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[Die Industrie der Steine + Erden]






Bohr- und Sprengtechnik



Raupenbohrgerät BPI 115

In fast allen Betrieben zur Gewinnung von Naturstein werden die Rohstoffe durch den Einsatz von Sprengstoffen aus dem Gebirgsverband gelöst. Um bei diesen Arbeiten Steinflug zu vermeiden und Sprengerschütterungen zu minimieren, bedarf es einer ausgefeilten Bohr- und Sprengtechnik.

Erste wichtige Voraussetzung für einwandfrei ablaufende Gewinnungssprengungen ist das richtige Vermessen der Bruchwand. Hierbei müssen Vor- und Rücksprünge genau ermittelt werden, um anschließend eine richtige Massen- und Lademengenberechnung vornehmen zu können. Zweite Bedingung ist, daß die Bohrlöcher exakt niedergebracht und vermessen worden sind, denn nur dann kann der Sprengstoff in ihnen so angeordnet werden, daß er seine Aufgabe optimal erfüllt, also die Vorgabe vollständig wirft, kein Steinflug verursacht wird und Erschütterungen unter den zulässigen Grenzwerten bleiben.

Vermessen der Bruchwände

Über viele Jahre hinweg wurden die Wände der Steinbrüche, in denen das Material mittels Großbohrlochsprengungen hereingewonnen wird, mit Hilfe des Lotmeßverfahrens, mit Hängekompaß und Gradbogen, mit dem Handgefällmesser oder mit dem Tachymeter-Theodolit vermessen. Die Arbeiten mußten unmittelbar vor der Wand vorgenommen werden, wodurch die Beschäftigten einer erheblichen Unfallgefahr ausgesetzt wurden. Das Ergebnis derartiger Messungen war relativ ungenau, Vor- und Rücksprünge innnerhalb der Wand mußten weitgehend geschätzt werden.Vor einigen Jahren begann die WESTSPRENG GmbH mit der Einführung des Bruchwand-Vermessungssystems MDL-QUARRYMAN, dem ersten System, welches für diese Arbeiten einen Lasertheodoliten verwendete. Gemessen werden davon Vertikalwinkel, Horizontalwinkel und die Distanz zur Bruchwand bis zu 500 m ohne Reflektoren. Bruchwand-Lasersystemveressung Die Meßdaten werden automatisch gespeichert und von einem PC ausgewertet, der ein dreidimensionales Modell der Bruchwand erstellt. Jetzt wurde von Breithaupt ein Laservermessungssystem für Steinbruchwände der neuesten Generation LAPRO II mit interaktiver Auswertesoftware zur Darstellung der Profile und zur Lademengenberechnung entwickelt (Abb. 1). Die traditionellen Meßverfahren stützen sich fast ausschließlich auf Meßpunkte der Bruchkante und der Sohle, mit dem passiv messenden Laser-Distanzmesser können jedoch auch dazwischenliegende sicherheitsrelevante Bereiche wie Vorsprünge, Ausbrüche und Überhänge ohne Aufstellen eines Zielzeichens exakt vermessen werden.






