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[Die Industrie der Steine + Erden]






Absturz eines SKW im Steinbruch

Dipl.-Ing. G. Czuck



Wieder ereignete sich ein für den Fahrer eines Schwerlastkraftwagens (SKW) tödlich verlaufener Unfall. Ein seit längerem als SKW-Fahrer eingesetzter Mitarbeiter ist beim Abkippen von Abraum mit dem SKW im Steinbruch ca. 40 m tief abgestürzt (Abb. 1).


Abb. 1: Übersicht der Unfallstelle
Abb. 1: Übersicht der Unfallstelle

Der Fahrer wurde außerhalb des SKW auf dem Boden liegend gefunden. Die Unfallursachen und erforderliche Maßnahmen zur Vermeidung solcher Unfälle sollen aufgezeigt werden.

Unfallhergang

Eine Abraumhalde sollte abgebaut werden, das Erdmaterial wurde mittels Bagger auf den SKW verladen. Ca. 200 m von der Beladestelle entfernt wurde auf gleicher Höhe von dieser Sohle aus das Material über die Bruchwandkante in die unterste Sohle des alten Steinbruches abgekippt. Im Bereich dieser Kippstelle befindet sich ein Wendeplatz mit ausreichender Fläche für das Rangieren des SKW. Dort wurde der SKW rückwärts an die Kippstelle gelenkt. Im Kippstellenbereich war etwa über die doppelte SKW-Breite ein ca. 0,8 m hoher und ca. 0,8 m breiter Erdwall angeschoben. Die Kipparbeiten waren bereits am Vortag ganztägig mit zwei SKW durchgeführt worden. Der Erdwall war auf Fahrzeugbreite abgerutscht. Der SKW muss mit den Hinterrädern in den Erdwall gefahren sein und hat anschließend die Bruchwandkante des fest anstehenden Gebirges überfahren.Der SKW kam auf der untersten Sohle in Kipprichtung wieder zu stehen. Vermutlich war der Kippvorgang noch nicht eingeleitet worden, denn die Mulde zeigte äußerlich keine Verformung (Abb. 2).


Abb. 2a: SKW-Rückansicht
Abb. 2a: SKW-Rückansicht


Abb. 2b: SKW-Vorderansicht
Abb. 2b: SKW-Vorderansicht

Dies lässt darauf schließen, dass sich die Mulde vom Fahrzeugrahmenaufbau noch nicht entfernt hatte. Der Rückwärtsgang (2. Gang) war eingelegt.

Der Unfallhergang lässt sich wie folgt rekonstruieren:

Nach dem Überfahren der oberen Bruchwandkante muss der SKW die Steilböschung (Neigungswinkel ca. 80) heruntergerollt sein. Nach ca. 20 - 22 m ist der SKW mit dem Heckbereich der Mulde auf die Zwischensohle geschlagen, von dort abgesprungen, hat sich um ca. 180 rückwärts überschlagen und ist mit der Fahrzeugschnauze auf der unteren Sohle aufgeschlagen. Durch eine abschließende 90 Kippbewegung ist der SKW wieder auf den Rädern zu stehen gekommen. Für diesen geschilderten Bewegungsablauf sprechen, dass die Kühlerfrontabdeckung des SKW mit Erde vollgepresst war und die Frontscheibe vollständig aus dem Gehäuse ausgebrochen und im Aufschlagbereich zusammenhängend auf dem Boden lag.Der Fahrer wurde im Frontscheibenbereich auf dem Boden ca. 3 m vom SKW entfernt liegend gefunden.Der Beckengurt war nicht eingerastet. Dies deutet darauf hin, dass er sich nicht angegurtet hatte und beim Fahrzeugaufprall durch und mit der Frontscheibe aus dem Kabinenraum flog. Dieser Ablauf steht auch im Einklang mit den Äußerungen eines Augenzeugen. Er habe einen lauten Knall gehört und anschließend den Überschlag des SKW im unteren Bereich gesehen.

