www.steine-und-erden.net > 2002 > Ausgabe 2/02 > Bell präsentiert neue D-Serie

[Die Industrie der Steine + Erden]






Bell präsentiert neue D-Serie

Mitte Februar stellte der südafrikanische Hersteller Bell Equipment in Alsfeld seine neue Serie knickgelenkter Muldenkipper offiziell vor. Rund drei Jahre Entwicklung und über 30.000 Stunden Prototypentests im harten Tagebau und auf streckenintensiven Erdbaustellen stecken in der D-Serie, die im Karosserie-Design eine nahezu vollständige, bei Antrieb, Hydraulik und Elektronik eine grundlegende Neuentwicklung gegenüber den Vorgängermodellen darstellt. Der Wiedererkennungseffekt beschränkt sich so einzig auf die typische Rippen-Mulde, die gegenüber den selbsttragenden Konstruktionen des Wettbewerbs Vorteile im Nutzlastvergleich bieten soll.
Unter dem zeitgemäß runden Gesicht des D-Serien-Triebkopfes steckt modernste Antriebs- und Hydrauliktechnik renommierter Zulieferer. Das neue elektronische Bell-Fahrzeugmanagement mit allen wichtigen Betriebszuständen in Echtzeit-Anzeige, parameter-gesteuertem „Notlauf" bei Ausfällen einzelner Aggregate und umfassenden Protokoll-Funktionen zur raschen Fehlerbehebung wurde in seiner Auslegung und Bauart exakt auf die Verhältnisse im Gewinnungs- und Baubetrieb angepasst.


Das "Schwergewicht" der neuen D-Serie: Der B 40 D
Das "Schwergewicht" der neuen
D-Serie: Der B 40 D




Antrieb und Fahrwerk überzeugen

Komplett neu sind die Antriebs- und Fahrwerkskonfigurationen der Bell-Knicklenker. Bei den kleineren Modellen B 25 D und B 30 D kommen die Mercedes-Benz Reihen-Sechszylinder OM 906 LA in Verbindung mit dem ZF Ecomat-Getriebe HP 592 C zum Einsatz. Der kurzbauende und leichte MB-Turbodiesel leistet in beiden Modellen 205 kW und stellt sein maximales Drehmoment jeweils über ein breites Drehzahlband zur Verfügung (B 25 D: 1000 Nm bei 1050-1850 U/min; B 30 D: 1100 Nm bei 1250-1500 U/min). Damit harmonieren die schadstoff- und verbrauchsoptimierten Triebwerke mit dem elektronisch gesteuerten ZF-Sechsgang-Lastschaltgetriebe.
Die Getriebe der Generation Ecomat 2 besitzen einen integrierten Retarder, der gemeinsam mit den Motorbrems-Funktionen eine maximale Bremswirkung von 442 kW bereitstellt. In Vortrieb umgesetzt wird die Kraft durch ein pneumatisch sperrbares Proportional-Differential (Kraftverteilung 33/67) und selbstsperrende Bell-Planetenachsen. Beide Fahrzeuge sind mit Zweikreis-Scheibenbremsanlagen an jeder Achse ausgerüstet.
In den großen Modellen kommt erstmals der neue „Actros"-OM 501 LA von Mercedes-Benz zum SKW-Einsatz. Der moderne V6-Turbodiesel löst die Acht-Zylinder-Triebwerke der Vorgängermodelle ab und bringt bei geringerem Leistungsgewicht höhere Maximalleistungen bei niedrigeren Drehzahlen (B 35 D: 290 kW bei 1800 U/min; B 40 D: 315 kW bei 1800 U/min). Sein maximales Drehmoment stellt das 12-Liter-Aggregat jeweils bereits bei 1080 Umdrehungen zur Verfügung (B 35 D: 1850 Nm; B 40 D: 2000 Nm).
In den großen Bell-Dumpern schaltet weiterhin die Allison HD4560-Sechsgang-Automatik. Der B 40 D nutzt serienmäßig den integrierten Getrieberetarder über eine joystick-programmierbare sechsstufige Vorwahlfunktion und stellt damit in Verbindung mit den MB-Motorbremsfunktionen souveräne 830 kW Verzögerungskraft bereit.
Im kleineren B 35 D ist der Getrieberetarder optional erhältlich, seine 270 kW-Hilfsbremse arbeitet serienmäßig ebenso programmierbar alleine über die motorseitige Auspuff- und Ventilbremse. Der Bell B 40 D besitzt verschleißfreie Ölbad-Lamellenbremsen an zwei Achsen (vorne/mitte), der B 35 D bremst vollhydraulisch mit großdimensionierten innenbelüfteten Scheibenbremsen an allen Rädern.
Konsequent überarbeitet wurde das Fahrwerk der neuen D-Knicklenker. Alle Fahrzeuge besitzen jetzt eine Öl-/Stickstoff-Federung vorne und eine hochrobuste hintere Tandemschwingen-Konstruktion mit Tri-Link-Charakteristik, die große vertikale Federwege bei einer guten seitlichen Führung der Hinterachsen ermöglicht. Moderne Werkstoffe in Buchsen und Federblöcken machen die Bell-Hinterachsen nahezu wartungsfrei.
Das Bell-Knickgelenk gewährleistet dank moderner Werkstoffe und robuster Konstruktionen wie Teflon-Buchsen und Kegelrollenlager eine hohe Lastaufnahme im Gelände und gute Fahreigenschaften auf schneller Strecke. Großdimensionierte Aufhängungen und Hydraulikzylinder garantieren dabei eine hohe Lebensdauer der aus der zentralen Loadsensing-Hydraulik vorrangig gespeisten und mit fahrabhängiger Notlenkpumpe ausgerüsteten Knicklenkung.


