinantiker" bearbeitet die Oberflächen der Steine mechanisch, um sie künstlich zu "veraltern"
Der "Steinantiker" bearbeitet die Oberflächen
der Steine mechanisch, um sie künstlich zu "veraltern"




Neue Durchstanzbewehrung für Elementdecken

Von Halfen-Deha, Langefeld-Richrath, wurde eine speziell für die Herstellung von Elementdecken in Betonfertigteilwerken entwickelte Durchstanzbewehrung vorgestellt. Diese Bewehrungselemente werden in den durchstanzgefährdeten Bereichen der Elementdecken platziert und einbetoniert. Der besondere Vorteil liegt in der schnellen und einfachen Verarbeitung nach dem Verlegen der unteren Bewehrung und der Gitterträger. Anstelle mit den für diesen Anwendungsbereich störenden unteren Montageleisten werden die Doppelkopfbolzen im oberen Bereich durch speziell entwickelte Montageprofile in der errechneten Position fixiert.
Diese dünnen Montageprofile werden nach dem Betoniervorgang einfach abgezogen, so dass auf der Baustelle ein behinderungsfreies Verlegen der oberen Bewehrung erfolgen kann. Die erforderliche Betonüberdeckung nach unten gewährleisten die an den außen liegenden Doppelkopfbolzen drehbar angebrachten Standbügel mit aufgesteckten Kunststoffkappen.
Drehbar angebracht sind die Bügel deshalb, damit sie besser zwischen die vorhandene untere Bewehrung der Elementdecken eingebracht werden können. Besonders wirtschaftlich ist der Einbau der neuen HDB-F-Durchstandsbewehrung, wenn Elementdecken in Umlaufanlagen produziert
werden.
Alle automatisierten Prozesse, wie z. B. das Verlegen der unteren Bewehrung und der Gitterträger können ungestört ablaufen. Die neuen HDB-F-Elemente können unabhängig von diesen Prozessen nachträglich von oben eingebaut werden. Montagezeiten für die HDB-Felemente werden gegenüber der bisherigen Lösung um bis zu 50 Prozent reduziert.


Die neuen Bewehrungselemente von Halfen werden in den durchstanzgefährdeten Bereichen der Elementdecken platziert und einbetoniert
Die neuen Bewehrungselemente von Halfen werden in
den durchstanzgefährdeten Bereichen der Elementdecken
platziert und einbetoniert




Innovationssprung bei der Treppenfertigung

Feststehende, nicht verstellbare Schalungssysteme erfordern einen hohen Aufwand an vorzuhaltenden Treppenschalungen, einen großen Platzbedarf und sind dennoch nicht flexibel einsetzbar.
Bisherige, verstellbare Schalungssysteme müssen von Hand auf das gewünschte Steigungsverhältnis umgestellt werden. Diese Verstellverfahren sind ungenau und zeitintensiv, da bei jeder Stufe die Steigungshöhe und die Auftrittsbreite einzeln manuell eingestellt werden muss.
Von PRINZING, Blaubeuren, wurde in Ulm ein Treppenschalautomat mit der Typenbezeichnung "Sirius" vorgestellt. Dieser erlaubt eine schnellen und stufenlose Einstellung aller Variablen.
Durch die Eingabe der Steigungshöhe (von 160 bis 200 mm) und der Auftrittsbreite (von 250 bis 300 mm) erfolgt die Umstellung für alle 18 Stufen vollautomatisch in wenigen Sekunden.
Anschließend erfolgt die Einstellung der Stegstärke (von 100 bis 260 mm) mittels Handrad. Jetzt kann die Bewehrung eingebracht werden. Die Treppenform ist dazu noch offen und gut zugänglich.
Über Elektroantriebe erfolgt nun das exakte Einstellen der Laufbreite (von 800 bis 1.500 mm) und der Treppengesamtlänge (bis 18 Stufen und max. 6,5 m Länge). Danach können die Podeste oben und unten durch Schnellverstellungen variabel angeschalt werden. Die variable Treppenform ist nun dicht geschlossen und wird bündig zur vorderen Schalungswand mit Beton gefüllt. Die Einstell- und Einschalzeiten können nach Angaben von Prinzing mit dem neu entwickelten Treppenschalautomaten gegenüber der besten herkömmlichen Treppenschalung um ca. 80 Prozent verringert werden.


