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[Die Industrie der Steine + Erden]






Krane und Hubarbeitsbühnen

Vor dem Hintergrund eines sich ständig verschärfenden Wettbewerbs und der Notwendigkeit, Produktivität konsequent zu steigern, kommt dem Materialumschlag mit Kranen auch in der Steine und Erden-Industrie ein besonderer Stellenwert zu. Diese sind nicht mehr "nur" Werkzeuge, um die Arbeit zu erleichtern, sondern Strategiefaktoren eines zukunftsorientierten Materialflussmanagementes. Seit vielen Jahren werden anstelle aufwendiger Gerüste Hubarbeitsbühnen der unterschiedlichsten Konstruktionen insbesondere bei der Durchführung von Sanierungs-, Reparatur- oder Reinigungsarbeiten an den verschiedensten Objekten eingesetzt.

Sowohl die flexiblen Einsatzmöglichkeiten als auch die hohe Mobilität machen Hubarbeitsbühnen zu Einrichtungen, mit denen Arbeiten unter Absturzgefahr sicher, schnell und damit wirtschaftlich ausgeführt werden können.



Krangiganten bauen Werfthalle für Cargolifter

Von 8 auf 107 in sechs Wochen. Hinter dieser Formel verbirgt sich der Aufbau des Stahlbogens, der sich von der Oberkante der Fundamentsockel (8 m Höhe) bis auf 107 m Höhe über den Himmel in Brandenburg erheben wird - und dies in nur 6 Wochen. Noch nie ist ein Gebäude so schnell "gewachsen" und noch nie ist eine so hohe Halle gebaut worden. Trotz der riesigen Ausmaße wirkt die tonnenschwere Konstruktion der Stahlbögen ausgesprochen leicht und elegant.

Der Bau der gigantischen Werfthalle für das Schwertransport-Luftschiff Cargo-Lifter läuft auf Hochtouren. Mit dabei sind gleich 4 schwere Demag Gittermast-Raupenkrane, zwei 600-Tonner des Typs CC 2800 sowie zwei 500-Tonner des Typs CC 2600.

Am Ende der Montagearbeiten für die tragenden Hallenbögen haben die Krane 15.000 t Stahl bewegt und verbaut.

Der Cargolifter braucht viel Platz. Mit einem Durchmesser von 65 m, einer Länge von 260 m und einer Höhe von 82 m entspricht er in etwa der Größe des Frankfurter Messeturms. Gefüllt mit unbrennbarem Helium verfügt der Cargolifter über eine Transportkapazität bis zu 160 t.

Die Stahlbögen der Werfthalle bestehen aus jeweils 10 einzelnen Segmenten, die parallel von beiden Seiten her stoßweise montiert werden. Jedes Segment ist etwa 100 t schwer. Wenn beidseitig jeweils 8 Segmente miteinander verschweißt und verschraubt sind, wird mittig eine Hilfsstütze errichtet; dann werden die letzten beiden Teile eingehoben, so dass der Bogen geschlossen ist. Diese mittleren Hilfsstützen sind fast 100 m hoch. Sie müssen bis zur Eindeckung und dem Einbau der Tore stehen bleiben, um im Bauzustand die Windkräfte ableiten zu können. Eingebaut werden die einzelnen Stahlsegmente mit Demag Gittermast-Raupenkranen. Die beiden Demag CC 2800 werden in Kombination SWSL mit 78 m langem Hauptausleger, 48 m langer Wippspitze und Superliftabspannung eingesetzt. In bestimmten Bauabschnitten arbeiten die beiden Demag CC 2800 im Tandemhub und ziehen dabei Stückgewichte bis 140 t auf eine Höhe von 107 m. Auf der Baustelle können die Gittermast-Raupenkrane ihre klassischen Vorteile wie enorme Tragfähigkeit, sehr große Hubhöhe und die Möglichkeit, unter Last zu verfahren, voll zur Geltung bringen.