Unfallursachen

Seitens der Polizei wurde zur Klärung des Sachverhaltes ein Fahrzeugsachverständiger hinzugezogen.Die Erstuntersuchung vor Ort ergab keine technischen Mängel. Der SKW befand sich in technisch gutem Zustand, er war kurz vor dem Unfall durch einen Sachkundigen des Herstellers ohne Beanstandung geprüft worden. Das Unternehmen konnte die Prüfnachweise vorlegen. Ein technischer Mangel am Fahrzeug war somit auszuschließen. Der Verunglückte galt als umsichtiger und zurückhaltender SKW-Fahrer, bei ihm konnte keine Alkoholeinwirkung nachgewiesen werden. Vermutlich hatte er den Abstand zur Bruchkante im Rückspiegel beim Rückwärtsfahren unterschätzt. Möglicherweise haftete sich das erdfeuchte Kippgut am Wall an und hat diesen in Böschungsrichtung verbreitert. Durch Fehleinschätzung wurde der Wall angefahren. Der aufgeschüttete Erdwall konnte den beladenen SKW mit einem Gesamtgewicht von ca. 78 Tonnen nicht halten. Ausschlaggebend ist jedoch der Umstand, dass an der Kippstelle kein fester, mit dem Untergrund verankerter Anschlag vorhanden war. Ein derartiger Anschlag hätte ein Ablaufen des SKW verhindert. Im vorliegenden Fall hätte deshalb das Material wenigstens 5 m von der Absturzkante entfernt abgekippt werden müssen und es hätte mit geeigneten Maschinen wie Radlader, Raupe, Bagger, möglichst rechtwinklig zur Absturzkante beigeschoben werden müssen.Die betrieblich Verantwortlichen müssen der sicheren Gestaltung des Abbaubetriebes Rechnung tragen. Unter Berücksichtigung der nachgenannten Forderungen lassen sich in Gewinnungsbetrieben Absturzunfälle vermeiden. Der Gestaltung sowohl von Verkehrs- und Transportwegen als auch von Kippstellen ist besondere Beachtung zu widmen. Führen Fahrstraßen an Bruch- und Haldenrändern vorbei, müssen geeignete Maßnahmen gegen deren Überfahren, insbesondere durch Leitplanken, Freisteine, Schutzwälle oder Schrammborde, getroffen sein ( 11 Abs. 1-3 der UVV "Steinbrüche" - VBG 42 -). Werden an Absturzkanten Entladestellen für Fahrzeuge eingerichtet und werden Materialien über die Absturzkante gekippt, hat der Unternehmer dafür zu sorgen, dass diese durch feste, mit dem Untergrund verankerte Anschläge gesichert werden (Abb. 3).


Abb. 3: Fester Anschlag der Kippstelle
Abb. 3: Fester Anschlag der Kippstelle

Als Höhe des Anschlages wird ein Drittel des Raddurchmessers der abkippenden Fahrzeuge empfohlen. Auf den Anschlag kann jedoch verzichtet werden, wenn die Entladestelle wenigstens 5 m vor der Absturzkante eingerichtet und mit geeigneten Maschinen abgeschoben wird. Das Abschieben hat möglichst rechtwinklig zur Absturzkante zu erfolgen. Dafür geeignete Maschinen sind z. B. Bagger, Radlader oder Raupen, die je nach Standfestigkeit des vorhandenen Untergrundes einzusetzen sind. Ist im Bereich der Absturzkante mit sich teilweise lösenden Materialien zu rechnen, sind Maschinen und Geräte mit Kettenlaufwerken vorzusehen ( 23 der UVV "Steinbrüche" VBG 42-). Generell ist zusätzlich für den Steinbruchbereich ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument zu erstellen. Darin sind die Gefährdungen für die Beschäftigten zu ermitteln und einer Bewertung zu unterziehen, es sind entsprechende Maßnahmen im Sinne der Gefahrenverhütung aufzuzeigen und umzusetzen ( 5 der UVV "Steinbrüche" - VBG 42- in Verbindung mit Anhang 1 der VBG 42).



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