Das Meßinstrument

Das Bruchwand-Laservermessungssystem LAPRO II besteht aus den Hauptkomponenten passiv messender Laser-Distanzmesser, elektronisches Winkelmeßsystem zur Bestimmung der Horizontal- und Vertikalwinkel und Feldrechner mit Datenerfassungssoftware. Der elektronische Laser-Distanzmesser arbeitet nach dem Prinzip der Laufzeitmessung von Laserimpulsen, die an natürlichen Zielen, wie Fels oder Erde, reflektiert werden. Das Aufstellen einer Meßlatte, eines Spiegels oder dgl. ist nicht notwendig. Die Meßentfernung liegt je nach Reflexionsverhalten der Zielfläche zwischen 100 m und 200 m bei einer Meßgenauigkeit von 5 cm.Neben der passiven Messung auf Steine, Erde etc. (nicht kooperative Ziele) ist jetzt auch das Messen auf kooperative Ziele wie z.B. preisgünstige Kunststoffreflektoren möglich. Gerade bei sehr abgerundeten oder nach längeren Abbaupausen eingewachsenen Bruchkanten können für die Sicherheit der Sprengung wichtige Punkte mit Reflektoren signalisiert werden. Die Entfernungsmessung erfolgt dann punktgenau auf den Reflektor, in die Meßrichtung hineinragende Hindernisse, wie z.B. Äste, Gebüsch, Steine, führen zu keiner Verfälschung des Meßergebnisses.Elektronische Winkelgeber stellen bezogen auf eine Ausgangsrichtung den jeweiligen Horizontalwinkel und bezogen auf die Lotrichtung die Vertikal- bzw. Neigungswinkel zur Verfügung. Die sehr genaue Winkelwerterfassung von ±0,03° bietet den Vorteil, daß von einem Standpunkt aus ein großer Abschnitt der Bruchwand auf einmal vermessen werden kann. Desweiteren kann auf Grund der hohen Genauigkeit der Winkel- und Distanzmessung die Bruchwandvermessung auch aus größerer Distanz erfolgen, wenn dies z.B. wegen einer sehr schmalen Sohle aus Sicherheitsgründen angezeigt ist. Die Bruchwand wird nicht mehr profilweise (Messung senkrechter Profile vor den Bohrlöchern) gemessen, sondern zeilenweise abgescannt. Die Anzahl der Zeilen und die Punktdichte richten sich nach der Struktur der Bruchwand. Bei Ausbrüchen und Überständen werden mehr Punkte gesetzt als in Abschnitten mit ebenem Wandverlauf. Der sicherheitsrelevante Vorteil liegt darin, daß das Problem der "schräg gemessenen Profile" nicht mehr existiert. Die mit der Auswertung erhaltenen Vorgabewerte gelten genau da, wo die Hauptwirkung der Sprengladung auftritt.Die Zieleinstellung erfolgt sehr einfach und anwenderfreundlich über zwei große, auch mit Handschuhen gut handhabbare Knöpfe, welche über die Präzisionszahnradübersetzung eine präzise Ausrichtung der Zieloptik in horizontaler und vertikaler Richtung erlauben.Mit einem Tastendruck wird die einzelne Messung ausgelöst und das Ergebnis automatisch gespeichert. Die Datenspeicherung erfolgt nicht mehr im Meßinstrument selbst, sondern auf einem separaten Feldrechner mit ausführlicher Benutzerführung. Jede Messung wird unter einem frei definierbaren Filenamen abgelegt. Mehrere Bruchwandvermessungen können parallel verwaltet werden. Nach der Messung wird nur noch der Feldrechner mit ins Büro genommen und zur Datenübertragung an den PC angeschlossen.

Auswertesoftware DBB


Bruchwandvermessung

In Abbildung 2 ist der Grundriß einer aus 3 Bohrlinien bestehenden Bohranlage dargestellt (Druckerausgabe von DBB). Diese Steinbruchwand ist sehr zerklüftet und die obere und untere Bruchwandkante haben einen sehr unruhigen Verlauf. Sie ist ca. 50 m breit und wurde von einem Standpunkt aus aufgenommen. Die Bohrlöcher sind zum Zeitpunkt der Messung noch nicht gebohrt. Die Bohranlage entsteht mit DBB interaktiv auf dem Monitor. Das Monitorbild verfügt über drei Fenster: Draufsicht, Vorderansicht und Profil. Nach der Festlegung einer oder mehrerer Bohrlinien im Fenster "Draufsicht" und Eingabe von Bohrlochabstand und Bohrlochneigung werden die Profilschnitte berechnet und im Fenster "Profil" dargestellt. Weil die Meßpunkte nicht nur entlang der senkrechten Profile, sondern auch dazwischen aufgenommen wurden, ist es möglich, den Profilschnitt interaktiv nach links und nach rechts in 20cm-Schritten zu verschieben. Parallel dazu wird auf dem Monitor im Fenster "Profil" die Veränderung des Profilverlaufs in Echtzeit aktualisiert. Die Frage, wie sieht die Wand zwischen den Profilen aus, läßt sich damit eindeutig und sicher beantworten.Jedes Bohrloch kann interaktiv nicht nur in seiner Neigung, sondern auch in seinem Horizontalwinkel verändert werden. In Abbildung 2 trifft dies für die Bohrlöcher 5, 6 und 13 zu. Die Abweichungen von 90° zur Bohrlinie sind –10° für Bohrloch 5, +6,2° für Bohrloch 6 und +10° für Bohrloch 13 (siehe tabellarische Zusammenfassung). Sind die Bohrlöcher schon fertiggestellt, werden die Bohrdaten als Ist-Werte in die Auswertung übernommen.Nach Eingabe einer spezifischen Sprengmittelmenge in kg/m3 wird die Sprengmittelmenge pro Bohrloch (ohne Berücksichtigung von Besatz) und die Gesamtsprengmittelmenge berechnet. Ebenfalls berechnet wird das gesamte Ausbruchvolumen.In der tabellarischen Zusammenfassung der Auswertung sind weiterhin angegeben:– Abstand zum linken Bohrloch– Horizontalwinkel des Bohrloches, falls nicht senkrecht zur Bohrlinie gebohrt wurde– Minimale Vorgabe je Bohrloch– Neigungswinkel des Bohrloches– Bohrlochtiefe.Die Archivierung und Dokumentation der Meß- und Auswerteergebnisse erfolgt als Druckerausgabe auf Papier und/oder digital, z.B. auf Diskette.


