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Erfolgreich(er) durch Stressbewältigung

Da die Belastung durch Stress im Berufsleben seit Jahren zunimmt und an Bedeutung gewinnt, bot die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft am 22. und 23. Februar in Mainz-Weisenau ein Pilotseminar unter dem Motto "Erfolgreich(er) durch Stressbewältigung" an.
Gemeinsam war den 18 teilnehmenden Unternehmern und Betriebsleitern, dass sie alle täglich sehr hohe Arbeitsanforderungen zu bewältigen haben, die durch die schlechte wirtschaftliche Lage, Konkurrenzdruck, enge Zeitvorgaben und ein hohes Maß an Verantwortung noch verschärft werden.
Oft bleiben dabei Freizeit, Hobbies und Erholung auf der Strecke: Einer der Anwesenden berichtete, dass er sich fünf Jahre lang keinen Urlaub mehr gegönnt habe, bei einem anderen gehen selbst abends um 23 Uhr noch geschäftliche Anrufe ein und den meisten fällt es schwer, nach der Arbeit abzuschalten und einzuschlafen.
Da die Seminargäste teilweise bereits negative gesundheitliche Auswirkungen durch die chronische Stressbelastung spüren, wurden schnell Fragen laut wie: "Wieviel Stress ist gut, was ist schädlich?", "Wie kann ich besser mit Stress-Situationen umgehen?", "Wie kann ich besser abschalten?" oder "Wie erkenne ich überhaupt, dass ich gestresst bin?". Auch der Erfahrungsaustausch mit den Kollegen aus anderen Betrieben war erwünscht.
Nachdem zunächst geklärt wurde, was Stress genau bedeutet und welche Reaktionen dabei auf körperlicher, geistiger, emotionaler und Verhaltensebene ablaufen, machte ein kurzer Selbsttest den Teilnehmern anschaulich deutlich, wie stressbelastet sie bereits sind und in welchen Lebensbereichen sie über Ausgleichsmöglichkeiten verfügen.


Dr. Marianne Engelhardt-Schagen erläuterte Möglichkeiten zur Stressbewältigung
Dr. Marianne Engelhardt-Schagen erläuterte
Möglichkeiten zur Stressbewältigung


Einige typische Stress-Situationen aus dem Berufsleben wurden im Plenum beschrieben und analysiert, um aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen Strategien abzuleiten, zukünftig besser mit Situationen dieser Art umgehen zu können.
Dass es nicht nur darauf ankommt, Stress zu vermeiden, sondern auch darauf, über welche Ressourcen man verfügt, stellte ein Vortrag von Dr. Detlev Jung, Privat-Dozent und Oberarzt des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Mainz, zum Thema "Salutogenese" (Entstehung und Entwicklung von Gesundheit) heraus: Die Salotugenese fragt, wie und wodurch Gesundheit entsteht und aus welchen Gründen bestimmte Personen trotz hoher Belastungen gesund bleiben.
Ein wichtiger gesundhaltender Faktor ist demnach das Gefühl, mit sich und seiner Umgebung im Einklang zu stehen. Dazu gehört das Gefühl von Sinnhaftigkeit (man muss einen Sinn in seinem Leben und der Arbeit sehen), das Gefühl von Verstehbarkeit (man sollte glauben, die Welt und das, was auf ihr geschieht, aber auch sich selbst und sein soziales Umfeld verstehen zu können) und das Gefühl von Bewältigbarkeit (man sollte bereits die Erfahrung gemacht haben, dass man wichtige Aufgaben auch bewältigen kann).
An Fallbeispielen wurde im Seminar anschließend aufgezeigt, wie man für organisatorische Probleme im Unternehmen adäquate Lösungsmöglichkeiten erarbeiten kann.
Wenn Menschen Stress erleben, beruht das auf bestimmten körperlichen und geistigen Prozessen, die zu einer Erhöhung der muskulären Anspannung führen. Da man nicht gleichzeitig muskulär entspannt und dabei emotional verspannt sein kann, ist auch die bewusste Entspannung des Körpers eine Möglichkeit der Stressbewältigung. Die Seminarteilnehmer erlebten dies, als sie unter Anleitung von Dr. Marianne Engelhardt-Schagen, Betriebsärztin bei der BEWAG Berlin, die Progressive Muskelrelaxation als Übung zur Entspannung verschiedener Körperpartien kennenlernten.
Auf ähnliche Weise stressmindernd wirken Atemübungen, autogenes Training und Phantasiereisen. Als weitere Möglichkeiten zum Belastungsausgleich wurden zudem Hobbies und Sport, Gespräche im Kreis der Familie oder unter Kollegen, Treffen mit Freunden sowie das Nehmen von Auszeiten aufgezählt. Aber auch ein realistischeres Setzen von Zielen im Sinne eines "Herunterhängens der Meßlatte" kann bisweilen angebracht sein, damit man sich nicht mehr Stress macht als nötig.
Die Seminarteilnehmer verließen die Veranstaltung mit vielen Erkenntnissen und neuen Strategien zur Bewältigung "stressiger" Situationen im Gepäck und äußerten einhellig den Wunsch, dass das Seminar keine Eintagsfliege gewesen sein sollte.
Bei Interesse zur Teilnahme an einem Seminar zur Stressbewältigung wenden Sie sich bitte an Ihren zuständigen Technischen Aufsichtsbeamten oder den zuständigen Betriebsarzt.

Dipl.-Psych. Nicole Jansen, StBG


Gruppenarbeit während des Stress-Seminars
Gruppenarbeit während
des Stress-Seminars






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