Der neue Treppenschalungsautomat "Sirius" erlaubt bis zu 80 Prozent kürzere Schalzeiten
Der neue Treppenschalungsautomat "Sirius"
erlaubt bis zu 80 Prozent kürzere Schalzeiten




Innovatives CAD-System für die Betonfertigteil-Industrie

IDAT, Darmstadt, präsentierte in Ulm ein innovatives CAD-System zur Bearbeitung von Betonfertigteildecken und -wänden. Die Basis für dieses System ist AutoCAD mit dem Architectural Desktop (3D-Gebäudemodell) und garantiert damit eine maximale Kompatibilität zum Industriestandard.
Mit Acad-Decke können Massiv- und Elementdecken (Filigrandecken) elementiert werden.
Eine Erweiterung für Spannbeton- und Hohlkörperdecken befindet sich in der Entwicklung. Acad-Wand ermöglicht die Elementierung von Massivwänden, Doppelwänden, Sandwichwänden sowie von Steinwänden (z. B. für die Kalksandstein-Industrie). Die Eingabe erfolgt über einfach zu bedienende
Funktionen, die den Auto-CAD-Befehlen sehr ähnlich sind. Hat ein Architekt das Gebäude mit dem Architectural Desktop entworfen, so können die 3D-Gebäudedaten direkt übernommen werden. Nachdem alle Gebäudedaten zur Verfügung stehen, kann mit der Elementierung der Wände begonnen werden.
Für die automatische Unterteilung der Wände in zu fertigende Elemente steht ein leistungsfähiges Softwaremodul bereit. Es werden dabei zahlreiche fertigungstechnische und statistische Randparameter berücksichtigt.
Ebenso kann ein maximales Wandgewicht, sowie ein Kranstandort vorgegeben und bei der Elementierung mit berücksichtigt werden. Für jedes Decken- bzw. Wandelement wird auf Knopfdruck ein gesonderter Fertigungsplan erstellt. Dieser Plan enthält das Element mit allen Einbauteilen
und der Bewehrung, eine komplette Vermasung, mehrere Ansichten des Elements, eine Stahl- und Einbauteilliste und eine Biegeliste. Auf Knopfdruck wird auch ein vollständiger Verlegeplan für die Baustelle erstellt.


Gebäudemodell in Auto-CAD
Gebäudemodell in Auto-CAD




Oberflächenbehandlung von Betonsteinprodukten durch Sprühsysteme


In zunehmenden Maße, setzt sich die zusätzliche Oberflächenbehandlung von Betonsteinprodukten durch. Dies geschieht in der Regel durch flüssige Produkte, welche meist durch Sprühsysteme berührungslos auf die sichtbare Oberfläche aufgebracht werden.
Drei entscheidende Kriterien sorgen in der Regel für die Entscheidung, die Betonsteinprodukte zusätzlich zu behandeln:
  • Schutz gegen unnatürliche Einflüsse, wie z. B. Reifenabrieb oder Öltropfen,
  • Veredeltes Outfit der sichtbaren Oberfläche durch z. B. optische Steigerung der Farbtiefe,
  • Schutz gegen natürliche Einflüsse wie z. B. Moosbildung, UV-Strahlung der Sonne.