Vermessung der Bohrlöcher

Zur richtigen Berechnung und Verteilung der Sprengladungen ist es notwendig, den Verlauf der Bohrlöcher zu ermitteln. Bei geraden Löchern und relativ niedrigen Wänden reicht meistens die Bestimmung der Bohrlochneigung mit Taschenlampe und NEGLI aus.Das aussagekräftigste System zur Vermessung von Sprenglöchern ist jedoch BORETRAK, mit dem sich sowohl trockene als auch nasse Bohrlöcher von mehr als 50 mm Durchmesser vermessen lassen. Die Meßgenauigkeit wird weder durch magnetische Einflüsse noch durch die Beschaffenheit der Bohrlochwandung oder Wasser im Bohrloch beeinträchtigt. Die Meßsonde wird an Stangen, welche untereinander mit einaxialen Gelenken fest verbunden sind, in das Bohrloch hinabgelassen. Die zum System gehörende Kontroll- und Anzeigeeinheit speichert alle Daten, die nach der Messung auf einen PC überspielt werden. Die BORETRAK-Software übernimmt die Auswertung und vergleicht die Daten der Planung mit den Ergebnissen der tatsächlichen Bohrung. Auf einer Grafik wird der Unterschied zwischen geplantem und gebohrtem Bohrlochverlauf sichtbar gemacht.Mit dem Vorgabemeßsystem DIADEME läßt sich der Fußpunkt eines Bohrloches hinreichend genau ermitteln. Das System besteht aus dem Sender, welcher völlig frei bewegt werden kann, und dem Empfänger mit Sonde, Kabel und Anzeigegerät. Die Distanzmessung zwischen den beiden Teilen erfolgt elektromagnetisch und ist weitgehend unabhängig vom Gestein. Die Meßwerte werden auf dem Anzeigegerät am Bohrlochmund angezeigt. Die Sonde des Empfängerteils wird mit dem Kabel in das Bohrlochtiefste hinabgelassen. Eine zweite Person bringt den Sender an den Fuß der Wand und tastet diese so lange ab, bis die geringste Distanz zwischen Sender und Empfänger gefunden ist, dieser digital angezeigte Wert ist der tatsächliche Vorgabe-Ist-Wert. Dann wird noch die Lage des Senders markiert. Vergleicht man diese Markierung mit dem Lot des Bohrlochmundes am Wandfuß, so werden seitliche Abweichungen deutlich. Auch die Abstände der Bohrlöcher untereinander sind gut erkennbar.


Systeme für zielgenaues Bohren

Die höchste Präzision beim Bohren der Sprenglöcher wird mit Tieflochhämmern erreicht. Diese Hämmer werden jedoch ausschließlich mit Druckluft betrieben und haben einen schlechteren Wirkungsgrad als lafettengeführte Hydraulikhämmer. Die Hersteller von Lafettenbohrmaschinen haben mit großem Aufwand nach Verbesserungen auf dem Sektor der Zielgenauigkeit gesucht und vorzeigbare Ergebnisse erzielt.Gerades und schnelles Bohren in anspruchsvollen Gesteinsformationen sind nach Angaben des Unternehmens die Worte, die COPROD, das von Atlas Copco entwickelte, patentierte Außenlochhammer-Bohrsystem am besten beschrie-ben. Das Resultat dieser Entwicklung ist ein Bohrgestänge, welches die mit Senkbohrhämmern erzielte Bohrlochgenauigkeit mit der hohen Bohrleistung der Außenhammermethode kombiniert. Das Bohrgestänge besteht aus einer Kombination aus Schlagstangen und Bohrrohren (Abb. 3).