Neuer 100-Tonner mit Spitzentechnik

Einen neuen All-Terrain-Mobilkran mit 100 t Traglast, 52 m langem Teleskopausleger und 5-Achs-Fahrgestell wird Liebherr auf der INTERMAT 2000 vorstellen. Der LTM 1100/2 ist ein "All-In-Kran", der unter Einhaltung des zulässigen Gesamtgewichts von 60 t im Fahrzustand je nach Ausrüstung max. 15 t, jedoch mindestens 11,5 t Ballast transportieren kann. Von drei oder vier Achsen angetrieben, Straßenbereifung bieten eine individuelle Aufrüstung und Anpassung des Krans an Zulassungsvorschriften und Ersatzerfordernisse. Mit dem 52 m langen, 6-teiligen und unter Teillast teleskopierbaren Teleskopausleger und der 19 m langen Doppelklappspitze setzt dieser Mobilkran Maßstäbe in puncto Hubhöhe und Reichweite in der 100-t-Klasse.

Der LTM 1100/2 ist äußerst kompakt gebaut und in seiner Gesamtkonstruktion mit modernsten Berechnungsmethoden gewichtsoptimiert.

Mobilkrane: Unentbehrliche Helfer in der Steine und Erden-Industrie (Foto: Mennen & Wittrock)
Mobilkrane: Unentbehrliche Helfer in
der Steine und Erden-Industrie
(Foto: Mennen & Wittrock)


Gegenüber dem Vorgängermodell konnte das Konstruktionsgewicht um 10 % reduziert werden. Der über 500 PS starke Liebherr-Turbo-Dieselmotor mit innovativer EURO 3 Technologie sorgt in Verbindung mit dem neuen ZF-16-Gang-AS-Tronic-Getriebe mit vollautomatischer, elektropneumatischer Schaltung für hohe Mobilität und Wirtschaftlichkeit sowie guten Bedienungskomfort. Die Achsen 1, 2, 4 und 5 sind permanent gelenkt, so dass ein Wenderadius von 10 m über Fahrzeug erreicht wird.

Für Diagonalfahrt kann die 3. Achse hydraulisch geliftet werden.

Kranelektrik und Kransteuerung sind mit umfangreicher Datenbustechnik auf hohem Niveau standardisiert. Die Verkabelung ist entscheidend reduziert und das neuartige Antriebskonzept mit der CAN-Bustechnik für Dieselmotor und automatisiertem Schaltgetriebe ist in das Gesamtsystem integriert.

Da Liebherr das komplette "Know-how" für die Datenbustechnik selbst entwickelt, sind die Kernmodule für sämtliche LTM-Krantypen baugleich. Die seit 1990 bis heute über 8000-fach erprobte LICCON-Computeranlage kommt auch im neuen 100-Tonner als modulares System zum Einsatz.

Er ist ebenfalls ausgestattet mit innovativer Auslegertechnologie mit dem Verwindungsstreifen - prämiert mit dem deutschen Stahl-Innovationspreis - ovalem Auslegerquerschnittsprofil und dem Teleskopiersystem "Telematik" mit der patentierten Innenverriegelung der Teleskope. Hohe Traglasten bis zum mittleren Ausladungsbereich und - aufgrund des leichten Teleskopiersystems - Spitzentraglasten bei weiten Ausladungen kennzeichnen das Leistungsspektrum des neuen Liebherr-All-Terrain-Krans. Fahrerhaus und Krankabine verkörpern ganzheitliches, von funktionalen Vorgaben geprägtes Design. Die ergonomisch gestalteten Arbeitsplätze bieten dem Kranführer durch viele individuelle Detaillösungen optimale Arbeitsbedingungen. Serienmäßig ist im LTM 1102/2 das Verfahren und Abstützen aus der Krankabine. Die Lenkung wird über Tastschalter aktiviert.

Selbstverständlich und für einen reibungslosen Kraneinsatz serienmäßig sind Ausstattungsmerkmale wie: Neigbare Krankabine mit pneumatisch ausfahrbarem Trittbrett, hydraulische Montagehilfe für die Klappsitze, Zentralschmieranlage im Oberwagen, elektrohydraulische Drehbühnenarretierung und automatische Abstütznivellierung. Mit Ballastvarianten zwischen 11,5 t und 34 t Maximalballast und bei kleinen Ballastradien sowie variabler Stützbasis ermöglicht der LTM 1100/2 ein besonders breites Einsatzspektrum.



