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Das Zementekzem

eine vermeidbare Berufskrankheit




Ursachen der Maurerkrätze

Die Entstehung einer Maurerkrätze oder medizinisch ausgedrückt eines Zementekzems lässt sich vereinfacht folgendermaßen darstellen:

Die normalerweise schützende obere Hornschicht der Haut wird durch den ständigen Kontakt mit den feuchten und stark alkalischen Zementprodukten durchlässig für Krankheitserreger und allergisierende Stoffe wie Chromat im Zement. Es kommt zur Ausbildung eines Ekzems, eines Hautausschlages.

Hornzellschichten

Zum besseren Verständnis muss man etwas weiter ausholen:
Die äußerste Schicht der Oberhaut ist von allen Hautschichten für die Abgrenzung des Organismus gegen schädliche äußere Einflüsse am wichtigsten. Diese Hornschicht sieht unter dem Mikroskop aus wie eine Backsteinmauer. Die mikroskopisch kleinen Hornzellen entsprechen in dem Beispiel den Backsteinen, die wie mit einem Klebstoff miteinander verbunden sind. Der "Klebstoff" ist eine sogenannte Hydrolipidschicht, die u. a. aus Talg, Zell- und Hornfett sowie Salzen und Wasser besteht.

Chronisches Handekzem   Gesunde Hand
Chronisches Handekzem
  Gesunde Hand


Bezeichnenderweise wurde diese obere Hautpartie von den Medizinern als "Säureschutzmantel" charakterisiert. Sie wird als erste im Zellverbund von schädigenden Einflüssen zerstört und gibt den Weg frei für das Eindringen in die tieferen, bedeutend empfindlicheren Hautschichten. Im klinischen Erscheinungsbild kommt es im akuten Zustand zu Hautrötung und Hautschwellungen, und es zeigen sich entzündliche Bläschen und Knötchen. Bei lang andauernden und sich ständig wiederholenden Irritationen durch Zementkontakt bildet sich letztendlich ein chronischer Entzündungszustand aus, das chronische Handekzem. Die Haut verdickt, sie reißt ein und bildet verstärkt Schuppen. Der ganze Prozess ist mit Schmerzen oder mit sehr quälendem Juckreiz verbunden.

Nun können auch andere Stoffe in die tieferen Hautschichten gelangen, die normalerweise bei einmaligem Kontakt nicht bei jedem Menschen schnell Krankheiten verursachen: Es handelt sich um sogenannte Allergene. Das Immunsystem vieler Menschen entwickelt bei Hautkontakten mit bestimmten Stoffen mehr oder weniger schnell eine Überempfindlichkeitsreaktion in Form eines Ekzems.

In unserem Fall handelt es sich bei dem Allergen um die Chromat-Ionen im feuchten Zement, auf die der Organismus überempfindlich reagiert. Das durch allergische Reaktion verursachte Kontaktekzem erscheint zu Beginn der Erkrankung in der Regel an den Haut-stellen, an denen dieser Kontakt zuerst stattfindet; bei der Maurerkrätze also an den Händen. Es kann jedoch im fortgeschrittenen Krankheitsstadium auch an anderen Körperstellen auftreten und sich über große Hautpartien ausbreiten. Ist ein Mensch erst einmal gegen einen bestimmten Stoff sensibilisiert, so genügt häufig ein kurzer erneuter Kontakt mit dem Allergen, um einen neuen Krankheitsschub auszulösen.

Erschwerend für die Ursachenbekämpfung von Handekzemen kommt hinzu, dass das irritative Ekzem häufig den Wegbereiter für ein allergisches Ekzem bildet. Die chronisch entzündete Haut wird durchlässig für Arbeitsstoffe, die eine allergene Potenz besitzen und der Sensibilisierungsvorgang wird ausgelöst.

Chronisches Handekzem   Gesunde Hand
Allergisches Kontaktekzem
  Chronisches Kontaktekzem




Schema des Schädigungsablaufs und des Erwerbs einer Allergie

 




Bekämpfungsstrategie der Maurerkrätze

Die Vermeidung eines zementbedingten Kontaktekzems erfordert kombinierte Schutzmaßnahmen, die dem mehrschichtigen Erkrankungsrisiko gerecht werden. Grundsätzlich gilt auch beim Hautschutz die für alle Schadfaktoren anzuwendende Rangfolge der Schutzmaßnahmen:

  • Austausch des schädigenden Stoffes durch einen gefahrlosen oder weniger schädigenden Stoff;
  • Auswahl geeigneter Arbeitsverfahren;
  • Persönliche Schutzmaßnahmen und Sorgfalt des Einzelnen beim Umgang mit dem schädigenden Stoff.

Als wirksamste Methode zur Vermeidung allergischer Hautreaktionen hat sich die Reduzierung des Chromatanteils im Zement bzw. zementhaltigen Produkten bewährt. Der Einsatz chromatarmer Produkte ist vorrangig dort notwendig, wo Zement in kleineren Mengen tagtäglich verarbeitet wird und wo ein Hautkontakt fast unvermeidlich ist.

Schutz vor der irritativen Schädigungskomponente des Zements lässt sich nicht immer durch technische Maßnahmen erreichen, da auf die Alkalität der Zementprodukte nicht verzichtet werden kann.

Hier greift die Anwendung persönlicher Schutzausrüstung in Verbindung mit sorgfältiger Hauthygiene der Beschäftigten.

Dort, wo das Tragen von Schutzhandschuhen die Arbeitsabläufe nicht behindert, bildet der Einsatz geeigneter Handschuhe, kombiniert mit einem Hautschutz- und Hautpflegepräparat zur Regeneration der Hornhautschicht das Mittel der Wahl. Lederhandschuhe sind für die Arbeit mit feuchten Zementprodukten nur bedingt geeignet, da sie bei längerer Tragedauer feuchtigkeitsdurchlässig werden. Hier bieten sich z. B. nitrilbeschichtete Baumwollhandschuhe an, die vor Eindringen der Feuchtigkeit schützen.

Dort, wo das Tragen von Handschuhen über längere Zeit nicht zumutbar ist, kommt dem konsequenten Hautschutz eine besondere Bedeutung zu.

Das Grundprinzip:

  • Ein speziell auf den Schadfaktor abgestimmtes Hautschutzpräparat soll zum einen das Eindringen von Schadstoffen möglichst verhindern, zum anderen auch die Hautreinigung erleichtern. Zement zählt zu der Gruppe der wasserlöslichen Arbeitsstoffe. Die einzusetzenden Hautschutzmittel müssen also wasserunlöslich sein, um einen wirksamen und anhaltenden Schutz zu gewährleisten.
  • Als Hautreinigungspräparate für zementhaltige Produkte genügen in der Regel Präparate mit waschaktiven Substanzen, die wegen ihrer besseren Hautverträglichkeit den herkömmlichen Seifen überlegen sind. Die Hautreinigung sollte so schonend wie möglich durchgeführt werden, um die Haut nicht noch zusätzlich, z. B. durch Zusatz von Reibemitteln, zu reizen und zu schädigen.
  • Hautpflegemittel letztendlich unterstützen die natürliche Regeneration der Haut und halten die beruflich beanspruchte Haut gesund. Sie gehören als dritte Säule eines wirksamen Hautschutzes ebenso selbstverständlich zur Organisation der Pflegemaßnahmen wie die speziellen Hautschutzpräparate. Eine gepflegte Haut erkrankt nicht so schnell wie eine ungepflegte Haut.


Hautschutz

Dr. Gerhard Ambrosius

Anschrift des Verfassers:
Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Theodor-Heuss-Str. 160, 30853 Langenhagen





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