COPROD-System

Die Schlagstangen übertragen ausschließlich die Schlagenergie, während die Bohrrohre die Vorschubkraft sowie das Rotationsdrehmoment übertragen und das Spülmedium bis zur Lochsohle transportieren.In jeder COPROD-Sektion befindet sich eine schwimmend gelagerte Schlagstange. Die Schlagstangen haben keine Gewinde, das heißt, die vom Bohrhammer erzeugten Stoßwellen werden direkt auf die Bohrkrone übertragen, ohne Energieverluste. Weil die äußeren Bohrrohre, welche die Schlagstangen umfassen, nur das Rotationsdrehmoment und die Vorschubkraft übertragen sowie das Spülmedium transportieren, haben sie eine sehr hohe Standzeit. Mit den geraden Sprengbohrlöchern sind folgende Vorteile verbunden:– Bohrschemata mit größeren Lochabständen sparen Zeit und Geld– Gerade Löcher gestatten das problemlose Laden mit Sprengmitteln– Gerade Löcher senken den Sprengmittelverbrauch– Gleichmäßig verteilte Ladungen verringern Bodenerschütterungen– Gerade Löcher ergeben eine regelmäßigere Zertrümmerung– Gerade Löcher ergeben glatte Strossen und Sohlen– Gut verteilte Ladungen verringern Sprenglärm und Gesteinsflug– Weniger festgebohrte Bohrstangen bedeuten weniger Zeitaufwand für das Ziehen der Bohrstangen.Auf der letztjährigen Messe für die Bau- und Bohrtechnik in Metz, sorgte ein neuartiges Bohrsystem für Aufsehen. Es handelte sich um das von der BTD-Bohrtechnik – die auch der Hersteller aller HAUSHERR-Bohrgeräte ist – neu entwickelte SDR- Bohrsystem. Im Rahmen der Messe wurde ein erstes Ausstellungsstück der Fachwelt vorgestellt, während in Feldversuchen die Leistung erprobt wurde. Aus diesem Grund sollen an dieser Stelle die Konstruktionsmerkmale des SDR-Bohrsystems vorgestellt werden.


Ringraumoptimierung

Durch Anpassung des Ringraumes an den Bohrlochdurchmesser wird eine optimale Austragung des Bohrkleins erreicht. Durch den kleineren Ringraum (A) kann man mit einer wesentlich geringeren Menge Spülluft den gleichen Effekt erzielen wie bei den bisherigen zur Anwendung kommenden Bohrstangen (B). Außerdem können in das Bohrloch keine größeren Gesteinsbrocken mehr gelangen, was des öfteren zum Verlust des Bohrgestänges führte.


Spülluftverbesserung


Spülluftströme

Beim SDR - Bohrsystem kommt eine Zweikreisspülung zum Einsatz (Abb. 4). Der erste Spülstrom (A) geht wie bisher durch das normale Innengestänge zur Bohrsohle, während der zweite Spülstrom (B) durch den Raum zwischen Innengestänge und Außenrohr (C) Richtung Sohle gelangt. Dieser Spülstrom ist mit einer DTH-Schmierung versehen (D), die sich beim Lösen der einzelnen Stangen an den Schraubstellen (E) als außerordentlich hilfreich erwiesen hat. An den jeweiligen Verbindungsstellen des Gestänges sind Bohrungen zur Rückspülung mit dem zweiten Spülstrom angebracht (F). Sie unterstützen den Austrag des Bohrkleins und können auch zur Einbringung von Bohrlochstabilisatoren genutzt werden.


Richtungsstabilität

Weil das Innengestänge nicht nur verschraubt ist (A), sondern in den Außenrohren auch noch geführt wird (B), wurde die Biegung des Gestänges minimiert. Zusätzlich sind auch die Außenrohre scharniert (C), wodurch sich das gesamte Gestänge mit einer nochmals erhöhten Biegesteifigkeit auszeichnet.