Neue Hubarbeitsbühne T 225 von Ruthmann

Ruthmann-Steiger gelten unter den Kennern der Hubarbeitsbühnenbranche als sehr robuste und langlebige Geräte. Der T 225 gehört als Mitglied der bewährten T-Baureihe zu den Hubarbeitsbühnen, die für den härtesten Einsatz konstruiert sind. Nun wurde der T 225 noch weiter optimiert: Ruthmann erhöhte die Bühnentragfähigkeit jetzt auf 250 kg. Damit können künftig drei Personen sowie entsprechendes Werkzeug gleichzeitig zum Arbeitsobjekt befördert werden. Die Anwendungsbereiche sind vielfältig: Wartung von Beleuchtungsanlagen, Reinigung von Fenstern, Sanierung von Fassaden oder die Säuberung von Dachrinnen. Insbesondere bei Fassadenarbeiten, Reparaturen von Vordächern und Dachausbauten sind aufgrund der mitzuführenden Werkzeuge und des auszutauschenden Materials hohe Bühnentragfähigkeiten gefragt.

Der neue Steiger T 225 von Ruthmann mit 350 kg Bühnentragfähigkeit im Einsatz (Foto: Ruthmann)
Der neue Steiger T 225
von Ruthmann mit 350 kg Bühnentragfähigkeit
im Einsatz (Foto: Ruthmann)


Der neue T 225 verfügt wie sein Vorgänger auch über einen Bühnen-Hubarm (Rüssel). Damit lassen sich Einsatzobjekte leicht und bequem erreichen. Die Arbeitshöhe beträgt beim T 225 bis zu 22,5 m. Seine seitliche Reichweite liegt je nach Ausstattung und Bühnenlast bei bis zu je 16,5 m. Der Bühnen-Hubarm ermöglicht ein Anfahren schwer zugänglicher Stellen. Er lässt sich um 200 schwenken. Dadurch lassen sich selbst Stellen, die hinter Mauervorsprüngen und Verspannungen liegen, erreichen.

Verschiedene Sonderausführungen machen den T 225 noch vielseitiger: Stützen horizontal/vertikal, 1,7 x 1 m große Aluminium-Arbeitsbühne, hydraulische Bühnendrehvorrichtung, Bühnenwechselvorrichtung und Wasser-/Luftanschlussmöglichkeit in der Arbeitsbühne. Mit der Abstützung horizontal-vertikal kann die Hubarbeitsbühne je nach Platzverhältnissen optimal betrieben werden. Ein Abstützen ist im Fahrzeugprofil einseitig oder beidseitig möglich. Die 2 x 45 drehbare Bühne ermöglicht ein paralleles Ausrichten zu Wandflächen hin.

Die Bühnenwechselvorrichtung lässt dem Bediener die Wahl zwischen Baumbeschnitt-, Kunststoff- oder Telebühne. Die Trenngitter in der Baumbeschnittbühne schützen den Bediener z. B. vor Kontakt mit einer Kettensäge. Bei Wartungsarbeiten an Straßenbeleuchtungen wird der Betreiber auf eine Kunststoffbühne zurückgreifen, die ihn vor Stromschlägen bis 1000 V schützt.

Die Aufstellungsgenauigkeit des T 225 beträgt 5. Bei Betrieb mit Horizontal-Vertikal-Abstützung ist ein Schrägstellen von 2 zulässig, die Stützweite liegt bei 4,40 m (beidseitig abgestützt) und bei 2,50 m (im Profil abgestützt).

Insbesondere der hydrostatische Bühnenausgleich hat sich in der Praxis bewährt. Ruckfrei und sanft wird die Bühne durch zwei korrespondierende Hydraulikzylinder waagerecht ausgerichtet. Durch eine Proportionalsteuerung mit zwei Joysticks ist der T 225 leicht und sicher zu bedienen.

Das Steuerungsprinzip ist bei nahezu allen "Ruthmann-Steigern" gleich, was von großem Vorteil ist, wenn ein Arbeitnehmer verschiedene Steiger zu bedienen hat.





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