Zur Oberflächenbehandlung von Betonsteinen gibt es unterschiedlichste fluide Medien. So wird zwischen Medien mit und ohne Lösemitteln sowie zwischen Imprägnierung und Beschichtung unterschieden. Lösemittelhaltige Produkte haben die Eigenschaft, sehr schnell zu trocknen, indem das Lösemittel nach dem Auftrag in kürzester Zeit entweicht. Dies ist ideal zur Bearbeitung von Betonsteinprodukten im automatischen Produktionsprozess vor der Verpackung.
Leider sind die entweichenden Stoffe meist giftig und riechen extrem unangenehm im Produktionsprozess. Hier sind für die Mitarbeiter entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Lösungsmittelfreie Produkte trocknen langsamer als lösemittelhaltige Produkte. Das Lösemittel ist hier Wasser. Dies ist umweltfreundlich und führt dazu, dass keine störenden Lösemittel freigesetzt werden können. Bei der Imprägnierung werden Produkte auf die Betonsteinoberfläche aufgetragen, welche schnell in die Betonstruktur einziehen und keinen sichtbaren Film hinterlassen.
Beschichtungen sind meist Kunststoffdispersionen auf Wasserbasis (lösemittelfrei), welche auf die Betonsteinoberfläche aufgetragen werden. Sie verbinden sich nach dem Auftrag mit der Oberfläche und hinterlassen nach dem Trocknen an der Luft eine Kunststoffschicht. Solange diese Schicht besteht, wird die Oberfläche wirkungsvoll gegen Umwelteinflüsse geschützt.
Der schwierigste und komplexeste Fall zum automatisierten Aufbringen eines Mediums auf eine Betonsteinoberfläche, stellt allerdings der Auftrag von Kunststoffdispersionen dar.
Von der Firma BM Anlagenbau und Dosiertechnik GmbH, Hameln, wurde jetzt eine neues Verfahren zum Aufsprühen von Kunststoffdispersionen in automatisierten Anlagen vorgestellt.
Die Sprühanlage besteht aus einer Pumpe, der Steuerung und dem Sprühsystem. Diese besteht aus einer T-Konstruktion, an der alle notwendigen Aktoren befestigt sind. Es ist zur Befestigung an einer Portalkonstruktion vorgesehen, die vom Betreiber in der Regel selbst vorbereitet wird. Auf Wunsch kann auch eine Haltekonstruktion aus einem Profilsystem geliefert werden.

Pumpe
Grundsätzlich vertragen Kunststoffdispersionen keine Scherkräfte. Dementsprechend müssen Pumpen eingesetzt werden, welche das Material schonend befördern. Da die Anlage pneumatisch arbeitet wird eine Druckluftmembranpumpe aus Kunststoff mit speziellem Dichtwerkstoff eingesetzt. Diese fördert zwar das Material schonend, hat aber die unangenehme Eigenschaft der Pulsation. Deshalb wird beim Einsatz dieser Pumpen ein spezieller Pulsationsdämpfer installiert.

Sprühsystem
Das Sprühsystem ist so aufgebaut, dass es bis zu den Düsenmundstücken ein geschlossenes System darstellt, in das keine externe Luft eindringen kann. Je nach Sprühbreite der Anlage umfasst das System in der Regel 2 (bis ca. 50 cm Sprühbreite) bis 6 (bis ca. 150 cm) Sprüheinheiten. Die Sprüheinheiten sind horizontal verstellbar, das ganze Sprühsystem vertikal.



Bewegliche Sprühanlage
Bewegliche Sprühanlage


Vortrockner, Sprühanlage, Nachtrockner
Vortrockner, Sprühanlage, Nachtrockner


Steuerung
Die Steuerung schaltet alle Aktoren der Sprühanlage. Sie sorgt dafür, dass die Anlage nur sprüht, wenn der Sensor meldet und der Vorschub aktiviert ist.
Einsprühen bei Sensorsignal und stehendem System ist somit ausgeschlossen. Den wichtigsten Bestandteil der Steuerung stellt die Möglichkeit der automatischen Selbstreinigung dar. Die Kunststoffdispersion trocknet nach einer gewissen Zeit, die Düsen setzen sich zu. Nach Ablauf einer gewissen Zeit muss die Anlage automatisch sprühen.
Durch einen externen Schalter kann man zwischen "Reinigen / Sprühen" mit Medium oder Wasser wählen. Die Zeit, nach welchem Zeitraum gereinigt werden soll und die Reinigungszeit ist frei einstellbar.