Kompatibilität


Adaptersysteme

Durch Verwendung verschiedener Adapterstücke (A) ist das System (Abb. 5) an fast jeden bekannten Drifter adaptierbar. Es kann an allen Bohrmaschinen mit hydraulischem Außenhammer zum Einsatz kommen. Dies gilt jedoch nicht für die Magazinierung in den jeweiligen Stangenmagazinen. Hier kann jedoch ein bewährtes Hausherr-Rundmagazin mit wenigen Maßnahmen umgebaut werden. Die Außenhammerkronen können mit kleinen Nacharbeiten weiter verwendet werden. Auch die Innengestänge sind handelsübliche Stangen (Speedrod T38, T45, T51) mit kleinen Modifizierungen und gebrauchte Gestänge können ebenfalls leicht nachgearbeitet werden.


Wartung


Wartungsstellen

Da sich vor dem System (Abb. 6) eine DTH Schmierung (A) befindet, ist die Wartung relativ gering und bezieht sich hauptsächlich auf die Verbindung der Innenstange mit dem Außenrohr (B). Verschleiß zeigt sich eigentlich nur an den Außenrohren, die schon mal einer gewissen Reibung an der Bohrlochwand ausgesetzt sind (C). Jedoch sind die Verbindungen Innestange / Außenrohr lösbar, so daß auch ein Reparieren der einzelnen Stangen leicht möglich ist (D).


Handling

Um mit dem SDR - Bohrsystem zu bohren, bedarf es keiner großen Umstellung. Das Handling ist wie bei einer "normalen" Großlochbohrmaschine. Alle Bohranforderungen können mit dem SDR - System abgedeckt werden. Nach Überzeugung von SANDVIK RockTools richtet sich die Geradheit der Bohrlöcher nach der Gesteinsart, der Bohrmethode sowie nach dem Zustand und der Ausrichtung des Bohrgeräts. Und natürlich nach den eingesetzten Gesteinsbohrwerkzeugen. Das weitreichende Sandvik-Verlängerungsbohrkonzept gewährleistet demnach präzise sowie gerade Löcher und erreicht damit 10 bis 20 % niedrigere Gesamtkosten für das Bohren und Sprengen. Diese Kostenersparnis ist höher als die gesamten Bohrwerkzeugkosten.Beim Bohren von Sprenglöchern werden die Reihen und Lochabstände oft verringert, um die Nachteile verlaufender Bohrlöcher auszugleichen. Das erhöht die Zahl der Bohrlöcher, den Bohrwerkzeug- und Sprengstoffverbrauch sowie den Arbeitsaufwand. Daraus ergeben sich unnötigerweise höhere Gesamtkosten.Durch richtiges Aufstellen und Ausrichten des Bohrgeräts, durch vernünftiges Einsetzen der Vorschubkraft je nach den Gebirgsverhälnissen beim Anbohren läßt sich eine bedeutend bessere Einhaltung der Lochrichtung erzielen. Dabei reicht im allgemeinen ein normales SANDVIK COROMANT Bohrgestänge mit kugelförmigen oder ballistischen Stiften an der Krone völlig aus, um die Lochabweichungen in vertretbaren Grenzen zu halten. Eine Lochabweichung unter 2% sollte damit in greifbarer Nähe sein.Falls das Problem ungelöst bleibt, gibt es mehrere Arten von Sonderwerkzeugen, mit denen sich die Lochabweichung begrenzen und das Bohrschema optimieren läßt. Als erste Maßnahme bietet sich die Verwendung einer MF-Stange und einer Rückschneidebohrkrone an. Diese Bohrkrone hat einen langen Körper, dessen Durchmesser nur wenig kleiner ist als der Kronendurchmesser. Der größere Körperdurchmesser verleiht der Bohrkrone eine bessere Führung. Außerdem hat der lange Körper am hinteren Ende Schneiden, die das Zurückfahren erleichtern, falls das Gestänge steckenbleibt.Durch die Verwendung einer Rückschneidebohrkrone mit ballistischen Stiften läßt sich die Lochabweichung weiter verringern, weil die Stiftform für ein besseres Angreifen im Gestein sorgt. Die nächste Maßnahme zur besseren Einhaltung der Lochrichtung ist die Verwendung einer Bohrkrone mit vertiefter Front (Drop Center). Diese hat die gleiche Ausführung wie die Rückschneidebohrkrone, jedoch mit einer anderen Front. Die Frontmitte ist konkav vertieft, damit sich die Bohrkrone nicht wie bei einer flachen Front kuppelförmig abnutzt und somit ein Verlaufen des Bohrlochs vermieden wird. Die Bohrkrone ist auch mit einem Rückschneideschaft und Schneiden am hinteren Ende des Körpers versehen, damit das Gestänge leichter zurückgefahren werden kann, wenn es steckenbleibt.Die Präzision beim Bohren läßt sich weiter verbessern, wenn ein Führungsrohr als erste Stange in ein normales Bohrgestänge eingesetzt wird. Dieses hat fast den gleichen Durchmesser wie die Bohrkronenfront und bildet somit ein steiferes Gestänge, das nicht so leicht verläuft. Diese Maßnahme sorgt für die gleiche Genauigkeit wie beim Senkhammerbohren. Führungsrohre eignen sich für alle Arten von Bohrkronen mit entsprechendem Durchmesser.Zum optimalen Bohrgestänge für präzises Langlochbohren gehören neben den normalen Verlängerungsstangen ein Führungsrohr als erste Stange und eine Führungsbohrkrone an der Spitze (Abb. 7).

