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[Die Industrie der Steine + Erden]






Intensive Fachdiskussionen auf "Forum Kies und Sand"

"Nichts ist so gut, dass es nicht verbessert werden könnte!" Mit diesen Worten eröffnete Michael Schulz, Vorsitzender des Bundesverbandes der deutschen Kies- und Sandindustrie e.V., am 23. Januar 2001 die 15. Fachtagung "Forum Kies und Sand" in Aachen. Erstmalig übernahm der Bundesverband in diesem Jahr die Veranstalterrolle. Damit wurde auch ein neues Konzept für die Ausrichtung der Tagung umgesetzt:
Aus der Fachtagung "Produktion von Kies und Sand" wurde ein Forum mit parallelen Vortragsblöcken nach dem Workshop-Prinzip. Zeitlich parallel angebotene Vorträge ermöglichten den 800 Teilnehmern eine individuelle Themenwahl je nach Interessenlage.
Unter dem Motto "Von Praktikern für Praktiker" wurde erstmals eine Fachexkursion zum Braunkohletagebau Hambach durchgeführt.




Gemäß dem Ziel der Veranstaltung, auf breiter Ebene Informationen zwischen Politik, Behörden, Unternehmen und Zulieferern auszutauschen, wurde den rund 800 Teilnehmern des Forums Kies und Sand 2001 eine breitgefächerte Themenpalette angeboten.
Gemäß dem Ziel der Veranstaltung,
auf breiter Ebene Informationen zwischen Politik,
Behörden, Unternehmen und Zulieferern auszutauschen,
wurde den rund 800 Teilnehmern des Forums Kies und Sand 2001
eine breitgefächerte Themenpalette angeboten.




Gemäß dem Ziel der Veranstaltung, Informationen und Entwicklungen zwischen Politik, Behörden, Unternehmen und Zulieferern auf breiter Ebene auszutauschen, wurden folgende Diskussionsforen angeboten:

Regionalplanung und Genehmigung
Hierbei wurde insbesondere die Ausweisung von Schutzgebieten im Rahmen der FFH (Fauna-Flora-Habitat)-Vogelschutzrichtlinie im Konflikt zur Sicherung und Ausweisung von Abbauflächen diskutiert. Beeindruckend ist, dass jährlich lediglich 0,005 Prozent der Fläche in der Bundesrepublik Deutschland für die Kies- und Sandgewinnung zur Verfügung steht. Demgegenüber wird eine mehr als tausendfach größere Fläche zur Umsetzung der FFH-Richtlinie ausgewiesen. Hierbei ist es unumgänglich über umweltgerechte Doppelnutzung nachzudenken. Die Kies- und Sandindustrie sieht sich in der Verantwortung, das Spannungsfeld zwischen dem Abbau und dem Naturschutz über den offenen und fairen Dialog in einem partnerschaftlichen Konsens zu lösen.

Neue Anlagentechnik mit den Schwerpunkten "sauberer Kies" und "effiziente Wasserkreisläufe"
Das Themenspektrum reichte über neue Entwicklungen in der Anlagentechnik, optimierte Aufbereitungsverfahren bei Verunreinigungen bis hin zur verbesserten Gestaltung von Wasserkreisläufen.
Positive Imagebildung
Die Genehmigung von Abbauflächen ist Sache der Kommunen. Deshalb ist es im Vorfeld sehr hilfreich, bereits mit einem positiven Image in der Bevölkerung anerkannt zu sein und auch den weiteren Abbauverlauf bis hin zur Rekultivierung mit Vorteilen für alle Beteiligten darzustellen. Hierzu dienen Projekte wie beispielsweise das baden-württembergische "KABA-Projekt" über Baggerseen, die im Konsens mit Umweltschutz und Behörden gestaltet und angelegt werden. Darüber hinaus gibt es ein BKS-Rekultivierungshandbuch "... die Zeit danach", aus dem positive Hinweise zur Landschaftsgestaltung im Zuge einer Folgenutzung entnommen werden können.




Die 15. Fachtagung Forum Kies und Sand 2001 fand vom 23. bis 25. Januar in Aachen statt.
Die 15. Fachtagung Forum Kies und Sand 2001 fand
vom 23. bis 25. Januar in Aachen statt.





Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen

Es ist ein zentrales Thema, die Wirtschaftlichkeit dieses Industriebereiches weiter zu verbessern. Erstmalig wurde dazu jetzt eine Aufwand- und Nutzenbetrachtung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Unternehmen der Kies- und Sandindustrie durchgeführt. Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, Leiter des Geschäftsbereiches Prävention der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft (StBG), stellte die provokante Frage: "Wirtschaftlicher durch Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz? – überflüssiger Kostenfaktor oder wichtiges Unternehmensziel?"
In der Kies- und Sandindustrie Deutschlands erleidet – so Ehnes – jeder neunte bis zehnte Arbeitnehmer einen Arbeits- oder Wegeunfall. Hierdurch werde nicht nur menschliches Leid verursacht, sondern es entständen auch hohe Kosten bei der Berufsgenossenschaft und den Unternehmen. Häufig entscheide „Haaresbreite" darüber, ob eine Schramme oder eine schwere Verletzung Unfallfolge sei. Aus Präventionsgesichtspunkten müsse es daher einen Konsens darüber geben, dass jeder Unfall vermeidbar ist und dass ein vermeintlich schicksalshaftes Eintreten von Arbeitsunfällen nicht existiert.
Die Betriebe der StBG bezahlen seit Jahrzehnten zwischen drei und vier Prozent der Lohnsumme als Beitrag. Eine Steigerung des Beitragssatzes konnte durch die Präventionsanstrengungen der Betriebe und der StBG verhindert werden. Wäre das Unfallgeschehen heute so hoch wie 1970, so wären durch die Unternehmen als Beitrag nicht 328 Millionen D-Mark aufzubringen, sondern 757 Millionen D-Mark, also das 2,3-fache! Ehnes: "Prävention kostet zwar Geld, ist aber immer eine sinnvolle Investition gewesen und wird es auch in Zukunft sein."
Die meisten Unfälle haben ihre Ursachen in Defiziten bei der Organisation und im Verhalten der Mitarbeiter. Eine Untersuchung von tödlichen Arbeitsunfällen ergab, dass rund 50 Prozent auf falsches Verhalten zurückzuführen waren. Organisationsmängel waren zu 30 Prozent und fehlerhafte Technik zu 20 Prozent Ursache der Unfälle. Dies zeigt, dass eine systematische Gefährdungsbeurteilung und Schwachstellenanalyse ein hohes Potential zur Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes bietet.
Deshalb beabsichtigt die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zusammen mit Partnern aus der Industrie und den Verbänden zusätzliche Seminare für Führungskräfte anzubieten. Außerdem werden besondere Beratungsangebote für Betriebe mit hohen Unfallzahlen entwickelt und gute Betriebe ausgezeichnet.