Leichter war Wartung noch nie: mit wenigen Handgriffen liegen der gesamte Antriebsstrang der Bell-Knicklenker frei (im Bild: B 40 D)
Leichter war Wartung noch nie: mit wenigen
Handgriffen liegen der gesamte Antriebsstrang
der Bell-Knicklenker frei (im Bild: B 40 D)




Auf Wirtschaftlichkeit programmiert

Neben hohen Fahrleistungen - alle Bell-Knicklenker erreichen Höchstgeschwindigkeiten zwischen 52 und 54 km/h - sind Leergewicht und Nutzlast, Fassungsvermögen und Lade- sowie Entladeeigenschaften wichtige Größen für die Wirtschaftlichkeit im intensiven Umlaufbetrieb.
Wichtig für den Dumperbetrieb ist auch die karosseriebedingte Geländegängigkeit am Belade- und schnelle Kippfunktionen am Entladeort. Dank kurzbauender Motor- und Antriebskombinationen und der spezifischen Knickgelenk-Hinterwagen-Kombination bieten alle Bell-Dumper Anfahrtswinkel von 30 Grad und eine große Bodenfreiheit von über 500 mm. Beim Entladen kommt die leistungsfähige Hydraulik mit neuen Automatikfunktionen zum Tragen: Nur 12,0/6,0 bzw. 13,0/7,6 Sekunden Hub-/Senkzeit benötigen B 25/30 D resp. B 35/40 D zum stabilen Abkippen unter Volllast, wobei die neuartige Endlagendämpfung mit kontrolliert-sanftem Auflegen der Mulde Fahrwerk und Fahrernerven schont.


Insbesondere am Berg spielen die leistungsfähigen Antriebe der neuen Bell D-Serie ihre Stärken voll aus
Insbesondere am Berg spielen die leistungsfähigen
Antriebe der neuen Bell D-Serie ihre Stärken voll aus




Betrieb und Service leicht gemacht

Auch im Fahrbetrieb, bei Routinekontrollen und turnusmäßigen Fahrzeugwartungen überzeugen die neuen Knicklenker.
Die Dumper-spezifischen Bedienelemente und Anzeigen sind gut erreichbar platziert, der Fahrer hat von seinem luftgefederten Fahrersitz aus gute Sicht durch die einteilige getönte Panorama-Frontscheibe und auf die großen elektrisch verstellbaren und beheizten Außenspiegel (Rückfahrkamera einbauvorbereitet). Mit maximal 76 db Innengeräusch bietet das serienmäßig vollklimatisierte Cockpit besten Fahrkomfort auch auf langer Schicht.
Im Feld sind Routinekontrollen und kleine Wartungsarbeiten durchweg vom Boden aus zu erledigen: Sichtfenster für alle Betriebsmittel und nur noch drei zentrale Abschmierleisten für alle Drehpunkte und Gelenke.
Die leicht öffnende GFK-Motorhaube und die per Handpumpe um 35 Grad kippbare Kabine legen in wenigen Minuten den gesamten Antriebsstrang frei und machen Motor- und Getriebechecks oder die Fehlersuche auch ohne Werkstattaufenthalt möglich.
Die weitgehende Verwendung moderner wartungsfreier oder wartungsarmer Bauteile und der Einbau qualitativ hochwertiger Komponenten und Aggregate erlaubte in Verbindung mit dem zentralen CANbus-gesteuerten Fahrzeugmanagement die Ausweitung der wichtigsten Wartungsintervalle. 500 Betriebsstunden für Motorkontrollen, über 2000 Stunden Laufzeit für Getriebe, Achsen und Hydraulik und gar 20 000 Betriebsstunden bis zur ersten empfohlenen Generalüberholung sind Werte, die die D-Serie zu echten Dauerläufern machen.




Inhaltsverzeichnis Ausgabe 2/02 | Zurück zu unserer Homepage