Bohrkrone und Führungsrohr

Die Führungsbohrkrone hat meißelförmige Stifte am Rand und kugelförmige Stifte im Kernbereich, außerdem ist die Front vertieft (Drop Center). Für eine gute Führung im Loch hat die Bohrkrone lange Schaftflügel am Stahlkörper, die durch breite Nuten getrennt sind, um die freie Spülluft- und Bohrkleinabfuhr zu erleichtern.


Bohrmaschinen

Atlas Copco bezeichnet das Raupenbohrgerät ROC F7 CR als bisher bestes Bohrausrüstungspaket, welches Produktivität und Lochqualität miteinander verbindet (Abb. 8). Raupenbohrgerät ROC F7 CR Hier wird Qualität und Systematisierung in jeder Hinsicht gewährleistet. Das COPROD-System ist jetzt in das Bohrgerät integriert worden, um eine Bohrausrüstung aus einem Guß zu schaffen, die enorme Produktivität mit optimaler Lochqualität vereint. Außergewöhnlich gute Lochqualität ergibt gute Sprengergebnisse. Gut abgestimmte, überaus langlebige Bohrhämmer der Baureihe COP 1800 garantieren hohe Lebensdauer. Der leistungsstarke, wassergekühlte Mercedes-Dieselmotor mit Turbolader hat niedrige Emissionswerte sowie eine großzügige Leistungsreserve und verursacht geringere Umweltbelastungen. Größere Vorgaben und Abstände durch geradere Löcher erhöhen die Wirtschaftlichkeit in punkto Bohren, Sprengen und Haufwerkabtransport sowie geringere Emissionen. Sorgfältig konzipierte Arbeitsplätze sowohl innerhalb der Kabine als auch außen sind eine Gewähr für gesündere und produktivere Maschinenführer.Das neue Bohrgerät hat einen Einzelausleger, der für Steinbrüche entwickelt wurde, die besonders hohe Anforderungen an die Produktivität stellen. Sonderausrüstungen für horizontales Bohren sind für diese Version lieferbar. Die Möglichkeit, die Lafette horizontal auszurichten, erleichtert auch die Wartung von Lafette und Bohrhammer. Das Tieflochhammer-Verfahren bietet nach Auffassung von BPI Böhler Pneumatik International entscheidende Vorteile. Der Tieflochhammer produziert die Schlagenergie direkt am Stein, es bleibt keine Energie auf der Strecke. Beim Tieflochhammer ist mit dem stabilen Bohrrohr, bei gleichbleibender Bohrleistung, ein exaktes Bohren auch bei großen Bohrlochtiefen und schwierigen Gesteinsverhältnissen möglich. Drei starke Typen für vielseitige Einsätze, Bohrgeräte der Typenreihe BPI 111, 113, 115 für Tieflochhämmer haben sich im weltweiten Einsatz bewährt. Dahinter steht jetzt noch mehr Kraft durch die verstärkte Antriebsleistung der Kompressoren. Diese 3 starken Typen arbeiten zeit- und kostensparend im Steinbruch wie in der Bauindustrie. Mit ihrer Tieflochbohrhammer-Ausrüstung eröffnen sie Dimensionen von 85 mm bis 130 mm beim Gewinnungsbohren, bei Erschließungen, Untersuchungsbohrungen usw. Durch ihre flexible Kinematitk bohren die BPI 111, 113 und 115 außer Kopf- und Fächerlöcher auch tiefangesetzte Sohllöcher parallel zur Bohrsohle exakt plaziert mit nur 125 mm Abstand. Somit bringen sie auch im Wegebau fortschrittliche Leistung, weil sie in der Fahrtrichtung und quer dazu bohren können. Für den Einsatz der Maschinen genügt ein Mann. Die Geräte lassen sich sicher beherrschen, feinfühlig und exakt steuern. Der Bohrsteuerstand kann ausgeschwenkt werden und verschafft dem Maschinisten