Begleitende Fachausstellung

Auch bei der begleitenden Fachausstellung des Forums Kies und Sand 2001 war die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft an exponierter Stelle präsent. Sie stellte den interessierten Fachteilnehmern neue Präventionspakete, Informationen und Entwicklungen auf dem Gebiet des Arbeits- und Gesundheitsschutzes vor. Schwerpunkt war diesmal, den Besuchern die Berufskrankheit Lärmschwerhörigkeit erfahrbar zu machen. Hierzu wurde eine "Lärmpyramide" vorgestellt, an der an vier Hörplätzen eine Schädigung des Gehörs simuliert wurde. Den Teilnehmern wurden über Kopfhörer zwei Musikbeispiele eingespielt. Das erste Beispiel entsprach der Wahrnehmung mit gesundem Gehör. Das zweite war technisch so verändert, dass es der Wahrnehmung eines Menschen mit geschädigtem Gehör entsprach. Die eindrucksvolle Erkenntnis: Schwerhörige hören nicht – wie allgemein angenommen – nur leiser, sondern ganze Musik- und Wortfragmente fallen weg.




Am Stand der StBG wurde unter anderem die Organisationshilfe Sicher mit System (SMS) vorgestellt.
Am Stand der StBG wurde unter anderem die
Organisationshilfe Sicher mit System (SMS) vorgestellt.




Des weiteren wurde am Stand der StBG die Organisationshilfe "Sicher mit System (SMS)" vorgestellt, mit der in den Unternehmen Arbeits- und Gesundheitsschutz praxisnah und effektiv umgesetzt werden kann.
Viele Teilnehmer stellten interessierte Fragen zum Förderpreis Arbeit • Sicherheit • Gesundheit der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft. Da eine große Anzahl der Besucher selbst Vorschläge zum Förderpreis 2000 eingereicht hatten, wurden Informationen über Art und Umfang der eingereichten Beiträge erwartet. Dabei wurde deutlich, dass in den Betrieben und Institutionen bereits jetzt – im Januar 2001 – neue Vorschläge für den Förderpreis 2001 vorliegen.
Insgesamt stellten in der begleitenden Fachausstellung mehr als 100 Aussteller, so viel wie nie zuvor, ihre Produkte vor. Auch dieses Angebot wurde von den Tagungsbesuchern genutzt, um direkt mit den Herstellern von Maschinen und Anlagen Kontakt aufzunehmen, bestehende Probleme zu erörtern und gemeinsam Lösungen zu suchen.
Einen wesentlichen Beitrag präsentierte die Fa. Motec, ein Hersteller von Kamera und Monitorsystemen. In der Kies- und Sandindustrie sind Erdbaumaschinen (Bagger, Radlader) in großer Zahl im Einsatz. Aufgrund der Geräteabmessungen und der konstruktiv bedingten Sichtfeldeinschränkungen kommt es immer wieder zu Unfällen. Die Fa. Motec zeigte die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten auch unter schwierigsten Bedingungen. Hierbei konnten viele Vorurteile der Besucher, die sich auf Verschmutzung der Kamera im Einsatz und auf schlechte Bilddarstellung im Monitor, z. B. durch Sonneneinstrahlung, bezogen, abgebaut werden. Aus Sicht der StBG ist dies ein inzwischen auch kostengünstiger Weg, um die Gefährdungen durch Sichteinschränkung zu reduzieren.
Nach übereinstimmender Meinung der Teilnehmer, der Aussteller und des Veranstalters hat sich das neue Konzept der Fachtagung bewährt. Die hohen Erwartungen wurden erfüllt. Die Veranstaltung "Forum Kies und Sand 2002" wird vom 19. bis 21. Februar 2002 in Aachen stattfinden. Ein Termin, den sich alle Interessierten vormerken sollten.


Dipl.-Ing. Wolfgang Horten, StBG
Dipl.-Berging. Alwin Königsmann, StBG
Sektion III, Bonn
Tel. 02 28 / 9 17 26 – 30




Intensiv genutzt wurde die begleitende Fachaustellung. Mehr als 100 Aussteller präsentierten ihre Produkte und boten die Chance zur Kontaktaufnahme und der Erörterung von aktuellen Branchenproblemen.
Intensiv genutzt wurde die begleitende Fachaustellung.
Mehr als 100 Aussteller präsentierten ihre Produkte
und boten die Chance zur Kontaktaufnahme und der
Erörterung von aktuellen Branchenproblemen.







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