Wartung und Pflege der Anlage
Die Kunststoffdispersion bewirkt einen gewissen Aufwand in der Wartung und Pflege der Anlage. Nach dem Auftrag der Dispersion soll der Kunststoff schnell trocknen - das ist erwünscht.
Natürlich trocknet er auch schnell an den Düsenmundstücken der Sprühanlage - das ist unerwünscht.
Gerade am Außenbereich der Düsenmundstücke, welcher von der Sprühanlage nicht mehr kontrollierbar ist, baut sich Material auf. Durch zu geringen Wasserdruck wird bei der Selbstreinigung nicht der gleiche Sprühwinkel erreicht, wie beim Sprühen. Daher müssen die Düsenmundstücke nach Beendigung des Produktionsprozesses und nach der Reinigung mit Wasser, z. B. mit einem nassen Schwamm, von außen gereinigt werden. Beim Ausbau der Teile ist darauf zu achten, dass sie sofort ins Wasser gelegt werden.

Auftragsmenge
Die Auftragsmenge richtet sich in erster Linie nach der Düsenmenge, Düsengröße, Arbeitsdruck und der Vorschubgeschwindigkeit der Oberfläche, welche besprüht werden soll. Die Vorschubgeschwindigkeit liegt in der Regel fest. Die Düsenmenge ergibt sich aus der Sprühbreite und dem Sprühwinkel der Düsen und liegt auch fest. Das bedeutet, dass die einzigen flexiblen Variablen
das Düsenmundstück und der Arbeitsdruck sind. Hier ist es äußerst wichtig, dass durch manuelle Vorversuche die notwendige Auftragsmenge ermittelt wird, um das Sprühsystem optimal auszulegen.

Temperatur
Kunststoffe werden mit fallender Temperatur Viskose und verlieren ihre Elastizität. Dies trifft auch für Kunststoffdispersionen zu. Deshalb ist die Verarbeitungstemperatur der Produkte von den Herstellern meist begrenzt. Zu niedrige Temperaturen machen das Material scherempfindlicher und führen u. U. zur Verstopfung des Filtersystems. Durch beheizbare Schlauchsysteme kann man diese Eigenschaft zum Teil kompensieren.
Dies bedeutet aber zusätzliche Material und Energiekosten. Durch mechanische Veränderung des Filtersystems und beheizbare Schlauchsysteme konnte das Sprühsystem so verbessert werden,
dass ein Betrieb bis knapp um 0°C möglich ist. Alle Anlagen von BM Anlagenbau und Dosiertechnik GmbH sind selbstverständlich serienmäßig mit diesem System ausgestattet.

Trocknung
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Trocknung des aufgesprühten Materials. In den meisten Anwendungsfällen wird das zu besprühende Produkt meist oberflächenbearbeitet, besprüht und nach dem Sprühen verpackt. Da eine Beschichtung bis zum Verpacken in der Regel nicht abgetrocknet ist, kann es durch Wärmezufuhr getrocknet werden.
Dies kann z. B. durch Infrarotheizelemente, Gas- oder Dieselbrenner geschehen. Eine verhältnismäßig kostengünstige und einfache Trockenvariante ist der Einsatz eines Dieselbrenners.
Ein Wärmeelement heizt die Betonsteinplatten vor dem Sprühen auf. Danach wird mit einem weiteren Wärmeelement getrocknet. Dazwischen ist eine Verdampfungsstrecke angeordnet. Ein weiteres Element am Ende trocknet die Platte verpackungsfertig ab.
Mit dieser von BM Anlagenbau und Dosiertechnik entwickelten Anlagensystem können Betonsteinoberflächen wirkungsvoll und wirtschaftlich mit Kunststoffdispersionen beschichtet werden.




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