einen genauen Überblick über den Bohrvorgang. Vorschub und Rotation werden direkt geschaltet, Hammer und Staubabsaugung elektrisch. Einstellbewegungen und Fahrvorgang werden vom Fahrsteuerstand aus dirigiert.Durch automatische Lamellenbremsen und selbstrückstellende Fahrventile stehen die Bohrmaschinen überall und sind auch im steilen Gelände sicher unterwegs. Durch die breiten Antriebsketten ist der spezifische Bodendruck gering, wodurch die Maschinen auch bei morastigem Untergrund kaum einsinken.Mehr Schutz und Komfort für den Bohrmaschinisten bringt die wirkungsvolle Entstaubungsanlage. Sie ist mit Qualitätsfiltern ausgestattet und wird automatisch mit Druckluftimpulsen gereinigt. BPI 113 und 115 sind auf Wunsch mit elastisch gelagerter Kabine und einem Bohrrohrmagazin ausrüstbar (Abb. am Beginn). Alle Armaturen sind ergonomisch, alle Kontrollinstrumente übersichtlich angeordnet. Die Heizung sorgt für angenehme Wärme, der Maschinenlärm ist weitgehend abgeschirmt (Schallpegel unter 85 dB(A). Der Maschinist steuert sämtliche Arbeitsvorgänge vom bequemen Sitz aus, er hat gute Übersicht durch die großzügigen Glasflächen, die durch Schutzgitter entsprechend ISO/DIN 10262 gesichert sind (FOPS). Für den Transport wird die Lafette in einer Abstützung sicher abgelegt und alle im Betrieb herausragenden Teile werden eingegeschwenkt; es gibt keine Überbreite. Dadurch können die Maschinen ohne Spezialtransporter und ohne Begleitfahrzeug – also zeit- und kostensparend – zum Einsatzort transportiert werden. Das Raupenbohrgerät ECM 690 von Ingersoll-Rand ist mit dem Intelsense II System ausgerüstet, das eine druckgesteuerte Tandem-Axialkolben-Verstellpumpe enthält, die direkt vom Motor angetrieben wird. Zur Unterstützung bei schlechten Bohrbedingungen invertiert die Anti-Festbohrautomatik den Vorschub, wenn der Öldruck am Drehmotor zu hoch wird. Es werden alle Bohrfunktionen überwacht und hydraulisch eingestellt, um eine optimale Zielgenauigkeit des Bohrlochs, eine lange Lebensdauer der Teile und eine hohe Leistungsfähigkeit zu erzielen. Der robuste Ausleger ist zum vertikalen, horizontalen, schrägen Bohren und Bohren von Sohllöchern ausgelegt. Die einfach zu bedienenden Bohrhammer- und Magazinsteuerungen sind so angeordnet, daß die Reaktionszeit und die Stangenwechselzeit sehr kurz sind. Die digitale Standard-Winkelanzeige ermöglicht eine schnelle und genaue Einstellung in allen Arbeitsumgebungen.Die Kabine mit ROPS/FOPS Standard ist auf dem Chassis montiert. Der Innenraum wird ständig mit gefilterter Luft versorgt und unter Druck gehalten. Der Geräuschpegel beträgt bei geschlossener Tür und geschlossenem Fenster nur 83 dB(A). Die Klimaanlage (Heizung 8,2 kW und Kühlung 5,2 kW) ist beliebig einstellbar, um ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen. Das leistungsfähige Staubabsaugsystem ist mit Filterkartuschen versehen, welche leicht zu wechseln sind. Bevor Naturstein zu Schotter und Splitt aufzubereiten ist, muß das Rohmaterial aus der Steinbruchwand gewonnen werden, und mit dem Bohren der Sprenglöcher beginnt dieser Vorgang. Auf Ausrüstungen dazu hat die Svedala-Gruppe kürzlich ihr Programm erweitert. Die erste in Deutschland