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... fordert die Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer e. V. (ASU) unaufhörlich und meint damit angebliche
Missstände bei den Berufsgenossenschaften. Da ist von „Praxisferne des Angebots“, von „verminderter Servicementalität",
von „Obrigkeitsattitüden“, von „ständig ausgedehnten Geschäftsfeldern“ und sogar von „auswuchernder
Prävention" die Rede. Und das Allheilmittel? Natürlich sieht man es in der vollständigen Privatisierung
und Einschränkung des Leistungsspektrums.
Dabei ist eines völlig klar: Sachliche Kritik muss ernst genommen werden – dies tun wir selbstverständlich!
Jedes System – auch das Berufsgenossenschaftliche Unfallversicherungssystem – unterliegt einem Wandel und muss
stetig den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. Dies haben wir nicht erst seit heute erkannt und arbeiten
deshalb an der kontinuierlichen Verbesserung und Optimierung unseres
Leistungsspektrums – sowohl bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft als auch im gesamten bg’lichen Bereich!
Man darf aber wohl auch einmal die Frage stellen, welcher Zopf denn eigentlich ab muss? Ist es wirklich so, dass
Privatisierung immer Garant für Erfolgsgeschichten ist? Ein Blick auf die Erfahrungen mit der Bahnprivatisierung
in Deutschland oder England bestätigt diese Einschätzung gewiss nicht! Was ist mit der Privatisierung
der Brandversicherungsanstalten? Die Auswirkungen sind dort: Stetig ansteigende Beitragssätze, seit nicht
mehr das Solidarprinzip, sondern das Gewinnmaximierungsprinzip privatwirtschaftlicher Unternehmensführung
gilt. Kann es nicht auch unter privatwirtschaftlichen Prämissen zu Monopolstellungen kommen? Halten Sie sich
doch bitte einmal die Entwicklung der Benzinpreise vor Augen! Sinn und Zweck jedes privatwirtschaftlich geführten
Unternehmens ist letztlich die Gewinnmaximierung! Wollen wir dieses Prinzip tatsächlich auf die Soziale Absicherung
von Menschen, die Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten erlitten haben, erstrecken?
Ich meine: Man muss das System „Berufsgenossenschaft“ viel mehr als erfolgreiches Modell im Sinne einer Selbsthilfegemeinschaft
der Mitgliedsunternehmer sehen denn als Zwangsmonopol mit Zwangsmitgliedschaft. Dabei sollte man sich klar vor
Augen halten: Das Leistungsspektrum wird im Wesentlichen durch den Gesetzgeber festgelegt. Gerade unter diesem
Aspekt ist es doch ein Erfolg, dass Unfall- und Berufskrankheitenzahlen seit Jahren rückläufig sind,
obwohl neue Leistungsfälle hinzu kamen. Den branchengegliederten Berufsgenossenschaften „Praxisferne“ vorzuwerfen,
zeugt eher von Praxisferne dessen, der diesen Vorwurf erhebt! Gerade die Branchengliederung ist Garant dafür,
dass die BGen ganz eng am Puls der Zeit in ihren Mitgliedsunternehmen sind: In einer repräsentativen Unternehmerbefragung,
die im Rahmen der Einführung des sog. Unternehmermodells für Kleinbetriebe bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft
durchgeführt wurde, beurteilen über 90 Prozent der Befragten die Beratungsqualität durch die StBG
als gut oder sehr gut. Fast 80 Prozent der Unternehmer, die am Unternehmermodell teilnehmen, und das sind immerhin
fast 50 Prozent der unserer BG zugehörigen Unternehmer, betrachten die BG als kompetenten Partner und nicht
als Kontrollbehörde. Auch im internationalen Vergleich bestätigt sich immer wieder, dass die Präventions-
und Serviceangebote der Berufsgenossenschaften – und ich glaube behaupten zu dürfen, dass die StBG hier eine
Vorreiterrolle einnimmt – auf den richtigen Weg führen. International ist es inzwischen weniger eine Frage
des „Systems", sondern vielmehr eine Frage der „Inhalte". Dabei dürfen wir behaupten, dass viele
unserer Aktivitäten „Modellcharakter" einnehmen.
Bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft arbeiten wir intensiv und kontinuierlich an der Weiterentwicklung unserer
Konzepte. Zur Zeit diskutieren Arbeitgeber- und Versichertenvertreter innerhalb der Selbstverwaltung über
eine neue, mittelfristig angelegte Ausrichtung der Präventionsaktivitäten. Es ist zu erwarten, dass in
Kürze hierzu ein Strategiepapier „Prävention 2000 plus“ verabschiedet wird, über das wir Sie natürlich
informieren werden. Eines zeichnet sich schon jetzt ab: Beide Sozialpartnergruppen setzen auch weiterhin auf Prävention.
Denn: Dies ist der einzige Weg für weitere Erfolge in der Verringerung von Unfallzahlen und Berufskrankheiten,
aber auch der Kostenminimierung.
Ihr
Willi Lange
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