eingesetzte Maschine aus der neuen Großlochbohrgeräte-Baureihe (Abb. 9) arbeitet in einem Steinbruch in der Nähe von Bischofswerda in Sachsen. Raupenbohrgerät Hydra Trac 400C Der Hydra Track 400C gehört zur Gruppe der vollausgerüsteten, allwetterfähigen Bohrgeräte auf Raupenfahrwerk. Die Maschine wird durch einen turbogeladenen Sechszylinder-Caterpillar Dieselmotor angetrieben, der mit einer Höchstleistung von 180 kW überdimensioniert wurde, um beim Bohren mit abgesenkter Leistung und niedrigem Kraftstoffverbrauch arbeiten zu können und für den Einsatz in großer Höhe über Reserven zu verfügen. Der Motor wirkt ausschließlich auf zwei Axialkolben-Verstellpumpen; alle Aggregate der Maschine haben hydrostatische Antriebe. Das Raupenfahrwerk mit 38 cm breiten Bodenplatten und einer Auflagelänge von 277 cm übt eine Bodenpressung von 0,76 kg/cm2 aus. Das hohe Betriebsgewicht von 16,6 t verleiht der Maschine im Bohrvorgang gute Standfestigkeit. Die Raupenschiffe sind pendelnd am Hauptrahmen aufgehängt, der sich rückseitig über Hydraulikzylinder auf den Raupen abstützt und mit einem Winkel von insgesamt 20° vorwärts und rückwärts geneigt werden kann. Die maximale Fahrgeschwindigkeit beträgt 4 km/h, das Steigvermögen 43 %.Der Hydra Trac 400C ist auf die Verwendung von sechs 3,65 m langen 1 1/2- und 1 3/4"-Bohrstangen, für eine Gesamt-Bohrteufe bis 21 m, eingerichtet, von denen fünf im linear beweglichen Magazin des Stangenwechslers Aufnahme finden. Als Bohrhammer wird ein 218 kg schwerer Außenhammer eingesetzt, der auf 203 bis 407 J Schlagenergie einstellbar ist. Der Drehantrieb durch zwei Hydraulikmotore liefert bei 214 bar Öldruck ein größtes Drehmoment von 678 Nm. Die Lafette ist in der Hauptebene um 36° neigbar und wird von einem Teleskopausleger getragen, der eine größte Ausladung von 3,5 m hat und damit beim Strossenbohren das zeitsparende, leistungssteigernde Niederbringen von jeweils zwei Bohrungen aus ein und derselben Maschinenposition erlaubt.Gute Einstellbarkeit auf den Bohrvorgang ist ein Kennzeichen auch der Führerkabine, die an einem schwenkbaren Tragarm so gehalten ist, daß sie dem Maschinenführer direkten Blick durch die Frontverglasung auf die Bohrstelle ermöglicht. Außerdem läßt sich die Kabine, die serienmäßig mit einem Roll-Over-Protection System (ROPS) ausgerüstet ist, aufwärts und abwärts neigen; alle diese Einstellungen erfolgen hydraulisch. Sämtliche Vorgänge sind aus der Kabine steuerbar, die mit Überdruckbelüftung, Heizung und Klimaanlage versehen ist. Um die Kabinenerwärmung durch die Steuerventile und Ölleitungen in Grenzen zu halten, sind die Ventile der Hauptkreisläufe außerhalb der Kabine angeordnet; sie werden hydraulisch vorgesteuert. Außerdem hat der Hydra Trac einen Außensteuerstand.Zur Entstaubung eingebaut ist ein Abscheidesystem mit Vorabscheider und großem Filterkasten. Der Bohrluftkompressor liefert 8,5 m3/min Druckluft, ausreichend für sicheren Bohrgutauswurf bis 114 mm Lochdurchmesser.Als Zusatzausrüstungen stehen u.a. eine Anti-Festbohrautomatik, eine elektronische zweiachsige Mastneigungsanzeige und eine hydraulische Heckwinde zur Verfügung.





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